Weltpolitik wohin?

Heft 5 / 2026

Die Erderhitzung bremsen, Künstliche Intelligenz regulieren, Hunger und Kriege beenden: Für entscheidende Aufgaben ist globale Zusammenarbeit gefragt, doch die scheint gerade schwieriger denn je. Aufgeben ist aber keine Option. Es gibt Vorschläge für die Reform der UN-Entwicklungsarbeit, und auch die Zivilgesellschaft lässt sich trotz Repressionen nicht unterkriegen.
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Multilateralismus

Heftschwerpunkt

Beim Gipfeltreffen der BRICS-Staaten in Indien Mitte September fehlte Brasiliens Präsident Lula da Silva wegen des Wahlkampfes zu Haus. Sein Land spielt weiter eine treibende Rolle in der Gruppe von zehn Entwicklungs- und Schwellenländern – und bleibt zugleich ein pragmatischer Partner des Westens.
Action auf der Grand-Prix-Motorradrennstrecke Mandalika 2025.
Die vor zehn Jahren gegründete Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank AIIB soll die Dominanz des Westens in der Entwicklungsfinanzierung brechen. Obwohl europäische Staaten sie mittragen, ignoriert sie in ihrer Projektarbeit oft Menschenrechte und Transparenz.
Roboter fordern  im September vor dem Ministerium für digitale Angelegenheiten in Warschau, Künstliche Intelligenz zu regulieren.
Die in den Techlaboren entwickelte Künstliche Intelligenz wird immer mächtiger, während Staaten und internationale Gremien versuchen, Regeln für den verantwortlichen Gebrauch aufzustellen. Fachleute nennen als Vorbild die Kontrollmechanismen des Atomwaffensperrvertrags: Die sind zwar nicht perfekt, wären aber ein Anfang.
Demonstranten in Kenias Hauptstadt Nairobi sitzen im Juni 2026 vor einem Stacheldrahtzaun, der das Regierungsgebäude schützt.
Noch in den 1990er Jahren haben zivilgesellschaftliche Organisationen und Netzwerke internationale Politik beeinflusst und Erfolge erstritten. Heute sehen sie sich zunehmend mit Einschränkungen konfrontiert. Zugleich sind sie besser vernetzt und über Ländergrenzen hinweg solidarisch. Vor allem junge Leute kämpfen für ihre Rechte.
In Gaza impfen UNICEF-Mitarbeiterinnen im September 2024 Kinder gegen Polio.
Die Vereinten Nationen sind in der Krise, politisch und finan­ziell. Das betrifft auch ihren Kampf gegen Armut und für nachhaltige Entwicklung. Es gibt Ideen, wie sie mit weniger Geld sogar mehr Wirkung erzielen könnten. Das erfordert ein radikales Umdenken – bei den UN selbst und bei ihren Mitgliedern.
Auf Vanuatu feiern Frauen im Jahr 2020 den Weltgebetstag, zu dem die Liturgie in diesem Jahr aus Simbabwe kam.
Der Weltgebetstag wird gern belächelt, doch in den hundert Jahren seines Bestehens haben christliche Frauen aus aller Welt das Forum schon häufiger genutzt, um heikle politische Themen anzusprechen und sich darüber auszutauschen. Das eröffnet den Beteiligten neue Perspektiven auf die Welt.
Protest gegen fossile Energien im bayerischen Reichling. Ein Demonstrant trägt ein Dinosaurier-Kostüm.
Um die Wirtschaft zu dekarbonisieren, muss man die Macht fossiler Vermögen zurückdrängen. Ein Gespräch mit der kanadischen Politologin Jessica Green.

Welt-Blicke

Hitze macht Ungleichheit sichtbar: In den Favelas ist es bis zu 15 Grad Celsius heißer als in den benachbarten, gehobenen Stadtvierteln in São Paulo. Fachleute und Gemeindevertreter setzen sich dafür ein, dass auch arme Viertel von Investitionen in Wohnraum, Parks und Baumbestand profitieren.
Die Eindämmung von Ebola in der Demokratischen Republik Kongo ist auch deshalb so schwierig, weil in der Bevölkerung Falschinfor­mationen verbreitet werden und man Helfern misstraut. Faktenchecker und Journalisten versuchen, dem etwas entgegenzusetzen.
In dem Feuchtgebiet Chalan Beel in Bangladesch hat ein Architekt eine Flotte solarbetriebener Boote aufgebaut, die Kindern aus abgelegenen Gebieten während Überschwemmungszeiten Raum für Unterricht bieten.
 Abelardo de la Espriella, seit August 2026 Präsident Kolumbiens, bei der Präsidentschaftswahl im Juni.
In Lateinamerika hat eine ganze Reihe linker Regierungen zuletzt Wahlen gegen stramm rechte Kandidaten verloren. Die wollen hart erkämpfte soziale Fortschritte wieder zurückdrehen. Sie gehen aber von Land zu Land unterschiedlich vor, ein gemeinsames Erfolgsrezept haben sie nicht.
Das Unity-Ölfeld zählt zu den wichtigsten Export- und Einnahmequellen des jungen Staats Südsudan. Gleichzeitig beuteln Korruption und schwere Umweltzerstörung Land und Menschen, deren Überleben weitgehend von humanitärer Hilfe abhängt.

Standpunkte

Die Entwicklungszusammenarbeit nutzt der Exportwirtschaft, heißt es in einer neuen Studie. Die KfW streut das Papier, will aber auch irgendwie nichts damit zu tun haben. Die Zweifel sind berechtigt, findet Tillmann Elliesen.
Die UN-Mission in Libyen hat Ende August eine Einigung zwischen den zwei rivalisierenden Regierungen dort zustande gebracht. Dass die umgesetzt wird, ist aber kaum zu erwarten, kommentiert Bernd Ludermann.
Globale Krisen, Mittelkürzungen, Angriffe auf Menschen­rechte: Die Herausforderungen für Hilfswerke sind enorm. Wer Hierarchien abbaut und Verantwortung mit Partnern teilt, kann darauf rascher und flexibler reagieren, meint Bernd Nilles, Geschäftsleiter von Fastenaktion.
Karikatur mit einem Israeli und einem Palästinenser.
Nach dem Hamas-Massaker vor drei Jahren und dem Krieg in Gaza seither herrscht in Israel weitgehend Konsens, dass der Staat auf Gewalt und Stärke setzen muss. Abkommen werden als Zeichen von Schwäche gesehen, meint der israelische Politologe José Brunner.

Bewegungsmelder

Bei SilaiWali stellen geflüchtete Afghaninnen Stoffpuppen und andere Produkte her.
Das Sozialunternehmen SilaiWali in Neu-Delhi bietet Afghaninnen, die vor den Taliban nach Indien geflohen sind, neue Perspektiven und ein selbst finanziertes Leben.
Die US-Diplomatin Tressa Rae Finerty wird neue stellvertretende UN-Hochkommissarin für Flüchtlinge. Die Mitgliedsländer des Entwicklungsausschusses (DAC) der OECD haben den Schweizer Diplomaten Thomas Gass zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Der Deutsche Afrika-Preis 2026 geht nach Kenia. Unsere Personalmeldungen im Oktober.
Viele Syrer wissen zwar, was ihrer eigenen Gruppe unter dem Assad-Regime und danach Schlimmes widerfahren ist – aber wenig darüber, was anderen angetan wurde. Deshalb achtet die Amal News Journalistenschule auf Diversität, sagt ihre Geschäftsführerin Julia Gerlach.
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