Wer, wo, was?

Personalia
Neuer Leiter des UN-Welternährungsprogramms WFP wird voraussichtlich der US-Amerikaner Luke J. Lindberg. Seit April ist Sebastian Tripp Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung. Der Niederländer Huub Lelieveld erhält den diesjährigen World Food Prize. Der langjährige frühere Mitarbeiter des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) Michael Bohnet ist tot. Unsere Personalmeldungen im Juni.

Welternährungsprogramm WFP

Neuer Leiter des UN-Welternährungsprogramms WFP wird voraussichtlich der US-Amerikaner Luke J. Lindberg. Die US-Regierung hat den 37-Jährigen nominiert – und traditionell haben die USA das Zugriffsrecht auf diesen Posten. Lindberg, ein glühender Verfechter von Donald Trumps „America First“-Politik, ist derzeit in führender Position im US-Landwirtschaftsministerium tätig und hat dort bewirkt, dass die Verwaltung des größten US-Programms für Nahrungsmittelhilfe „Food for Peace“ aus dem Außenministerium in sein Haus verschoben wurde. Ein Motiv dafür war laut Fachleuten, über „Food for Peace“ wieder mehr Überschüsse von US-Bauern als Nothilfe in Notgebiete in aller Welt zu verschiffen. Mit Lindberg käme ein Befürworter dieser umstrittenen Praxis an die Spitze der weltgrößten Nothilfeorganisation. Erhält er den Zuschlag, folgt er auf Cindy McCain, die diesen Sommer aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig als WFP-Chefin zurücktritt.

Deutsche Stiftung ­Weltbevölkerung

Seit April ist Sebastian Tripp Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) und bildet nun mit Angela Bähr als Vorständin Programme die Doppelspitze der DSW. Tripp war vorher unter anderem für den WWF Deutschland tätig.

Bundesentwicklungs­ministerium 

Henrik Maihack, zuletzt Leiter des Afrikareferats der Friedrich-Ebert-Stiftung, ist ins Entwicklungsministerium gewechselt und leitet dort nun das Sekretariat der noch zu schaffenden Nord-Süd-Kommission, die die Bundesregierung einrichten will.

Lebensmittelforscher erhält World Food Prize 2026

Der Niederländer Huub Lelieveld erhält den diesjährigen World Food Prize, der auch als Nobelpreis im Bereich Ernährung und Landwirtschaft bezeichnet wird. Lelieveld wird für sein lebenslanges Engagement für sichere Lebensmittel ausgezeichnet. Der 82-Jährige hat im Jahr 2004 die Global Harmonization Initiative gegründet, die sich für international einheitliche und wissenschaftlich fundierte Standards zur Bewertung der Sicherheit von Lebensmitteln einsetzt. Laut der Weltgesundheitsorganisation sterben jährlich 42.000 Menschen an ­Lebensmitteln, die nicht oder – etwa mit Chemikalien – falsch behandelt wurden. Auf der anderen Seite behindern wissenschaftlich fragwürdige Sicherheitsstandards in vielen Ländern den Handel mit Lebensmitteln; nicht zuletzt Industrieländer nutzen sie als Handelsbarriere und erschweren Produzenten aus dem globalen Süden den Marktzugang. 
Vor der Gründung der Global Harmonization Initiative war Lelieveld als Forscher für den Lebensmittelkonzern Unilever tätig. Zu seinem Engagement, für das er nun den Preis erhält, kam er im Jahr 2002: Während einer Ernährungskrise im südlichen Afrika damals lehnten afrikanische Regierungen US-amerikanische Nahrungsmittelhilfe ab, weil das Getreide teilweise gentechnisch verändert war. Er habe das „absolut absurd  und inakzeptabel“ gefunden und gedacht, dagegen müsse etwas getan werden, sagte Lelieveld anlässlich der Preisverleihung.

Michael Bohnet gestorben  

Der langjährige frühere Mitarbeiter des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) Michael Bohnet ist tot. Er starb am 1. März im Alter von 88 Jahren. Bohnet war rund 40 Jahre in der deutschen Entwicklungspolitik tätig, die meiste Zeit davon in leitenden Positionen für das BMZ. Von 1998 bis 1999 leitete er die BMZ-Abteilung für multilaterale Entwicklungszusammenarbeit, anschließend die für bilaterale Zusammenarbeit. Von 2001 bis 2002 war er BMZ-Sonderbeauftragter für den Wiederaufbau Afghanistans und von 2003 bis 2007 BMZ-Beauftragter für die neuen EU-Mitglieder in Osteuropa. Bohnet war außerdem Professor für Volkswirtschaft an der Universität Duisburg sowie von 1992 bis 2002 Mitglied des Ausschusses für den kirchlichen Entwicklungsdienst der Evangelischen Kirche in Deutschland. Bohnet hat mehrere Bücher zur Entwicklungspolitik geschrieben, darunter seine erst vor zwei Jahren erschienene persönliche Bilanz „40 Jahre im Dienste der Entwicklungspolitik“.
Die frühere Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul erklärte anlässlich des Todes von Bohnet, er habe die deutsche Entwicklungszusammenarbeit „über Jahrzehnte geprägt, beeinflusst und weiterentwickelt“. Bohnet sei als gläubiger Christ geprägt gewesen von Gottes Kraft. „Und diese Kraft Gottes wird über seinen Tod hinaus wirken.“

Jochen Steinhilber gestorben

Jochen Steinhilber, seit 2022 Abteilungsleiter im Bundesentwicklungsministerium (BMZ), ist am 21. März nach schwerer Krankheit im Alter von 
55 Jahren gestorben. Steinhilber kam im Jahr 2003 als Referent für Entwicklungspolitik zur Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin. Von 2007 bis 2010 leitete er das Stiftungsbüro in Brasilien, anschließend übernahm er bis zu seinem Wechsel ins BMZ das Referat Globale Politik und Entwicklung. Im BMZ leitete er die Grundsatzabteilung und die Abteilung Flucht, Krisenprävention, Zivilgesellschaft. 
Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan erklärte zum Tode von Steinhilber: „Als leidenschaftlicher Sozialdemokrat waren Solidarität, Gerechtigkeit, Feminismus und internationale Verantwortung Werte, denen er sich bis zuletzt mit ganzer Kraft verpflichtet fühlte.“ 

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erschienen in Ausgabe 3 / 2026: Extremes Wetter, mehr Gewalt?
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