Nepals Queer-Kino erobert die Welt

Die Transgender-Schauspielerin Pushpa Thing Lama beim Filmfestival in Cannes.
Filmproduktionsteam von „Elephants in the Fog“
Die Transgender-Schauspielerin Pushpa Thing Lama, hier beim Filmfestival in Cannes, hofft auf mehr Jobs für Transgender-Künstler und -Darsteller.
Kultur
Was LGBTQ-Rechte anbelangt, gilt Nepal als eines der fortschrittlichsten Länder Südasiens. Dennoch spielt sich das Leben vieler Menschen der Community weitgehend im Verborgenen ab. Nun macht die Filmindustrie des Landes die Geschichten queerer Figuren im In- und Ausland einem breiteren Publikum bekannt.

Der 2026 in Nepal produzierte Thriller „Elephants in the Fog“ bedeutet einen Durchbruch für die wachsende queere Filmszene des südasiatischen Landes und seine sogenannte Kinnar-Gemeinschaft derjenigen, die sich als transgender oder geschlechtsnonkonform identifizieren. Erstmals wurde ein Film mit Transgender-Schauspielern in den Hauptrollen bei den Filmfestspielen von Cannes mit dem Jurypreis in der Reihe Un Certain Regard ausgezeichnet – ein Film, der die Bindung zwischen einer Matriarchin und ihren Töchtern ebenso zeigt wie die nahezu verwandtschaftlichen Beziehungen innerhalb der Kinnar-Gemeinschaft, in der ein älteres Mitglied zur symbolischen Mutter ihrer selbst gewählten Familie wird.

Seitdem Nepals Oberster Gerichtshof der LGBTQ-Gemeinschaft im Jahr 2007 die offizielle Anerkennung eines dritten Geschlechts neben männlich und weiblich anordnete und die Regierung anwies, alle diskriminierenden Gesetze zu streichen und die Rechte von gleichgeschlechtlichen Paaren zu garantieren, dürfen LGBTQ-Personen ihre Ehen nun offiziell registrieren lassen, auch wenn ein entsprechendes Gesetz noch verabschiedet werden muss. Die seit 2026 amtierende Regierung hat sogar das ehemalige Ministerium für Frauen, Kinder und Senioren offiziell in Ministerium für Frauen, Kinder, geschlechtliche und sexuelle Minderheiten und soziale Sicherheit umbenannt. Queere Charaktere dienten im nepalesischen Kino jedoch lange Zeit nur dazu, Filme komisch aufzulockern und Stereotype zu festigen.

Lesbische Liebesgeschichte brachte den Durchbruch

2013 gelang dann jedoch dem Film „Soongava: Dance of the Orchids“, einer lesbischen Liebesgeschichte, der Durchbruch als Nepals erster queerer Mainstream-Film – auch wenn einige Filmkritiker die Darstellung queerer Themen oberflächlich und wenig sensibel fanden. Kurz davor waren schon queere Figuren in von der Kritik gefeierten Filmen wie „Sarir“ (2011) und „Highway“ (2012) zu sehen, doch diese erreichten kein breiteres Publikum.

Autor

Bibek Bhandari

hat in Indien und China gelebt und ist freier Journalist in Kathmandu, Nepal.

Inzwischen trauen sich auch Mainstream-Filmemacher zunehmend, queere Geschichten und Figuren in den Fokus zu nehmen, was auf ein wachsendes Interesse an Filmen hindeutet, die sich mit Diversität auseinandersetzen. So stellte im Jahr 2023 der Film „Ek Bhagwad Ra Ek Geeta“ genderfluide und transgender Figuren als Protagonisten in den Mittelpunkt, während sich der 2025 erschienene Film „Gunyo Cholo: The Dress“ um die Coming-of-Age-Geschichte einer Transfrau drehte. Darüber hinaus stellte der Streifen „Pooja, Sir“ dem Publikum im vergangenen Jahr eine lesbische Polizistin vor.

Doch auch wenn die kürzlich erschienenen queeren Filme beim Publikum ankommen, mangelt es nach wie vor an LGBTQ-Schauspielern auf der Leinwand: Auch in Filmen zu queeren Themen werden die Rollen meist mit nicht-queeren Schauspielern besetzt.

Hoffnung auf mehr Stellen für Transgender

Für Nepals Transgender-Community sind begrenzte Beschäftigungsmöglichkeiten generell ein Problem, da viele bei der Arbeitssuche abgewiesen oder sogar davon abgehalten werden, sich überhaupt um eine Stelle zu bewerben. Dennoch besteht die Hoffnung, dass der Erfolg von „Elephants in the Fog“ neue Wege für mehr Transgender-Künstler und -Darsteller in der Branche eröffnet.

„Ich weiß nicht, was ich danach machen werde“, sagte Pushpa Thing Lama, eine Transgender-Schauspielerin aus „Elephants in the Fog“. „Ich bewundere die Filmemacher für ihren Mut, diesen Film zu drehen und uns eine Chance zu geben. Aber ein Film reicht nicht. Wir brauchen mehr Möglichkeiten und wollen die gleichen Rechte und die gleiche Würde wie alle anderen auch.“

Aus dem Englischen von Barbara Erbe.

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