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Der Einsatz von Freiwilligen in der EZ ist seit Jahren in der Diskussion, schreibt Rebecca Vermont, und listet in ihrem Artikel eine Reihe von Argumenten auf, die auch in Deutschland immer wieder ins Feld geführt werden. Drei davon möchte ich hier einmal kurz beleuchten:

1. Die EZ braucht heute Profis und keine jungen Leute, die sich ihre ersten Sporen verdienen wollen.
Das Argument trifft die Realität nicht. Freiwilligendienste in Deutschland, wie der SES oder der Entwicklungsdienst - früher DED (heute in der GIZ) - rekrutieren sich keinesfalls nur aus Berufsanfängern. Das ist beim Senior Expert Service selbstevident und beim DED lag vor der Fusion der Altersdurchschnitt über 40. Dass er danach gesunken ist, hat andere Gründe. Für das Entsendeprogramm Weltwärts wurden keine Entwicklungsziele im Süden definiert, sondern Entwicklungsziele für die Menschen im Norden. Das möge man bitte nicht verwechseln. Berufserfahrung hilft ungemein dabei, sich in der Partnerorganisation richtig zu verhalten und Respekt zu erwerben. Berufserfahrung haben also nicht nur professionelle Weltverberbesserer, sondern gerade auch freiwillige. Die jungen Leute, die sich ihre ersten Sporen erwerben wollen, finden sich häufig in den Organisationen, die Karrierewege in die EZ offerieren.

2. Zur Verfügung gestellte Gelder, ob aus Spenden oder Steuermitteln, sollen möglichst direkt bei den Zielgruppen ankommen.
Dann möge man sie doch direkt an diese auszahlen. Ich meine: Die Zielgruppen sind nicht nur deswegen arm, weil sie kein Geld haben, sondern auch wegen der Verwendungszwecke, die sie wählen (müssen?), sobald sie über Finanzmittel verfügen. Damit meine ich sowohl Organisationen als auch Privatleute. Für eine nachhaltige Verhaltensänderung, dem Umlernen von Personen und Organisationen, ist eine personelle externe Begleitung wertvoll und zielführend. Nebenbei gesagt, nicht nur im Kontext der EZ - das wissen auch deutsche (oder europäische) Unternehmen.

3. Freiwillige arbeiten meist auf der Mikroebene und sie sind das menschliche Gesicht der EZ. Es ist selbstverständlich wichtig, die Rahmenbedingungen des Handelns der einzelnen Akteure zu modifizieren, um Anreize zur Verhaltensänderung zu setzen, oder sie überhaupt erst zu ermöglichen (siehe Wahl der Verwendungzwecke von Finanzmitteln). Doch oft ist es damit nicht getan. Eine tatsächliche Veränderung vor Ort, kann durch individuelle Begleitung, Unterstützung, Beratung etc. deutlich gefördert werden. Wieviel man diesen Experten in ihrem Fachgebiet - nicht im Entwicklungsbusiness - bezahlt, hat mit der Richtigkeit der Aussage nichts zu tun. Dennoch sind das genau die Aufgaben, die die Freiwilligen übernehmen. Womöglich wäre die Anzahl derer, die individuelle Partnerorganisationen in ihrer Entwicklung unterstützen wegen der Kleinteiligkeit der Aufgabe nicht mehr finanzierbar, sofern sie ein ordentliches Gehalt erhielten. Wenn man außerdem davon ausgeht, dass die "deformation professionelle" der EZ Abgebrühtheit oder gar Zynismus heisst, dann habe ich nichts gegen menschliche Gesichter. Ganz im Ernst: der ursprüngliche Gedanke der Freiwilligendienste - die Völkerverständigung, ja Solidarität mit den Benachteiligten dieser Erde - ist gerade in der aktuellen Weltlage nötiger denn je. Das muss ja nicht gleich auf Kosten der Fachkenntnisse gehen.