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Es ist gerade im Steinbruchsektor Indiens extrem schwierig, lückenlose Aufklärungsarbeit bezüglich der Arbeitsbedingungen zu leisten. Es gibt tausende von Steinbrüchen, vollkommen ungeregelte Arbeitsverhältnisse und nur selten vorhandene Dokumente. Die mühevollen und verdienstvollen Recherchen von Benjamin Pütter zeigen, bei aller Anfechtbarkeit im Detail, wie gefährlich hier offenbar die "Wahrheitsfindung" ist. Allein das ist schon ein ziemlich sicheres Indiz dafür, dass bei weitem nicht alles "in Ordnung" sein kann. Die Diskussion sollte daher nicht nur auf das Thema Kinderarbeit verengt werden. Auch die Arbeitsbedingungen der Erwachsenen sind in der Regeln so katastrophal, dass man sich eigentlich einen Grabstein, der auch ohne Kinderarbeit in Indien produziert wurde, nicht guten Gewissens hinstellen kann.

Die Arbeiter leiden unter schweren und chronischen Berufskrankheiten wie Asthma, TBC und Silikose, sodass viele von ihnen arbeitsunfähig werden und oft schon in jungen Jahren (meist vor dem 40. Lebensjahr) sterben. Ihre Arbeitslöhne sind in aller Regel so niedrig, dass sie kaum ihre Familien ernähren können. Sehr viele Frauen und Kinder sind genötigt, ihre Männer bzw. Väter bei der Arbeit zu unterstützen, wenn diese erkrankt, oder gar zu ersetzen, wenn sie verstorben sind, das wiederum ist eine häufige Ursache für die Kinderarbeit. Die indischen Arbeitsgesetze, die Menschenrechtskonventionen, die der Staat unterzeichnet hat, alles wird hier in unterschiedlichem Maße missachtet.

Jedes politische Signal, das den Verantwortlichen vor Ort klar macht, dass die Abnehmer von Natursteinen mit den bestehenden Verhältnissen nicht einverstanden sind, kann eine Hilfe darstellen, die Lage der SteinbrucharbeiterInnen langfristig zu verbessern.

Die importierenden Steinmetze hier zu Lande können sicher nicht alles überprüfen, aber ich bin sicher, dass sie in vielen Fällen genauer hinsehen und kritischer nachfragen können. Den lokalen Behörden in Indien muss bewusst werden, dass die Thematik hier stärker als früher in der Öffentlichkeit steht und dass sie ihrer Kontrollpflicht nachzukommen haben. Für die KonsumentInnen bleibt im Moment eigentlich nur die Wahl zwischen einem seriös zertifizierten Stein oder einem aus einheimischer Herkunft.