Im Sahel wird das Klima feuchter

Ein Farmarbeiter bewässert Pflanzen im chinesisch-afrikanischen Grünen Technologiepark in Bir El Barka im Westen Mauretaniens.
picture alliance / Xinhua News Agency | Si Yuan
Ein Farmarbeiter bewässert Pflanzen im chinesisch-afrikanischen Grünen Technologiepark in Bir El Barka im Westen Mauretaniens. Dass die Böden im Sahel heute mehr Wasser speichern, liegt auch an Projekten wie der „Großen Grünen Mauer“, zu denen auch der Park gehört.
Klimawandel
Im gesamten Sahelgürtel steigt der Grundwasserspiegel. Das liegt am Klimawandel, an der Verhärtung der Böden und an Techniken zur Wasserspeicherung. Für die Landwirtschaft bringt das große neue Chancen.

Der Artikel ist zuerst auf der Onlineplattform „YaleEnvironment360“ erschienen.

Die Oryxantilope war im Sahel fast ausgestorben, nun kehrt sie zurück. Die Landwirtschaft kommt voran, weil Felder zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder bewässert werden können. Die Bauern pflanzen sogar neue Bäume. In der afrikanischen Sahelzone am südlichen Rand der Sahara, einst ein Synonym für Dürre und Hungersnot, gibt es heute so viel Wasser wie seit Jahrzehnten nicht. Brunnen füllen sich, der Grundwasserspiegel ist stellenweise um bis zu vier Meter gestiegen.

Jahrelange Dürren hatten Ende des 20. Jahrhunderts die Böden der Sahelzone ausgetrocknet und verhärtet. Nun kehren unregelmäßige, aber extreme Regenfälle in die Region zurück. Sie bringen tödliche Überschwemmungen, aber füllen auch Flüsse und ausgetrocknete Flussbetten (Wadis) auf, sammeln sich in Senken und speisen die Grundwasser führenden Bodenschichten.

Diese Entwicklung hat bereits in den 1990er Jahren eingesetzt, sich aber in den vergangenen fünf Jahren beschleunigt. „Für den gesamten Sahel, von Äthiopien bis zum Senegal, gibt es Belege, dass die Böden mehr Wasser speichern“, sagt Richard Taylor vom University College London. Der Hydrogeologe hat Teams geleitet, die Zusammenhänge zwischen Klima, Landnutzung und Grundwasserneubildung in der Region untersucht haben.

Dass nach den Dürren der 1970er und 1980er Jahre die Niederschlagsmengen gestiegen sind, erklärt nur einen Teil des Wandels, sagen Wissenschaftler. Weitere Gründe sehen sie im international finanzierten Projekt einer „Großen Grünen Mauer“ aus Bäumen, in der Wiederbelebung traditioneller Methoden der Wasserspeicherung und im von militanten Dschihadisten verursachten Aufruhr: Der habe auch dazu geführt, dass Bewässerungsprojekte aufgegeben wurden, die den Flüssen weiter Wasser entzogen hätten.

Grundwasserspeicherung in flachen Schichten im Sahel im Februar 2003 und im Februar 2025 – im Vergleich zur durchschnittlichen Wassereinspeicherung zwischen 1948 und 2012.

Die rund 800 Kilometer breite Sahelzone ist ein semiarider Landstreifen mit Jahresniederschlägen unter 500 Millimetern pro Quadratmeter. Er erstreckt sich quer durch Nordafrika, vom Senegal im Westen bis nach Äthiopien im Osten. Seine Bevölkerung von über 150 Millionen Menschen wächst schnell.

Der Monsun gewinnt wieder an Stärke

In dieser Übergangszone zwischen der Sahara im Norden und den Savannen und Küstenwäldern im Süden sind Regenfälle für das Überleben entscheidend. Die hängen vom westafrikanischen Monsun ab, dem feuchten Wind, der zwischen Juni und September vom Golf von Guinea nordwärts weht. Ob er bis zum 15. nördlichen Breitengrad vordringt oder nur bis zum 10., macht laut Hydrologen den Unterschied zwischen guten Jahren und Missernten aus. Als der Monsun im späten 20. Jahrhundert mehrmals nacheinander ausblieb, starben im Sahel rund eine Million Menschen an Hunger und Krankheiten. Nun, da der Monsun wieder an Stärke gewinnt, könnte der Sahelzone eine neue feuchte Ära bevorstehen.

Das hilft auch der Tierwelt. Im Naturschutzgebiet Ouadi Rimé-Ouadi Achim im Tschad erholen sich die Wadi-Systeme, und laut Naturschützern steigen die Bestände an Erdferkeln, Stachelschweinen, Dachsen und Füchsen; die Säbelantilope, die einst in freier Wildbahn für ausgestorben erklärt wurde, wurde erfolgreich wieder angesiedelt. In anderen Gebieten, aus denen sie zuvor verschwunden waren, weiden wieder westafrikanische Giraffen auf üppiger Vegetation.

