Ausbau der Resilienz-Partnerschaft für den Sahel

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Ein Paar bearbeitet eine Fläche unmittelbar an einem Stausee in Ozagadougou, Burkina Faso.
Ziel ist, die Landwirtschaft diversifizieren und die Bewässerung zu verbessern, um mehr Ernährungssouveränität zu erlangen: Ein Paar bearbeitet eine Fläche unmittelbar an einem Stausee in Ozagadougou, Burkina Faso.
Berlin
Die Bundesregierung startet einen neuen Sahel-Prozess für Ernährungssicherheit – und knüpft dabei an altbekannte Konzepte an.

Zum Start des neuen Sahel-Prozesses lud das Entwicklungsministerium (BMZ) Vertreter aus neun afrikanischen Ländern der Krisenregion sowie deutsche und internationale Organisationen zum Austausch darüber ein. Der offiziell „Berlin Process for Food Security in the Sahel“ genannte Austausch hat eine engere Abstimmung zum Ziel – vor allem zwischen dort tätigen UN-Einrichtungen wie dem Welternährungsprogramm (WFP) und Unicef. Finanziell ist der Prozess mit einer Zusage von 130 Millionen Euro aus dem BMZ ausgestattet, die Staatssekretär Nils Annen gezielter als bisher eingesetzt  werden sollen. 

Was sich verbessert, wenn Hilfsansätze ineinandergreifen, zeigte eine bei der Tagung vorgestellte Auswertung der Welternährungsorganisation (FAO) für 2023/24 in drei westafrikanischen Ländern. Diese weist darauf hin, dass dort, wo Nothilfe mit Unterstützung im Ackerbau verbunden wurde, die akuten Hungerzahlen sanken: etwa in Burkina Faso um 21 Prozent, zweimal stärker als durch Lebensmittelhilfe allein. 

"Regierungsfern und bevölkerungsnah"

Im Grunde ist der „Berlin-Prozess“ eine Fortschreibung der Sahel-Resilienz-Partnerschaft  (SRO), die – so umbenannt von Ex-Ministerin Svenja Schulze 2023 – schon seit 2018 umgesetzt wird. Im Zuge der Machtübernahmen durch das Militär in Mali, Niger und Burkina Faso liegt der Akzent in der Entwicklungsarbeit seit 2022 auf „regierungsfern und bevölkerungsnah“. Trotz aller politischen Abgrenzung zu den autoritären Regimen soll die noch bis 2027 laufende Resilienz-Partnerschaft (SRO) nun in diesen Sahel-Kernstaaten einschließlich Mauretanien und Tschad gesichert werden.

Von der verkündeten „Aufstockung“ sollen 70 Millionen Euro an das WFP und 50 Millionen Euro an Unicef gehen. Über welchen Zeitraum, wollte das BMZ auf Anfrage nicht sagen. Nur so viel: 2025 seien für den Sahel insgesamt Vorhaben zum Ziel „kein Hunger“ (SDG2) von rund 450 Millionen Euro einschließlich mehrjähriger Förderungen, zugesagt worden.

Höhere Preise wegen des Irankriegs

Die Ernährungslage im Sahel spitzt sich derweil weiter zu. Die Zahl der in Westafrika und Sahel unter mangelnder Nahrungsmittelversorgung lebenden Menschen stieg von 83 Millionen im Juni 2022 auf 146 Millionen im Juni 2026 an, trug die FAO in Berlin vor, die von akut Hungerleidenden von 45 auf knapp 55 Millionen. Die Krisenregion habe 8,5 Millionen Binnenvertriebene und Geflüchtete zu versorgen. Infolge des Irankriegs und des dadurch ausgelösten Preisanstiegs unter anderem für Dünger gerieten nun weitere zehn Millionen Menschen in Ernährungsunsicherheit. 

