Hallo Herr Greve,
war ja klar, dass Sie als Pressesprecher von Open Doors mit meinem Artikel ein Problem haben. Und dass Sie mir gleich Unprofessionalität vorwerfen, ach ja, „ein klassischer Move“ würde ich sagen. Das machen alle, die keine Argumente mehr haben, weil JournalistInnen etwas Richtiges geschrieben haben, das man einfach nicht hören will.
Der Weltverfolgungsindex hat ein Problem, und das liegt in der ihm zugrundeliegenden Methodik. Sie suggerieren wissenschaftliche Genauigkeit. Open Doors zählt alles, was man meint, zählen zu können. Dann fragt man noch die betroffenen Menschen nach ihrem Befinden und ihren Ängsten und wertet das Ganze nach den eigenen Vorstellungen aus. Wissenschaftlich geht anders. Mal ehrlich, wie wollen Sie „Christenverfolgung“ messen? Ja, Sie können zählen, wer für den Glauben an Jesus Christus ins Gefängnis kommt, vertrieben oder ermordet wird. Diese Fälle gibt es. Aber bitte, das sind doch keine 365 Millionen weltweit! Wenn Sie hierzulande die gleichen Fragebögen Musliminnen und Muslimen unterbreiten würden, um herauszubekommen, wie sie sich in der deutschen Gesellschaft fühlen, dann würden wir alle staunen, wie viele sich bedrängt und verfolgt fühlen. Da reicht es, dass einer mal blöd angemacht wurde wegen seines Glaubens, der erzählt es anderen weiter und dann wächst bei allen, die zur gleichen Religionsgemeinschaft gehören, die Sorge, dass ihnen das Gleiche irgendwann mal passieren könnte. Das ist überhaupt nicht schön. Aber würden wir dann gleich von „Muslimverfolgung“ sprechen? Aber so wie Sie vorgehen, kommen Sie natürlich auf hohe Zahlen, die dann griffige Schlagzeilen produzieren, mit denen man Aufmerksamkeit bekommt. Schon verstanden.
Wo es aber wirklich problematisch wird, sind Ihre Kurzzusammenfassungen, welche die Realität vor Ort verzerren oder sogar verfälschen. Im Libanon von zunehmenden Übergriffen auf Christen durch Muslime zu sprechen, ist unlauter. Nicht nur, weil es die Realität nicht widerspiegelt, sondern weil Sie damit bewusst die Muslime in ein schlechtes Licht rücken und auch an anderen Stellen im Bericht immer wieder unterschwellig Islam-Bashing betreiben. Was wollen Sie damit bewirken? Sie verbessern dadurch weder die Lage der Christen vor Ort. Noch tun Sie dem Zusammenleben in unserer Gesellschaft etwas Gutes. Was lernen deutsche Kinder und Jugendliche zum Beispiel in Ihren Gebetsanleitungen und Videos? Dass sie sich vor „dem Islam“ oder vor „den Muslimen“ fürchten sollen, weil diese anderswo Christen verfolgen? Himmel hilf, die meisten Kinder sitzen in der Schule neben muslimischen Mitschülerinnen und Mitschülern, kicken im Sportverein mit ihnen. Wollen Sie wirklich, dass sie ihren Klassen- und Sportskameraden nicht mehr ohne Vorbehalt begegnen können? Das halte ich für gefährlich und ganz nebenbei auch für unchristlich.
