Extremes Wetter, mehr Gewalt?

Heft 3 / 2026

Der Klimawandel setzt Gesellschaften unter Druck und verschärft lokale Konflikte, etwa am Amazonas in Brasilien. Aber verursacht er Kriege mit? Was können Entwicklungs- und Umweltpolitik gegen klimabedingte Spannungen tun? Wie verändern Wetterextreme den Blauhelmeinsatz im Südsudan? Und wie bereiten sich Armeen auf die Erderhitzung vor und befeuern sie zugleich?
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Klima und Krieg

Heftschwerpunkt

Mähdrescher auf einer Großfarm. Die Sojaernte in Brasilien ist hochgradig technisiert und industrialisiert.
In Brasilien rückt die industrielle Landwirtschaft in Gebiete vor, in denen indigene Gemeinschaften und Kleinbauern leben. Wo das geschieht, häufen sich Konflikte – oft zusätzlich vom Klimawandel angefacht. Der Staat schaut dem weitgehend tatenlos zu.
Chilenische Soldaten patroullieren Anfang 2026 in Concepción in Südchile inmitten der Verwüstungen nach einem Waldbrand. 
Die Emissionen von Streitkräften tragen stark zur Erderwärmung bei, und manche Armeen wollen sie verringern. Zugleich stellt Extremwetter sie vor neue Probleme auf dem Gefechtsfeld und vor neue Aufgaben in der Nothilfe.
Waldhüter vertreiben mit Böllern einen wilden Elefanten, der in der Nähe eines Armeelagers in Guwahati, Indien, auf einer Straße umherstreift.
Der Lebensraum von Wildtieren schrumpft – und klimabedingte Dürren treiben Elefanten, Schlangen und Löwen näher an menschliche Siedlungen. Das kann für beide Seiten tödlich enden. Vor allem die Menschen müssen ihr Verhalten anpassen.
Kämpfer der Tuareg in der Stadt Kidal in Mali, die sie im Mai 2026 gemeinsam mit Dschihadisten erobert haben. Im Sahel erleichtern Klimafolgen es Rebellengruppen, neue Kämpfer anzuwerben
Lange Dürren, Starkregen, große Hitze – der Klimawandel verschlechtert die Lebens­be­dingungen vieler Menschen, besonders in ärmeren Ländern. Das kann lokale Streitig­keiten begünstigen. Aber es als Ursache von Kriegen anzusehen, ist ein Kurzschluss.
Eine Frau erntet Amarant in ­Mukondo im Gebiet Nyiragongo. Hierhin sind viele Menschen aus anderen Teilen des Ostkongos geflohen.
Der Klimawandel heizt den Krieg im Osten der Demokratischen Republik Kongo weiter an. Mehrere Initiativen wollen mit Umweltschutz verfeindete Gruppen zum Nutzen aller zusammenbringen und so Frieden fördern.
Seit der Unabhängigkeit des Südsudans bemüht sich die UN-Blauhelmmission UNMISS darum, die Sicherheitslage in dem Land zu stabilisieren und die Bevölkerung zu schützen. Seit 2023 hat die Mission eine Abteilung, die die Folgen des Klimawandels für die Sicherheit in den Blick nimmt. Johnson Nkem erklärt, wie Klimafolgen Konflikte im Land befeuern und wie UNMISS sich darauf einstellt.

Welt-Blicke

Ein italienischer Priester hat vor 25 Jahren den katholischen Radiosender Sol Mansi in Guinea-Bissau gegründet. Heute ist er der meistgehörte Sender des Landes, auch weil er sich dem sozialen Zusammenhalt und der Vielfalt verschrieben hat.
Eine Frau mit Blumen vor Gräbern mit Bildern von Soldaten.
In Armenien wird am 7. Juni das Parlament neu gewählt. Der Regierung wird vorgeworfen, dass sie nach der Niederlage im Krieg gegen Aserbaidschan und der Vertreibung der armenischen Minderheit dort auf Entspannung setzt.
Jüdischer Gottesdienst in Nordostindien: Ein junger Mann betet vor einer Thorarolle, die Synagoge ist aus Bambus errichtet.
Die israelische Regierung fördert die Umsiedlung von Menschen aus Indien, die sich als Nachfahren eines jüdischen Stammes ver­stehen. Was als Heimkehr verkauft wird, stärkt gezielt den jüdischen Charakter ausgewählter Städte in Israel. Auch im Nordosten Indiens ist das Programm umstritten.
Präsident Paul Kagame greift im Mai 2023 fürs Bäumepflanzen in Kigalis Ökopark Nyandungu persönlich zum Spaten.
Ruandas Hauptstadt Kigali renaturiert rund 70 Quadratkilometer Feuchtgebiete. Zusammen mit der Aufforstung der Hügel sollen sie die Stadt vor Überschwemmungen schützen. Das ist ein Vorbild für Klimaanpassung in anderen Städten Afrikas.
Im Süden von Sambia wird Kohle abgebaut, um die Kupferbergwerke im Norden des Landes zu befeuern. Außerdem graben unzählige Kleinschürfer nach Rohstoffen wie Lithium und Zinn. In den Abbaugebieten wird mit der Frage gerungen, wie der Boom möglichst umwelt- und sozialverträglich gestaltet werden kann.

Standpunkte

Kriege, Machtpolitik und die Erosion des Völkerrechts prägen die internationale Politik zunehmend. Das bedroht humanitäre Errungenschaften und macht Entwicklungszusammenarbeit gerade jetzt unverzichtbar.
Deutschland hat es vorgemacht, andere EU-Länder ziehen nach: Sie wollen mit den Taliban zusammenarbeiten, um leichter Afghanen abschieben zu können. Damit legitimieren sie das Regime in Kabul und lassen die Afghanen im Stich, die an ihrer Seite für Demokratie gekämpft haben.
Der Irankrieg zeigt einmal mehr, wie abhängig die globale Ernährung von fossiler Energie, Chemie und Logistik ist. Höchste Zeit, arme Länder von Dünger- und Nahrungsimporten zu entkoppeln und auf agrarökologische, krisenresistente Landwirtschaft zu setzen.
Die Entwicklungshilfe sinkt dramatisch, und manche finden das nicht so schlimm oder gewinnen ihm sogar Gutes ab. Da geht in der Diskussion einiges durcheinander, meint Tillmann Elliesen.

Bewegungsmelder

Abdullah Mohammed schöpft oft Wasser aus der Zisterne der Moschee und setzt auf dessen Heilkraft.
Viele Jemeniten stehen der modernen Gesundheitsversorgung und dem technischen Fortschritt skeptisch gegenüber. Sie vertrauen lieber auf traditionelle, auf Glauben beruhende Heilmittel – beispielsweise auf Wasser vom Grab eines „Wali“. Ein moderner Imam hält dagegen.
Neuer Leiter des UN-Welternährungsprogramms wird voraussichtlich der US-Amerikaner Luke J. Lindberg. Sebastian Tripp ist neuer Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung. Der Niederländer Huub Lelieveld erhält den diesjährigen World Food Prize. Unsere Personalmeldungen im Juni.
Anas Kahal kam 2011 nach seinem Bacherlorabschluss in Damaskus als Kunststudent nach Deutschland. Zu seiner persönlichen Kunst fand er durch die Freiheit im Studium, aber auch durch den Einfluss der Arabischen Frühlings. Sein sehnlichster Wunsch heute: dass der Krieg und die Gewalt in Syrien aufhören!
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