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Wirtschafts-Nobelpreis für einen Armutsforscher! Für einen notorischen Datensammler! Na sowas. Ist das Messen und die Empirie vielleicht doch wichtiger als gedacht? Angus Deaton hat sein ganzes wissenschaftliches Leben damit verbracht, Daten über Armut zu sammeln und auszuwerten. "The Great Escape" nennt er die riesigen Fortschritte der Menschheit in den letzten Jahrzehnten in Sachen Wohlstand, Lebenserwartung und Gesundheit. Daß das nicht in das Bild entwicklungspolitischer Hilfs- und Lobbyorganisationen passt, ist nachvollziehbar. Denn diese müssten sich fragen, ob diese unglaublichen Fortschritte vielleicht trotz ihres Engagements passierten. Und daß die schlagzeilengeile Medienwelt lieber telegene Flüchtlingsströme und Anti-Freihandelsdemos im wohlstandssatten Westen zeigt, ist auch keine Überraschung. Noch ein Wort zum Messen: vielleicht ist die Armutsmessung gar nicht ein notwendiger Auslöser für eine bessere Politik. Womöglich zeigt eine objektive Messung einfach im Nachhinein, woran es gelegen hat, daß sich die Lebensverhältnisse in vielen Teilen der Welt gravierend verbessert haben. Hinschauen, verstehen, draus lernen. Es gibt noch genug Regionen in der Welt, in denen Millionen Menschen an ihrem ganz persönlichen "great escape" gehindert werden, in der Regel durch die 3 Ks: Krieg, Korruption, Krankheit. Es stimmt schon: Messen allein bewegt wenig. Aber darum geht es gar nicht. Ohne eine vernünftige Datengrundlage lösen sich gutgemeinte und kostspielige Maßnahmen viel zu oft in Rauch auf, der den Blick auf die Ursachen nachhaltig vernebelt.