Ziel der Resilienz-Partnerschaft ist, bis 2027 rund 6.000 Dorfgemeinschaften widerstandsfähiger zu machen. Die besten Ergebnisse zeigten sich, so WFP-Regionaldirektorin Kinday Samba, wenn humanitäre Hilfe mit angeleiteter klimaangepasster Landwirtschaft, Bewässerung und Renaturierung kombiniert werden könne. Zudem würden mit Frauen- und Jugendgruppen soziale Pläne für Schulen und Gesundheit sowie für Dialogformate zur Konfliktprävention entwickelt. „Nach drei Jahren konnten bisher die Gemeinschaften die Programme eigenständig fortführen.“

Landwirtschaft diversifizieren, Transportwege stabilisieren

Lokale Politiker und Organisationen sowie auch Unicef-Regionaldirektor Gilles Faguignon hoben die Bedeutung der Führungsrollen der jeweiligen Regierungen und deren Entwicklungszielen hervor. BMZ-Gesandte hatten zuvor den Gesprächsfaden mit den militärischen Machthabern offiziell wieder aufgenommen – zuletzt im Juni in Burkina Faso zu Regierungskonsultationen, in Mali  und Niger  vergangenes Jahr. Dass zum Auftakt des Sahel-Prozesses drei Botschafter der Kernstaaten anwesend waren, wurde BMZ-intern als Erfolg verbucht. So warb der burkinische Botschafter um strukturelle Unterstützung: Man sehe in den Ländern des Sahel die Notwendigkeit, zum Zweck der Ernährungssouveränität die Landwirtschaft zu diversifizieren und die Transportwege durch Ausbau der Infrastruktur zu stabilisieren.

Die Entwicklung zeigt, dass die Bundesregierung offenkundig bemüht ist, mit den Militärregimen einen Dialog zu pflegen und weiterhin zu kooperieren. „Eine Annäherung könnte begrenzt auf die geopolitisch eher unverfängliche Ebene der Ernährungssicherheit noch am besten gelingen“, meint Grit Lenz vom zivilgesellschaftlichen Netzwerk Fokus Sahel. Fortschritte in der Versorgung der Bevölkerung lägen dabei im Interesse beider Seiten. 

Neue "Team Europe-Initiative"

Zumal andere europäische Länder sich komplett zurückgezogen haben nach dem Bruch der Juntas mit dem Westen und im Schulterschluss mit Russland und Iran. Die Militärs verlieren allerdings in der Bevölkerung an Rückhalt, während die Wirtschafts- und Sicherheitslage sich durch Radikalisierung und Gewalt extremistischer Gruppen verschlechtert. So beobachtet  Lisa Tschörner von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) inzwischen eine Offenheit der Machthaber für neue Außenbeziehungen – auch mit den USA –, um einseitige Abhängigkeiten etwa von Russland oder Iran zu vermeiden, aber ohne Einmischung der neuen Partner in innenpolitische Angelegenheiten. 

In diesem Sinne will das BMZ auch in der EU ein stärkeres Sahel-Engagement anstoßen, berichtete eine Sprecherin. So solle eine neue „Team Europe-Initiative“ auch die Förderung von Landwirtschaft, Ernährungssicherung und Beschäftigung als „zentralen Baustein“ haben. Die EU-Kommission wiederum stelle 2026 weitere 150 Millionen Euro für humanitäre Maßnahmen im Sahel zur Verfügung, bei denen Ernährungssicherung schon heute eine große Rolle spiele. Die EU-Mitgliedstaaten beschlossen trotz Gegenwinds aus Frankreich Ende 2025 eine neue EU-Strategie, und der Sahel-Beauftragte Joao Gomes Cravinho lotete seither – wie auch die BMZ-Gesandten – in den Sahel-Hauptstädten „gemeinsame Interessen“ aus. 

Die gebe es in Fragen der Sicherheit vor Bandenkriminalität, des Anti-Terror-Kampfes, der Klima- und Migrationskrise sowie der Existenzgrundlagen der Bevölkerung, sagte Cravinho in Auslassungen zum Start der irischen Ratspräsidentschaft. Man müsse in der Region die menschliche Sicherheit schützen und Lebensumstände schaffen, damit die Menschen bleiben könnten, statt anderswo neue Perspektiven zu suchen. Seither wurde Cravinho zum regulären Ende seiner Amstzeit durch Dänemarks Sondergesandte für die Sahelzone, Birgitte Nygaard Markussen, ersetzt. Sie wird nun die EU-Politik und die Instrumente koordinieren – darunter Deutschlands Team Europe-Initiative.

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