ich sehe schon auch einen Fortschritt, aber im zentralen Punkt teile ich Ihre Analyse nicht: Es handelt sich nicht nur oder "im Wesentlichen" um einen Konflikt mit Ruanda und der M23, die vorwiegend von im Kongo lebenden "Tutsi" getragen wird, sondern um einen Bürgerkrieg im Ostkongo mit vielen weiteren Beteiligten und mit ausländischer Einmischung. Es geht um u.a. Landkonflikte (nicht nur mit Ruandophonen) und Konflikte um Macht unter Bedingungen eines schwachen und deshalb mit Milizen paktierenden Staates. Das führt zur in solchen Kriegen häufigen Eigendynamik (Selbstschutzmilizen, ethnische Wagenburgen, ...) und provoziert Einmischung von außen (Tshisekedi sucht die sogar selbst), weil solche Kriege - wie Sie richtig sagen - für Nachbarländer ein Sicherheitsproblem sind, wobei sie aber mit Einmischung auch eigene Vorteile suchen. Eine Verständigung des Kongo mit Ruanda ist da der nötige erste Schritt zu einer Lösung und zur Verhinderung eines regionalen Krieges, das ist gut (wenn es klappt). Aber es ist höchst zweifelhaft, ob der kongolesische Staat dann ein Mindestmaß an Sicherheit im Ostkongo gewährleisten kann (von Rechtsdurchsetzung zu schweigen), wenn nicht auch die anderen Konflikte dort angegangen werden. Bergbauinvestitionen können diese leicht noch verschärfen. Dann bleibt die Region für Ruanda (und Uganda und Burundi) ein Sicherheitsproblem. Das Problem ist strukturell: Die innere Ordnung des Kongo ist im Land umkämpft und die Nachbarn wollen sie mitgestalten, weil das für sie eine Sicherheitsfrage ist und weil gleichzeitig einflussreiche Gruppen in diesen Nachbarländern auch davon profitieren. Eine Lösung erfordert, die Einmischung zu beenden und zugleich eine innere Ordnung im Kongo zu finden, die gewährleistet, dass von ihm keine Gefahr für die Nachbarn ausgeht. Dafür müsste der Kongo das Recht und das Gewaltmonopol dort durchsetzen können und wollen. Aber einen starken Kongo können die Nachbarn dann auch zu gefährlich finden. Da rauszukommen, erfordert mehr als ein Abkommen Tshisekedis mit Kagame.
Hallo Herr Peltzer,
ich sehe schon auch einen Fortschritt, aber im zentralen Punkt teile ich Ihre Analyse nicht: Es handelt sich nicht nur oder "im Wesentlichen" um einen Konflikt mit Ruanda und der M23, die vorwiegend von im Kongo lebenden "Tutsi" getragen wird, sondern um einen Bürgerkrieg im Ostkongo mit vielen weiteren Beteiligten und mit ausländischer Einmischung. Es geht um u.a. Landkonflikte (nicht nur mit Ruandophonen) und Konflikte um Macht unter Bedingungen eines schwachen und deshalb mit Milizen paktierenden Staates. Das führt zur in solchen Kriegen häufigen Eigendynamik (Selbstschutzmilizen, ethnische Wagenburgen, ...) und provoziert Einmischung von außen (Tshisekedi sucht die sogar selbst), weil solche Kriege - wie Sie richtig sagen - für Nachbarländer ein Sicherheitsproblem sind, wobei sie aber mit Einmischung auch eigene Vorteile suchen. Eine Verständigung des Kongo mit Ruanda ist da der nötige erste Schritt zu einer Lösung und zur Verhinderung eines regionalen Krieges, das ist gut (wenn es klappt). Aber es ist höchst zweifelhaft, ob der kongolesische Staat dann ein Mindestmaß an Sicherheit im Ostkongo gewährleisten kann (von Rechtsdurchsetzung zu schweigen), wenn nicht auch die anderen Konflikte dort angegangen werden. Bergbauinvestitionen können diese leicht noch verschärfen. Dann bleibt die Region für Ruanda (und Uganda und Burundi) ein Sicherheitsproblem. Das Problem ist strukturell: Die innere Ordnung des Kongo ist im Land umkämpft und die Nachbarn wollen sie mitgestalten, weil das für sie eine Sicherheitsfrage ist und weil gleichzeitig einflussreiche Gruppen in diesen Nachbarländern auch davon profitieren. Eine Lösung erfordert, die Einmischung zu beenden und zugleich eine innere Ordnung im Kongo zu finden, die gewährleistet, dass von ihm keine Gefahr für die Nachbarn ausgeht. Dafür müsste der Kongo das Recht und das Gewaltmonopol dort durchsetzen können und wollen. Aber einen starken Kongo können die Nachbarn dann auch zu gefährlich finden. Da rauszukommen, erfordert mehr als ein Abkommen Tshisekedis mit Kagame.