Berlin/Bogotá - Kolumbiens Nationalmuseum muss fast 50 auf Anordnung der Regierung entfernte Ausstellungsstücke wieder ausstellen. Die Kunstwerke müssten innerhalb von 48 Stunden wieder an ihrem ursprünglichen Ort hängen, entschied ein Gericht am Mittwoch (Ortszeit) laut der Zeitung „El Tiempo“. Der Richter César Ortiz gab damit mehreren Klagen statt, die die Entfernung der Kunstwerke als Eingriff in die Meinungsfreiheit und das Recht auf Zugang zur Kunst bezeichneten.
Die seit August amtierende Regierung des ultrarechten Präsidenten Abelardo de la Espriella ließ Mitte Oktober Kunstwerke zum bewaffneten Konflikt im Land, zum Friedensprozess sowie zum politischen Kampf benachteiligter Bevölkerungsgruppen wie Frauen, queere Menschen und Indigene aus den Ausstellungsräumen des Nationalmuseums entfernen. Im Anschluss kam es zu Protesten vor dem Museum und dem verantwortlichen Kulturministerium.
„Kulturkampf gegen woke Ideen“
Einer der Kläger, der oppositionelle Abgeordnete Gabriel Becerra, erklärte in einer Videobotschaft auf der Plattform X, „das ist ein Sieg der Opfer, der Erinnerung, der Diversität und des Friedens“. Keine Regierung dürfe Kolumbien ihre Sichtweise auf die Geschichte des Landes aufdrücken und die Erinnerung der Bevölkerung Kolumbiens zum Schweigen bringen.
Die Regierung von de la Espriella äußerte sich bislang nicht zu dem Gerichtsentscheid. Der neue Präsident verfolgt laut eigenen Aussagen einen „Kulturkampf gegen woke Ideen“.