Ach ja, und dann die Geschichte mit den Zahlen von Open Doors. Als Journalistin bei Weltsichten interessieren mich die Zahlen von kirchlichen Hilfswerken seit vielen Jahren. Einfach, weil sie ein Indikator für bestimmte Entwicklungen sind. Deswegen bin ich es gewohnt, dass solche Zahlen öffentlich zugänglich sind, in der Regel in Form eines detaillierten Jahresberichts im Internet. Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit, ob man der Öffentlichkeit gegenüber transparent macht, wie viel Geld man für die eigene Arbeit von wem bekommen hat und was genau mit diesen Geldern dann passiert. Ganz nebenbei muss man das ja auch dem Finanzamt gegenüber offenlegen, um weiterhin den Freistellungsbescheid für die Gemeinnützigkeit zu bekommen. Open Doors dagegen veröffentlicht keine Zahlen. Ich habe bei Ihnen nachgefragt, ob Sie mir die Zahlen schicken können. Sie wollten daraufhin erst einmal wissen, wofür ich die Zahlen brauche und warum die denn so wichtig seien, wenn es doch eigentlich um „die Situation von Millionen von Christen“ gehe, die verfolgt und diskriminiert werden. Sie schrieben mir noch: „Möchten Sie mehr Unterstützung für diese Christen erzielen? Dabei helfe ich Ihnen gerne.“ Lieber Herr Greve, als Journalistin bin ich einem Pressesprecher gegenüber nicht verpflichtet, ihm zu erklären, was ich in meinem Artikel schreiben möchte, um Antworten auf meine Fragen zu der Organisation, die er vertritt, zu bekommen. Zum anderen wirft es nun tatsächlich ein fragwürdiges Licht auf Open Doors, wenn man sich ziert, Zahlen offenzulegen. Erst als ich Ihnen das mit der Glaubwürdigkeit und Transparenz erklärt habe, die für andere kirchliche Hilfswerke sehr wohl ein Argument sind, haben Sie mir eine einzige Seite aus Ihrer Jahresrechnung geschickt. Mehr nicht. Das ist nun tatsächlich irritierend und ganz nebenbei – unprofessionell.
Ich habe Ihnen vor längerer Zeit, als wir schon einmal aneinandergeraten sind, angeboten, dass wir uns gerne einmal treffen können und uns über unsere unterschiedlichen Sichtweisen und Auffassungen austauschen können. Das Angebot steht nach wie vor. Mit freundlichen Grüßen, Ihre Katja Dorothea Buck
Hallo Herr Greve,
war ja klar, dass Sie als Pressesprecher von Open Doors mit meinem Artikel ein Problem haben. Und dass Sie mir gleich Unprofessionalität vorwerfen, ach ja, „ein klassischer Move“ würde ich sagen. Das machen alle, die keine Argumente mehr haben, weil JournalistInnen etwas Richtiges geschrieben haben, das man einfach nicht hören will.
Der Weltverfolgungsindex hat ein Problem, und das liegt in der ihm zugrundeliegenden Methodik. Sie suggerieren wissenschaftliche Genauigkeit. Open Doors zählt alles, was man meint, zählen zu können. Dann fragt man noch die betroffenen Menschen nach ihrem Befinden und ihren Ängsten und wertet das Ganze nach den eigenen Vorstellungen aus. Wissenschaftlich geht anders. Mal ehrlich, wie wollen Sie „Christenverfolgung“ messen? Ja, Sie können zählen, wer für den Glauben an Jesus Christus ins Gefängnis kommt, vertrieben oder ermordet wird. Diese Fälle gibt es. Aber bitte, das sind doch keine 365 Millionen weltweit! Wenn Sie hierzulande die gleichen Fragebögen Musliminnen und Muslimen unterbreiten würden, um herauszubekommen, wie sie sich in der deutschen Gesellschaft fühlen, dann würden wir alle staunen, wie viele sich bedrängt und verfolgt fühlen. Da reicht es, dass einer mal blöd angemacht wurde wegen seines Glaubens, der erzählt es anderen weiter und dann wächst bei allen, die zur gleichen Religionsgemeinschaft gehören, die Sorge, dass ihnen das Gleiche irgendwann mal passieren könnte. Das ist überhaupt nicht schön. Aber würden wir dann gleich von „Muslimverfolgung“ sprechen? Aber so wie Sie vorgehen, kommen Sie natürlich auf hohe Zahlen, die dann griffige Schlagzeilen produzieren, mit denen man Aufmerksamkeit bekommt. Schon verstanden.
