Mitte August trafen an der Universität Bern Diplomatinnen und Diplomaten auf Forschende aus der Schweiz und aus Afrika. Im Workshop „Science Diplomacy in Practice“ sollten „Synergien, Innovation und Diplomatie“ gestärkt werden, wie das Außendepartement (EDA) dazu in einer Mitteilung schreibt.
Wissenschaftsdiplomatie hat in den letzten Jahren als Instrument der Außenpolitik an Sichtbarkeit gewonnen. Außenpolitische Entscheidungen sollen stärker auf wissenschaftlicher Grundlage gefällt werden und die Diplomatie soll die wissenschaftliche Zusammenarbeit fördern. Diese wiederum soll sich günstig auf den diplomatischen Austausch von Ländern allgemein auswirken. Die Schweiz erwähnt bereits in ihrer Subsahara-Afrika-Strategie 2021-2024 die Wissenschaftsdiplomatie als außenpolitisches Instrument.
Gespräche mit Forschenden zeigen aber, dass vielen nicht klar ist, was sich hinter dem Begriff Wissenschaftsdiplomatie eigentlich verbirgt. Hugues Abriel etwa ist Professor für Biochemie und Molekularmedizin an der Universität Bern. Seit 15 Jahren arbeitet er für seine Forschung an seltenen Krankheiten regelmäßig mit Kollegen in Kongo-Kinshasa zusammen. Er sei auch im Kontakt mit Schweizer Diplomaten in der Region. Bei ihnen stelle er zwar ein großes Interesse an seiner Arbeit fest, eine organisierte Zusammenarbeit oder eine gezielte Unterstützung des EDA gebe es jedoch nicht.
Forscherinnen bekommen oft nur schwer ein Visum
Dabei gebe es Bedarf an Unterstützung, etwa um Forscherinnen und Forscher aus Afrika zum Austausch in die Schweiz einzuladen. „Oft ist es schwer, ein Visum für sie zu bekommen“, sagt Abriel. Um zu helfen, nutze er regelmäßig persönliche Kontakte zu Schweizer Botschaftern in der Region. Beim Workshop im August in Bern habe man deutlich gemacht, dass Wissenschaftler aus dem globalen Süden leichter Visa erhalten müssten.
Noch immer ist die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Ländern des globalen Nordens viel weiter entwickelt als mit Partnern im globalen Süden. Dabei könnte die Schweiz von dieser Zusammenarbeit profitieren, etwa beim Umgang mit eingeschleppten Tropenkrankheiten oder bei der Anpassung an den Klimawandel, sagt Jasmina Saric, Forscherin am Tropical and Public Health Institute (Swiss TPH) in Allschwil, das im Auftrag des Bundes die Forschungspartnerschaft zwischen der Schweiz und Ländern in Subsahara-Afrika fördert.
In der Schweiz fehle aber im Gegensatz etwa zur EU eine Plattform zur Wissenschaftsdiplomatie, auf der sich Schweizer Akteure austauschen könnten. Auch sei die Arbeit von Forschenden, die mit Partnern in Afrika arbeiteten, fragmentiert, sagt Saric. „Häufig wissen die einzelnen Institutionen nichts von der Arbeit der anderen.“ Zudem bräuchte es klare Richtlinien für die Wissenschaftsdiplomatie mit dem globalen Süden, damit diese wirken könne.
Es gibt eine Initiative, die zeigt, wie die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Diplomatinnen idealerweise funktionieren könnte: das Transnational Red Sea Center. Das Zentrum, das der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) angeschlossen ist, wurde 2019 mit dem Ziel gegründet, die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern aus Ländern rund um das Rote Meer zu stärken, die zu Korallen dort forschen, die als besonders resistent gegen den Klimawandel gelten.
Das Red Sea Center ist ein Prestigeprojekt, auch für die Schweiz. Außenminister Ignazio Cassis war bei der Eröffnung vor sieben Jahren anwesend. Das Außendepartement unterstützt die Forschenden seither, sagt Guilhem Banc-Prandi, der wissenschaftliche Direktor des Zentrums. „Das EDA öffnet uns Türen zu verschiedenen Akteuren in der Region, Ministerien, Universitäten, Geldgeber. Zudem helfen uns die Diplomaten, Reisen für Workshops in die Schweiz zu ermöglichen.“
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