Dakar/Lilongwe. „Ich musste alles zurücklassen“, erzählt Justin Saidi. Der 36-Jährige aus Malawi hat im Juni fluchtartig Südafrika verlassen, als gewalttätige Mobs durch sein Viertel in der Hafenstadt Durban zogen: „Mein Vermieter hat mich auf die Straße gesetzt, weil er Angst hatte, dass sie das Haus anzünden, wenn er Ausländer darin beherbergt.“ Als dann ein Bekannter von ihm zu Tode geprügelt wurde, habe ihn nichts mehr in Südafrika gehalten, erzählt er mit gesenktem Kopf. Die vergangenen Monate waren traumatisch. Nach Südafrika will er nie wieder zurück.
Seit April mobilisieren selbst ernannte Bürgerwehren, allen voran die Bewegung „March and March“, zu ausländerfeindlichen Protesten in Südafrika. Nach Angaben der Behörden wurden in den vergangenen Wochen mindestens vier Menschen getötet. Umso beängstigender sei daher das Ultimatum von „March and March“ gewesen, berichtet Saidi. Die Gruppe hatte Einwanderer aufgefordert, bis zum 30. Juni das Land zu verlassen.
Ausharren vor Botschaften und Konsulaten
In der Folge drängelten sich Zehntausende Menschen vor Botschaften, Konsulaten oder hastig aufgebauten Registrierungszentren, um rechtzeitig auszureisen. Mehrere afrikanische Länder hatten ihren Staatsangehörigen Rückreisen in ihre Heimatländer angeboten, darunter Nigeria, Mosambik, Uganda, Ghana und Malawi.
Doch längst nicht alle hatten die Gelegenheit, in die bereitgestellten Flugzeuge oder Busse zu kommen: „Ich bin in einem Bus gelandet, der von einer muslimischen Gemeinde aus Durban gestellt wurde. Dann sind wir nach Beitbridge an die Grenze gefahren worden, aber ab da musste ich selbst weiterkommen“, erzählt Justin Saidi.
Saidi schaffte es, sich durchzuschlagen. Das gelang aber nur, weil seine Familie sich verschuldete, um ihm Geld für die Rückreise zu schicken. Vor anderthalb Jahren war er in der Hoffnung auf ein besseres Einkommen nach Südafrika gekommen. Als Verkäufer in einem kleinen Laden habe er mit seinem mageren Gehalt die gesamte Familie in Malawi unterstützt, insgesamt 15 Menschen. „Sie sind alle auf mich angewiesen“, sagt Saidi. „Meine Familie ist froh, dass ich lebe. Aber ich war der Ernährer.“
Wegen der Visaverfahren leben viele ohne Papiere
So wie ihm geht es Tausenden Menschen. Viele der nun Zurückgekehrten hätten sich „über die Jahre Existenzen in Südafrika aufgebaut und müssen von null anfangen“, berichtet Désiré Nzisabira vom katholischen Hilfswerk Misereor.
Als größte und am stärksten industrialisierte Volkswirtschaft der Region lockt Südafrika mit besseren Verdienstmöglichkeiten, doch langwierige Visa- und Asylverfahren führen dazu, dass viele Migranten jahrelang ohne gültige Papiere leben. Auch Saidi berichtet von dem komplizierten Verfahren, was schlussendlich dazu geführt habe, dass er keine Papiere hatte.
Rund 70.000 Menschen sollen laut südafrikanischen Behörden in ihre Heimatländer zurückgebracht worden sein. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher sein, mutmaßt Désiré Nzisabira: „Wer ohne Papiere erwischt wird, wird ausgewiesen und bekommt automatisch eine fünfjährige Einreisesperre. Vermutlich sind zahlreiche Menschen inoffiziell über die Landesgrenzen raus, um diese Probleme zu umgehen“, sagt der Misereor-Beauftragte für das südliche Afrika.
