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Die Erklärung von EKD-Sprecher Carsten Splitt, warum die Evangelische Kirche in Deutschland erst so spät um Vergebung für die Mitverantwortung der Kirche am Völkermord im heutigen Namibia bittet, hat es in sich. Splitt sagt, man habe vor Abgabe eines Schuldbekenntnisses die Ergebnisse einer langjährigen Studie abwarten wollen, in der seit 2007 die Rolle der deutschen evangelischen Kirche untersucht wurde.

Wer, wie ich, die Entstehungsgeschichte dieser Studie kennt, die schon vor sieben Jahren zur Veröffentlichung eines umfangreichen Sammelbands geführt hat, und wer sich mit dem Inhalt dieses Sammelbands auseinandergesetzt hat, wird dieser Erklärung des EKD-Sprechers eindeutig widersprechen müssen.

In dem Sammelband wird der Völkermord nur am Rande behandelt, der Begriff "Schuld" kommt, von einer Ausnahme abgesehen, nicht vor und die in der aktuellen Schulderklärung der EKD so heftig als Hauptschuldige an den Pranger gestellten drei Pfarrer kommen in dem Sammelband alle mehr oder weniger gut weg.

Vielmehr muss man davon ausgehen, dass die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes und die jahrelangen Forderungen kirchlicher Gruppen wie des Mainzer Arbeitskreises Südliches Afrika und der Solidarischen Kirche im Rheinland, die auch Delegierten der Vollversammlung bekannt wurden, die EKD zu der Schulderklärung veranlasst haben.