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Liebe Fatemeh,
Deine Sorge teile ich, und Dein Befund über das Regime – eine nur durch Gewalt gehaltene Diktatur, die Massaker verantwortet – ist nicht zu bestreiten. Gerade weil ich Dir hier zustimme, muss ich Dir an anderer Stelle entschieden widersprechen.
Dein Text beschreibt die Lage in Iran aus der Zeit vor dem Krieg. Seit Ende Februar hat sich alles verschoben: die Angriffe Israels und der USA, der Tod des obersten Führers, der brüchige Waffenstillstand vom April. Diese Analyse heute erneut zu teilen heißt, eine Februar-Karte über ein Juni-Gelände zu legen – und genau das auszublenden, was inzwischen entscheidend ist.
Am deutlichsten zeigt sich das an Reza Pahlavi. Du zeichnest ihn als Figur, die aus der Sackgasse heraus fast über Nacht Bedeutung gewann. Das verkehrt die Sache. Er trat nicht plötzlich aus dem Nichts auf: Seit dem Sturz 1979, seit 47 Jahren, wirbt er aus dem Exil ohne Unterbrechung für ein säkulares, demokratisches Iran und für das Recht der Bevölkerung, selbst zu entscheiden. Neu ist nicht der Mann, neu ist die Bereitschaft, ihn zu hören. Und seine Position ist das Gegenteil dessen, was Du ihm zuschreibst: Er will die Monarchie nicht wiederherstellen, sondern eine verfassunggebende Versammlung und ein Referendum, in dem das Volk zwischen Monarchie und Republik wählt; sich selbst sieht er als Wegbereiter des Übergangs, nicht als künftigen Herrscher. Einen konkreten Übergangsplan hat er vorgelegt. Dass Dein Text davon schweigt, ist die eigentliche Lücke.
Und diese Lücke hat eine innere Seite. Du nennst die Zivilgesellschaft nahezu vollständig unterdrückt – und reichst eben ihr zugleich die Aufgabe, den Übergang zu tragen. Wer soll organisieren, was zu organisieren erst verboten wurde? Deine eigene Lösung – Fachleute erarbeiten Modelle, von der Bevölkerung legitimiert – beschreibt fast denselben Weg, den Du bei Pahlavi verwirfst.
Wie ein tragfähiger Übergang aussehen müsste – und woran Pahlavis eigener Plan noch krankt –, habe ich andernorts geprüft: „Übergang ohne Garantie? Reza Pahlavis Emergency Phase Plan – eine kritische Analyse" (Zenodo, 7. März 2026): https://doi.org/10.5281/zenodo.18904500
Wir sind uns einig im Ziel: ein freies Iran. Uneinig sind wir im Weg. Diese Uneinigkeit auszuhalten und fruchtbar zu machen – das ist die Aufgabe.
Herzlich,
Farsin

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