Kleine Kredite an Menschen, die keinen Zugang zu regulären Bankdarlehen haben, zum Beispiel weil sie nichts als Sicherheit hinterlegen können – das ist die Idee der Mikrofinanz. Das Geld kann eine Kleinbäuerin dann zum Beispiel in Arbeitsgerät investieren, um ihre Produktion und damit auch ihr Einkommen zu steigern. Seit Jahrzehnten funktioniert das überall auf der Welt. Insofern ist es vernünftig, dass die Entwicklungspolitik das fördert.
An vielen Orten sind Mikrokredite allerdings längst zu einem Geschäft geworden, an dem Banken gut verdienen und bei dem der entwicklungspolitische Anspruch in den Hintergrund geraten ist. In Kambodscha etwa sind sehr viele Kreditnehmer so hoch verschuldet, dass sie ihr Land verpfänden oder beim Essen sparen müssen. Wer hier in Mikrofinanzinstitutionen investiert, muss darauf achten, dass er solche Missstände nicht zusätzlich verschärft. Fachleute sagen, in Kambodscha sind die Probleme so groß, dass die Entwicklungspolitik sich gar nicht mehr engagieren sollte. Die Bundesregierung hat deshalb ihre Mikrokreditprojekte dort in den vergangenen Jahren auslaufen lassen.
Die Leiterin der Ombudsstelle ist zurückgetreten
Jetzt hat die Weltbanktochter IFC von der eigenen Ombudsstelle bescheinigt bekommen, dass sie mit ihren Investitionen in kambodschanische Mikrokreditinstitutionen die Not von überschuldeten Kreditnehmern vergrößert und damit gegen ihre eigenen Sozialstandards verstoßen habe. Management und Aufsichtsrat der IFC weisen das zurück, woraufhin die Leiterin der Ombudsstelle zurückgetreten ist.
Die IFC-Leitung argumentiert spitzfindig. Ja, es gebe Missstände in der kambodschanischen Mikrofinanzbranche, und die Kreditnehmer, die die Ombudsstelle angerufen hatten, seien geschädigt worden. Aber das sei einer unzureichenden Regulierung der Branche und einer schlechten Kreditvergabepraxis geschuldet und habe nichts mit den Investitionen der IFC zu tun. Offenbar befürchtet man in der IFC, ihre Geschäfte mit der Mikrofinanz könnten grundsätzlich in Zweifel gezogen werden, wenn sie sich das Urteil der Ombudsstelle zu eigen macht. Dazu passt, dass diese offenbar grundsätzlich keine Klagen von geschädigten Mikrokreditnehmern mehr annehmen soll.
Es ist nachvollziehbar, dass die IFC nicht Wasser auf die Mühlen von Fundamentalkritikern gießen will, die Mikrofinanz grundsätzlich für ausbeuterisches Teufelszeug halten. Aber dass die Weltbanktochter, die der Armutsbekämpfung verpflichtet ist, selbst in einem eindeutigen Fall wie Kambodscha keine Verantwortung übernehmen will und sogar das Urteil der eigenen Ombudsstelle zurückweist, ist inakzeptabel. Und es schadet dem ohnehin fragilen Vertrauen in ihre Rechenschaftspflicht.

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