Bessere Ernten und mehr Bäume

Mit der Rückkehr des Regens haben die Bauern im Süden des Niger ihre Ernteerträge steigern können, indem sie auf ihren Feldern Millionen Bäume wachsen ließen, berichtet Chris Reij, der früher als Geograf beim World Resources Institute gearbeitet hat. Im Tschad, im Niger und in Kamerun bauen Landwirte mit Unterstützung unter anderem von der Weltbank kleine Bewässerungssysteme wieder auf und nutzen dabei Grundwasser rund um wiederauflebende Oasen. „Früher gab es nicht genug Wasser, um die Felder zu bewässern, und unsere Ernten waren dürftig. Jetzt hat sich unser Leben verändert“, sagte 2025 die Bäuerin Achta aus dem Tschad. Sie kann heute viermal so viel Land bewässern wie früher und hat ihre Zwiebelernte verdoppelt.

Im größten Teil der Sahelzone fallen heute wieder mehr Niederschläge – allerdings immer mehr in Form extremer Regengüsse, die in der Monsunzeit von heftigen Gewittern verursacht werden. Solche Bündel von Gewitterstürmen im Sahel zählen zu den stärksten der Welt und bringen den Großteil des Regens dort. Laut einer Analyse hat sich die Häufigkeit dieser extremen Stürme seit den 1980er Jahren verdreifacht.

Dass der Sahel feuchter wird, ist laut einem Bericht des Weltklimarats IPCC von 2021 höchstwahrscheinlich eine Folge der starken Erwärmung im Nordatlantik. Diese wird verursacht von der globalen Erwärmung zusammen mit dem Rückgang der Sulfat-Schwebstoffe aus der Kohleverbrennung in Europa und Nordamerika. Diese bildeten vorher einen dünnen Dunst, der Sonnenlicht zurückstrahlte und den Atlantik kühlte, so dass der Monsun weniger Regen in den Sahel brachte. Die Verringerung der Schadstoffe in der Luft hat den Ozean erwärmt und den Monsun zurück in die Sahelzone gebracht, wo er sintflutartige Regenfälle bringen kann.

Solche Unwetter sind in einer Region, die viel eher mit Katastrophen infolge ausbleibenden Regens vertraut ist, besonders schwer zu bewältigen. So starben im Niger, einem der zehn ärmsten Länder der Welt, während Dürren im späten 20. Jahrhundert Zehntausende in Hungersnöten. Heute gibt es dort mehr Todesfälle durch Fluten als durch Dürren. Heftige Stürme überfluteten in der Monsunzeit 2024 die Hauptstadt Niamey und spülten in ländlichen Gebieten mehr als 150.000 Lehmziegelhäuser weg.

Plötzliche Regengüsse bringen Zerstörung, sind aber ein Segen für die Grundwasservorkommen. In den stark verdichteten Boden sickert das Wasser zunächst nicht ein, sondern strömt in Flüsse und trockene Wadis, von wo es schnell in unterirdische Gesteinsschichten mit Hohlräumen fließen kann, also in Grundwasserleiter. Laut Hydrologen ist diese indirekte Versickerung nach schweren Stürmen am intensivsten. „Für das Ausmaß der Grundwasserneubildung ist an manchen Orten die Heftigkeit der Niederschläge wichtiger als die jährliche Niederschlagsmenge“, sagt Taylor. Die Intensität sei eine Hauptursache für den raschen Anstieg der Grundwasserspiegel, zumal im Sahel das meiste Wasser nicht Richtung Meer, sondern landeinwärts in Senken und Seen abfließt.

Anstieg der Grundwasserspiegel

So bilden sich in ehemals trockenen Gebieten neue Teiche. Taylors Forschungsteam hat festgestellt, dass sich Brunnen in der gesamten Region wieder füllen. Die durchschnittlichen Grundwasserspiegel sind in weiten Teilen des Niger um etwa vier Meter gestiegen, was auf einen Anstieg der Grundwasserreserven um 15 Prozent hindeutet. Satellitenanalysen zur Veränderungen der Schwerkraft von Landmassen bestätigen diese lokalen Daten. So hat eine Mission der NASA in den vergangenen zwanzig Jahren einen scharfen Anstieg der Masse des Landes im Sahel festgestellt; Hydrologen führen ihn auf wachsende Wassermengen im Boden zurück.

Mehr Regen ist aber nur ein Teil der Erklärung. Auch das Land und seine Nutzung haben sich verändert. Die von den Dürren bedingte Krustenbildung der Böden verstärkt Überflutungen: Sie hat in den vergangenen Jahrzehnten im zentralen Sahel den Teil des Wassers, der nicht einsickert, sondern sofort abfließt, um rund die Hälfte erhöht. Christophe Peugeot, ein Hydrologe an der Universität Montpellier in Frankreich, erklärt das damit, dass die Dürren „die Böden der Region dauerhaft verändert haben … und die heutigen Überschwemmungen begünstigen“.

