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Der erfrischend lebhafte Bericht der Aktivistin Cruz Sanches macht auf ein Grundübel in der politischen Arbeit aufmerksam. Es ist das Bestreben, jeden kleinen guten Ansatz von ganz oben bestätigt zu bekommen, am besten gleich in der Vollversammlung der UN. Das führt zu nichts, denn mit welcher Kompetenz sollen Gremien fern der gelebten Wirklichkeit über eine Schule in Bolivien entscheiden? Wie lang würde es dauern, bis sich alle Gefragten über eine Definition von "Kinderarbeit" einig sind? Diese finden die Gefragten an der Basis, in den Schulen ganz schnell, wenn es um Art und Umfang von Kinderarbeit geht. Ist Mithilfe im Haushalt schon Kinderarbeit oder wird sie es erst durch ein Honorar? Mir ist vergönnt, sachkundig über das Thema zu berichten. In der Montessori-Schule, in der ich unterrichte, wird es wohl ab dem nächsten Schuljahr einen Unterichtszweig unter der Überschrift "Schüler lernen Marktwirtschaft" geben. Schon während des Schuljahres werden die Schüler die greifbaren Produkte ihres Fleißes unter dem Label "Reine Kinderarbeit" vorstellen. Nirgends ist der Übergang von Verantwortung zur Selbstverantwortung so schnell sichtbar, als wenn Kinder eine verwertbare Leistung vollbringen. Wer solches verhindern will, ist möglicherweise auf die Erziehung von Konsumidioten aus, die nie gelernt haben, wie Werte entstehen und wem sie nützen.