Wo es aber wirklich problematisch wird, sind Ihre Kurzzusammenfassungen, welche die Realität vor Ort verzerren oder sogar verfälschen. Im Libanon von zunehmenden Übergriffen auf Christen durch Muslime zu sprechen, ist unlauter. Nicht nur, weil es die Realität nicht widerspiegelt, sondern weil Sie damit bewusst die Muslime in ein schlechtes Licht rücken und auch an anderen Stellen im Bericht immer wieder unterschwellig Islam-Bashing betreiben. Was wollen Sie damit bewirken? Sie verbessern dadurch weder die Lage der Christen vor Ort. Noch tun Sie dem Zusammenleben in unserer Gesellschaft etwas Gutes. Was lernen deutsche Kinder und Jugendliche zum Beispiel in Ihren Gebetsanleitungen und Videos? Dass sie sich vor „dem Islam“ oder vor „den Muslimen“ fürchten sollen, weil diese anderswo Christen verfolgen? Himmel hilf, die meisten Kinder sitzen in der Schule neben muslimischen Mitschülerinnen und Mitschülern, kicken im Sportverein mit ihnen. Wollen Sie wirklich, dass sie ihren Klassen- und Sportskameraden nicht mehr ohne Vorbehalt begegnen können? Das halte ich für gefährlich und ganz nebenbei auch für unchristlich.
Ach ja, und dann die Geschichte mit den Zahlen von Open Doors. Als Journalistin bei Weltsichten interessieren mich die Zahlen von kirchlichen Hilfswerken seit vielen Jahren. Einfach, weil sie ein Indikator für bestimmte Entwicklungen sind. Deswegen bin ich es gewohnt, dass solche Zahlen öffentlich zugänglich sind, in der Regel in Form eines detaillierten Jahresberichts im Internet. Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit, ob man der Öffentlichkeit gegenüber transparent macht, wie viel Geld man für die eigene Arbeit von wem bekommen hat und was genau mit diesen Geldern dann passiert. Ganz nebenbei muss man das ja auch dem Finanzamt gegenüber offenlegen, um weiterhin den Freistellungsbescheid für die Gemeinnützigkeit zu bekommen. Open Doors dagegen veröffentlicht keine Zahlen. Ich habe bei Ihnen nachgefragt, ob Sie mir die Zahlen schicken können. Sie wollten daraufhin erst einmal wissen, wofür ich die Zahlen brauche und warum die denn so wichtig seien, wenn es doch eigentlich um „die Situation von Millionen von Christen“ gehe, die verfolgt und diskriminiert werden. Sie schrieben mir noch: „Möchten Sie mehr Unterstützung für diese Christen erzielen? Dabei helfe ich Ihnen gerne.“ Lieber Herr Greve, als Journalistin bin ich einem Pressesprecher gegenüber nicht verpflichtet, ihm zu erklären, was ich in meinem Artikel schreiben möchte, um Antworten auf meine Fragen zu der Organisation, die er vertritt, zu bekommen. Zum anderen wirft es nun tatsächlich ein fragwürdiges Licht auf Open Doors, wenn man sich ziert, Zahlen offenzulegen. Erst als ich Ihnen das mit der Glaubwürdigkeit und Transparenz erklärt habe, die für andere kirchliche Hilfswerke sehr wohl ein Argument sind, haben Sie mir eine einzige Seite aus Ihrer Jahresrechnung geschickt. Mehr nicht. Das ist nun tatsächlich irritierend und ganz nebenbei – unprofessionell.
Ich habe Ihnen vor längerer Zeit, als wir schon einmal aneinandergeraten sind, angeboten, dass wir uns gerne einmal treffen können und uns über unsere unterschiedlichen Sichtweisen und Auffassungen austauschen können. Das Angebot steht nach wie vor. Mit freundlichen Grüßen, Ihre Katja Dorothea Buck