Ein Großteil dieses Abflusses gelangt in den Tschadsee an der Grenze zwischen Nigeria, Kamerun, dem Tschad und Niger, dessen Einzugsgebiet fast sieben Mal so groß ist wie Deutschland. Die dramatische Schrumpfung des Sees ist zu einem Symbol für die Austrocknung der Sahelzone im späten 20. Jahrhundert geworden. Weniger bekannt ist, dass sich der See heute wieder erholt, weil die Wasserzuflüsse zunehmen. Hydrogeologen der Universität N’Djamena im Tschad berichten, dass im Jahr 2024 die größte Fläche des Sees auf mehr als 23.000 Quadratkilometer gewachsen ist – fast so groß wie in den 1960er Jahren und zehnmal so groß wie Mitte der 1980er Jahre. Dieses Wachstum wird teilweise von großen Flächen mit dichter Vegetation im See verdeckt. Und während der See wächst, füllt sich auch der darunter liegende Grundwasserleiter wieder auf.

Laut manchen Forschenden kann man den Anstieg des Grundwasserspiegels im Sahel zum Teil auch mit gezielten Anstrengungen erklären, mehr Regenwasser im Boden zu speichern. Eine solche Initiative ist die Große Grüne Mauer. Ursprünglich war sie als Barriere aus angepflanzten Bäumen geplant, die das Vordringen der Sahara verhindern sollte. Doch sie hat sich in eine eher basisorientierte Initiative verwandelt, die Bodenerosion durch das Auffangen von Niederschlägen und die Verbesserung der Bodenfeuchtigkeit einzudämmen versucht – Maßnahmen, die auch die Versickerung in den Boden verbessern können.

Viele solcher Projekte greifen traditionelle Techniken der Wassergewinnung auf: Steinwälle entlang der Hügelkonturen errichten, zwischen Feldfrüchten kleine Löcher graben – sogenannte Zai-Gruben –, halbmondförmige Haufen um Bäume formen. Alpha Lo erklärt in einer Online-Analyse, dass solche Techniken der Hauptgrund für den Anstieg des Grundwasserspeigels im Sahel seien. Die meisten Forscher sind jedoch der Ansicht, dass diese Methoden zwar für die Pflege von Bäumen oder Nutzpflanzen lokal wirksam sind, aber nicht in ausreichendem Umfang angewendet werden, um den Anstieg in der gesamten Region zu erklären.

Weniger Wasserentnahme

Als weitere Erklärung gilt, dass die Menschen im Sahel weniger Wasser aus Flüssen entnehmen, so dass mehr in die Grundwasserleiter gelangen kann. Ein Grund dieses Trends ist der Niedergang großer Bewässerungsprojekte, die während der Dürrejahre zur Steigerung der Nahrungsmittelproduktion errichtet wurden. So hat Kamerun einst den Fluss Logone, historisch die größte einzelne Wasserquelle für den Tschadsee, für den Reisanbau weitgehend leergepumpt. Doch jetzt leitet das Bewässerungsprojekt Berichten zufolge deutlich weniger Wasser um, weil das Management schlecht ist, die Infrastruktur veraltet, und die Landwirte wandern ab.

In Gebieten rund um den Tschadsee haben zudem Landwirte ihre bewässerten Felder wegen Boko Haram aufgegeben, einer militanten dschihadistischen Gruppe, die die Gemeinden weiterhin terrorisiert. Das Chaos im Norden Nigerias „bedeutet, dass das Wasser in den Flüssen stromaufwärts nicht aufgefangen wird und weiter in den Tschadsee fließt, wo es zu höheren Wasserständen und einer stärkeren Grundwasserneubildung beiträgt“, sagt Timmo Gaasbeek, Referent für Ernährungssicherheitspolitik im niederländischen Außenministerium.

Die meisten Klimamodelle sagen für die kommenden Jahrzehnte eine weitere Zunahme der Niederschläge im Sahel voraus. Laut dem Hydrologen Christophe Peugeot könnte „die erhöhte Wasserverfügbarkeit in den Talsohlen die Bewässerung fördern und mehreren Regionen der Sahelzone neue Perspektiven eröffnen“. Beflügelt von solchen Prognosen plant Nigeria, das 67.000 Hektar große Bewässerungsprojekt an den früheren südlichen Ufern des Tschadsees wiederzubeleben, das vor langer Zeit aus Wassermangel aufgegeben wurde.

Doch der Weg voran wird nicht einfach sein. Die Regenfälle im Sahel bleiben weiterhin unberechenbar. Für die nächste Zeit prognostizieren Klimatologen, dass das starke El-Niño-Ereignis in diesem Jahr im östlichen Sahel zu Dürre führen könnte, weiter westlich aber zu Rekordregenfällen und mehr Überflutungen.

Aus dem Englischen von Barbara Erbe.

 

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