Vor den IS-Milizen geflohene Jesidinnen im Nordirak (Archivbild)

Michael Blume: Deutschland sollte mehr Jesidinnen aufnehmen

Der baden-württembergische Antisemitismusbeauftragte Michael Blume ruft zur Aufnahme weiterer Jesidinnen aus dem Nordirak in Deutschland auf.

Nach dem Beschluss einer Resolution im UN-Sicherheitsrat zum Schutz von Frauen in Konfliktregionen hoffe er, dass die Bundesregierung noch einmal bereit sei, Frauen und Kinder aufzunehmen, die sexuelle Gewalt erlitten haben, sagte Blume dem Evangelischen Pressedienst (epd). In irakischen Flüchtlingscamps lebten viele hundert Frauen, die alle ihre Angehörigen verloren hätten unter schwierigsten Umständen, fügte Blume hinzu, der auch Leiter des Referats Nordirak im Staatsministerium in Stuttgart ist. Es handele sich bei ihnen um absolute Notfälle, denen man vor Ort nicht helfen könne.

Blume hatte bis Mitte 2016 eine Projektgruppe geleitet, die rund 1.100 besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus dem Nordirak nach Deutschland geholt hat. Der überwiegende Teil von ihnen wurde in Baden-Württemberg untergebracht. Unter ihnen war auch Nadia Murad, die selbst von Kämpfern der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) versklavt und vergewaltigt worden war und heute Friedensnobelpreisträgerin ist. Murad war am Dienstag Rednerin im UN-Sicherheitsrat in New York, als dort auf Initiative Deutschlands die Resolution gegen sexualisierte Gewalt in Konflikten angenommen wurde. Ziel der Resolution ist es, Strukturen zu schaffen, um Täter besser verfolgen und Opfer besser schützen zu können.

"Sie sind unsere Verbündeten"

Der Religionswissenschaftler Blume betonte: "Wenn ein Bundesland es alleine geschafft hat, tausend Menschen aufzunehmen, dann sollte doch ganz Deutschland in der Lage sein, noch einmal tausend zu retten." Baden-Württemberg biete an, die eigenen Erfahrungen, Kompetenzen und Kontakte auch anderen Behörden zur Verfügung zu stellen. Vielen Opfern helfe bereits ein Ortswechsel. So habe es im Irak viele Suizide gegeben, unter den in Deutschland aufgenommenen Jesiden keinen einzigen.

Viele der Frauen hätten inzwischen den Führerschein gemacht und arbeiteten. Auch sagten sie vor den Strafverfolgungsbehörden gegen IS-Täter aus. "Sie sind unsere Verbündeten gegen Extremismus und sexualisierte Gewalt", sagte Blume.

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