... wenn man trotzdem lacht

Heft 4 / 2026

Komik ist subversiv, das wusste schon George Orwell - aber das stimmt nicht immer. In Südafrika stichelt der Karikaturist Zapiro gegen die Mächtigen, in Bangladesch hingegen nutzen islamische Hardliner Humor als Waffe. In São Paulo in Brasilien helfen Clowns Drogenabhängigen, in Nepal gedenken die Menschen am Gai Jatra-Fest lachend ihrer Toten. Und unsere Korrespondenten aus aller Welt erzählen ihre Lieblingswitze.
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Heftschwerpunkt

Lachende Kinder blicken durch ein Fenster einer Moschee in der Provinz Inhambane in Mosambik. 
Humor haben wir alle, sagt der Ethnologe Mirco Göpfert. Oft ist er subversiv, und es gibt auch schon immer Witze über Menschen, die anders sind. Doch inzwischen nutzen rechtsextreme und autoritäre Politiker Humor, um Gruppen zu diskriminieren und den Rahmen des Sagbaren auszuweiten. Das sollte uns beunruhigen, sagt Mirco Göpfert, Professor für Sozial- und Kulturanthropologie an der Goethe-Universität Frankfurt.
Herzhaft lachender indischer Mann.
Lieblingswitze unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten
Trommelgruppe mit Clown in São Paulos Drogenviertel Cracolândia.
In São Paulos Drogenviertel Cracolândia bietet ein Verein Menschen Auswege aus dem Leben auf der Straße an. Er nutzt dazu Auftritte von Clowns, von denen manche selbst früher drogensüchtig waren.
Polizei bringt in Dhaka zwei bärtige Männer ins Gericht, Beschuldigte des Anschlags auf das Café Holey Artisan Bakery.
In Bangladeschs religiösem Leben ist Humor tief verwurzelt. Doch Politik und Gewalt, aber auch das Internet haben seine Grenzen verschoben. Während Priester harmlose Witze machen, nutzen religiöse Hardliner Humor als Waffe. Karikaturisten müssen aufpassen, nicht der Blasphemie bezichtigt zu werden.
Ein Inder und eine Inderin mit Narrenmütze und komischen Brillen, beide lachend, bei einer Lachyoga-Stunde.
In Indien wurde das Lachyoga erfunden. Vor allem ältere Inderinnen und Inder praktizieren es, weil sie sonst nicht mehr viel zu lachen haben – und weil auch künstliches Lachen gesund ist. Und darüber machen sich jüngere Inder lustig.
Das traditionelle Gai-Jatra-Fest in Nepal: Schrille Verkleidungen gehören dazu – Feiernde posieren 2024 in Kathmandu für ein Foto.
Das traditionelle Gai-Jatra-Fest erinnert in Nepal an diejenigen, die im vergangenen Jahr gestorben sind – mit teils karnevalesken Zügen. Und es bietet auch Raum für politische Satire und Parodie.
Der südafrikanische Cartoonist Jonathan Shapiro, bekannt unter seinem Künstlernamen Zapiro, hat keine Scheu, mächtige Männer zu karikieren. Seine Cartoons waren einst ein wichtiger Beitrag zum Kampf gegen die Apartheid. Seit der African National Congress (ANC) an der Macht ist, nimmt der 67-jährige Zeichner auch dessen Fehltritte aufs Korn.

Welt-Blicke

Frau in blauer Jacke: Halbporträt der afghanischen Ex-Ministerin Alema Alema.
Eine afghanische Ex-Ministerin kritisiert die deutsche Regierung für ihren Umgang mit Schutzsuchenden: Alema Alema hat in Deutschland studiert und lange in Afghanistan für deutsche Entwicklungsorganisationen und die Regierung gearbeitet. Seit fünf Jahren ist sie wieder in Deutschland und unterstützt die Opposition dort, so gut es geht.
Erhitzte Debatte über ein Anti-LGBTQ-Gesetz im Parlament des Senegal.
In Afrika bilden Führer verschiedener Religionen ein Zweckbündnis unter dem Banner von Familienwerten. Es treibt drastische Gesetze gegen Homosexualität voran und emanzipiert sich von den christlichen Rechten in den USA, die es auf den Weg gebracht haben.
Schwarz gekleidete jemenitische Gemüseverkäuferin mit einem Sack auf dem Kopf in Rückansicht vor dörflicher Kulisse.
Im Jemen sitzen Tausende Kämpfer in Gefängnissen der Regierung oder auch der Huthi-Rebellen. Viele Frauen hoffen auf die Rückkehr ihrer Männer, andere lassen sich scheiden – was für die Kinder besonders schlimm ist.
Die kongolesische Biologin Francine Ntoumi in ihrem Labor in Brazzaville.
Afrikanische Naturwissenschaftlerinnen werden in der internationalen Forschung kaum gehört; noch nie ging ein naturwissenschaftlicher Nobelpreis an den Kontinent. Die kongolesische Biologin Francine Ntoumi forscht in Brazzaville zu gefährlichen Infektionskrankheiten und ist ein Vorbild für ihre Studentinnen.
Fünf Mitglieder einer indigenen Garde in Kolumbien in blauen Westen vor einem Baum.
Im Süden Kolumbiens tritt eine unbewaffnete Garde von Indigenen den bewaffneten Banden entgegen. Bisher kann sie verhindern, dass Banden zahlreiche Minderjährige aus ihren Gemeinden rekrutieren. Aber ihre Lage wird schwieriger, das Land bekommt nun einen rechtsgerichteten Präsidenten.

Standpunkte

UN-Länderfonds sollen mehr humanitäre Hilfe direkt an lokale Organisationen leiten. Doch die Vereinten Nationen und große Hilfswerke halten
sich nicht daran. Wollen sie die Machtverhältnisse in der internationalen Hilfe überhaupt verändern, wie sie behaupten?
Demokratie braucht eine lebendige Zivil­gesellschaft. Globales Lernen trägt dazu bei und stärkt nicht nur Kinderrechte.

Bewegungsmelder

Private Kleinbusse sind unverzichtbar: Die Stadt Accra arbeitet sich am öffentlichen Verkehrssystem ab.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule oder zur Arbeit zu kommen, gleicht für viele Menschen in Ghanas Hauptstadt Accra einem täglichen Alptraum. Die Regierung will jetzt den privaten Bussektor stärker fördern, doch es gibt Zweifel, ob das reicht.
Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) leitet die im Entwicklungsministerium (BMZ) angesiedelte Nord-Süd-Kommission. Esther Lisa Rüden ist die neue Pressesprecherin und Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des Kinderhilfswerks Terre des Hommes. Jens Martens ist im Mai nach kurzer, schwerer Krankheit mit nur 63 Jahren gestorben, Jean Ziegler im Juni mit 92 Jahren. Unsere Personalmeldungen im August.
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