Neuen Kommentar schreiben

Als in der EZ tätige Person kann ich über diesen Artikel nur den Kopf schütteln. Der Vorwurf des Lobbyismus ist nicht haltbar. Man wirft auch nicht Frauenorganisationen vor, nur für Frauenthemen zu sensibilisieren oder Migrantenorganisationen nur das eigene Klientel im Blick zu haben. Auch andere Organisationen wie Missio setzen sich gezielt für bedrängte Christen ein (s. Aktion Lebenszeichen oder Konferenzen zur Lage verfolgter Christen).

Dass auch Christen in Arbeits- und Umerziehungslagern landen, wird im Artikel unterschlagen und somit die Bedrohung für diese im Länderbeispiel China heruntergespielt. Da Christen unter den weitestgehend muslimischen Uiguren eine Minderheit in der Minderheit darstellen, sollte es nicht verwunderlich sein, dass Konvertiten als Minorität Repressalien ausgesetzt sein können. Eine Darstellung von Tatsachen ist keine Brandmarkung. Das Leid der Uiguren oder anderer religiösen Minderheiten im Land wird dabei nicht durch Open Doors verschwiegen.

Bezüglich des Weltverfolgungsindex ist zu sagen, dass ein umfangreicher standardisierter Fragebogen mit 72 normierten Fragen zum erfahrenen Druck in fünf Lebensbereichen und 12 Fragen zu Gewalt eingesetzt wird. Es erfolgt eine normierte Gewichtung der Antworten und Kalkulation von Indikatoren in allen sechs Bereichen. Zudem arbeitet Open Doors als internationales Hilfswerk mit Sitz in diversen Staaten seit 65 Jahren auf diesem Gebiet, zusammen mit einem breiten Netzwerk aus Partnern vor Ort, so dass die Schätz- und Erhebungswerte durchaus valide sein dürften.

Der Vorwurf eines aufgeweichten Verfolgungsbegriffs stimmt nicht mit der Darstellung von Open Doors überein. Neben schwerwiegenden Bedrohungssituationen von Leben und Freiheit werden unter Verfolgung auch andere schwerwiegende Menschenrechtsverstöße genannt, worauf sich die Hilfsorganisation ebenfalls bezieht (s. EU-Richtlinie 2011/95/EU, Kap. III, Art. 9).

Statt Organisationen zu diffamieren, die Opfer sichtbar machen und sich für die Linderung von Leid einsetzen, sollten Artikel wie diese eher das Schicksal der Betroffenen thematisieren und dafür sensibilisieren.