Fünf Jahre Jemen-Krieg: Hilfswerke fordern Ende der Gewalt

Am 26. März 2015 begann der Krieg im Jemen. Gewalt, Hunger und eine Cholera-Epidemie lösten eine humanitäre Katastrophe aus. Die Menschen sind geschwächt und daher besonders anfällig, durch das Coronavirus schwer zu erkranken.

Fünf Jahre nach Beginn des Jemen-Kriegs beklagen Hilfswerke verheerende Auswirkungen der Gewalt. Die humanitäre Not mache die Bevölkerung besonders anfällig für schwer oder tödlich verlaufende COVID-19-Erkrankungen, warnte die Entwicklungsorganisation Oxfam am Dienstag in Berlin. Im Jemen treffe die Corona-Pandemie auf eine von Krieg und Krankheit geschwächte Bevölkerung. Die Grenzschließungen verhinderten zudem, dass genug Hilfe komme.

Am 26. März jährt sich der Beginn des Jemen-Krieges zum fünften Mal. Oxfam und weitere Hilfswerke fordern von den Kriegsparteien einen sofortigen Waffenstillstand und die Rückkehr zu Friedensverhandlungen. Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre seien pro Stunde mehr als 50 Cholera-Verdachtsfälle gemeldet worden, insgesamt 2,3 Millionen, erklärte Oxfam. Da die Regenzeit im April beginnt, wird eine Zunahme befürchtet. Zehn Millionen Menschen, rund ein Drittel der Bevölkerung, müssten hungern. Die Hälfte der Gesundheitszentren seien zerstört oder beschädigt.

Ständig Angst

Die Kinder im Jemen haben laut Helfern durch den Krieg schwere psychische Schäden erlitten. "Angst, Trauer und Verlust - diese Gefühle bestimmen nach einem halben Jahrzehnt Krieg eine Kindheit im Jemen", erklärte die Vorstandsvorsitzende von "Save the Children" Deutschland, Susanna Krüger. Mehr als die Hälfte der Mädchen und Jungen zeigten einer Studie zufolge Anzeichen einer Depression, fast jedes fünfte Kind habe ständig Angst.

Seit Dezember 2017 wurden dem Kinderhilfswerk zufolge mindestens 2.047 Mädchen und Jungen getötet oder verstümmelt. Die Ernährungslage von 10,3 Millionen Kindern sei unsicher, 2,1 Millionen von ihnen seien akut unterernährt. Wegen der schlechten Lebensbedingungen und Gesundheitsversorgung seien in den vergangenen drei Jahren 1,2 Millionen Kinder an Cholera, Diphtherie oder Dengue-Fieber erkrankt.

Größte humanitäre Krise weltweit

Im Jemen kämpfen die Regierung und eine Militärkoalition unter Führung von Saudi-Arabien gegen die Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden. 80 Prozent der rund 30 Millionen Jemeniten brauchen humanitäre Hilfe und Schutz. Die UN bezeichnen den Konflikt derzeit als die größte humanitäre Krise weltweit, mehr als 10.000 Menschen wurden getötet.

Menschenrechtler machen alle Konfliktparteien für schwere Verletzungen des Völkerrechts verantwortlich. Doch besonders die Luftangriffe der Militärkoalition von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten hätten Tausende Zivilisten verletzt und getötet sowie wichtige Infrastruktur zerstört, kritisierte das Europäische Zentrum für Verfassungs- und Menschenrechte (ECCHR) in Berlin. Immer wieder greife die Koalition zivile Ziele wie Häuser, Schulen und Krankenhäuser an. Einige Länder und Unternehmen in Europa profitieren davon, indem sie Waffen herstellten und lieferten, die im Jemen zum Einsatz kommen.

Anzeige in Rom

Die Organisation fordert in Italien Ermittlungen zu RWM Italia S.p.A., einer Tochterfirma des deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall AG, weil nach Bombenangriffen Waffenteile von ihr im Jemen gefunden worden seien. Es müsse untersucht werden, ob Waffenexporte unrechtmäßige Luftangriffe im Jemen ermöglichten, die als Kriegsverbrechen gewertet werden könnten. Eine Anzeige in Rom sei zunächst abgewiesen worden, doch das ECCHR und zwei andere Organisationen hätten Berufung eingelegt. Auch der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag wurde aufgefordert, gegen mehrere Rüstungskonzerne in Europa zu ermitteln.

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