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Gegen „Bio-Anbau“ ist wirklich nichts einzuwenden, auch nicht in Indien. Aber der „Bio-Anbau“ ist überall auf der Welt eine Nische, die nur dann signifikant höhere Preise für den Produzenten sichert, wenn es eine Nische bleibt und nicht alle auf den Zug aufspringen. Als Vermarktungsstrategie eine feine Sache, aber ob sich damit die vielfältigen Probleme der indischen Landwirtschaft lösen lassen, darf bezweifelt werden. Nur eine Intensivierung der Produktion kann Ressourcenschonung UND steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln unter einen Hut bringen. Genau das hat die \"Grüne Revolution\" bewirkt: Die Versorgung einer rasant wachsenden Bevölkerung ohne Ausdehnung des Anbaus in ökologisch fragile Gebiete, wo die Gefahr einer irreversiblen Zerstörung des Bodens besonders groß ist. Dieser Spagat funktioniert nur durch steigende Hektarerträge, und das ist sicher nicht die Kernkompetenz des „Bio-Anbaus“. Der indische Bauer steht unbestritten vor vielen Problemen. Und wenn der „Bio-Anbau“ bei der Lösung hilft, wunderbar. Er soll die Chance nutzen, die sich ihm als Unternehmer bietet.

Die „grüne Revolution“ ist jedenfalls besser als ihr Ruf. Moderne Hochleistungssorten bewahrten in den letzten Jahrzehnten Hunderte von Millionen Menschen vor dem Schicksal der Mangelernährung und viele davon vor dem Verhungern. Ohne die „grüne Revolution“ wäre das Wachstum der Bevölkerung gar nicht möglich gewesen, die sich in Indien seit den 50er Jahren in etwa vervierfacht hat! Es gab keine Alternative zur schnellen Modernisierung der Landwirtschaft, nachdem die Nahrungsmittelversorgung in den 60er Jahren – als der sozusagen „vorrevolutionäre Bio-Anbau“ noch Standard war – extrem angespannt war und viele Menschen in Indien verhungerten. Oder hätte man auf die „grüne Revolution“ verzichten sollen? Sie war zunächst einmal ein Segen für die Menschen in Indien. Das sollte nicht vergessen werden.