„Für Kultur, Klima und eine gemeinsame Zukunft“: Unter diesem Motto feiert München den dreißigsten Geburtstag seiner Partnerschaft mit Harare, der Hauptstadt Simbabwes. Es sind drei Jahrzehnte, die von politischen Turbulenzen im Partnerland, aber auch von Jugend- und Kulturaustausch sowie vielen zivilgesellschaftlichen Kontakten und Begegnungen geprägt sind. Zahlreiche Initiativen sind entstanden und verbinden Menschen in beiden Städten, wie zum Beispiel die Kooperation zwischen Musikgruppen und Galerien sowie Dokumentarfilmern oder Lesungen simbabwischer Autoren in München. „Wir haben ein großes Interesse daran, die Partnerschaft auch nach 30 Jahren weiterzuführen“, sagt Camilla Huys vom Referat für Arbeit und Wirtschaft in der bayerischen Landeshauptstadt.
Das ist nicht selbstverständlich, denn es gab schwierige Jahre. Offiziell besiegelt wurde die Zusammenarbeit 1996, nachdem die größte Oppositionspartei in Simbabwe, Movement for Democratic Change, bei Kommunalwahlen im Stadtrat von Harare die Mehrheit erlangt hatte. Mit viel Enthusiasmus starteten die Stadträte beider Kommunen ein Austausch. Stadträte aus Harare erhielten die Möglichkeit, bei einem 14-tägigen Aufenthalt in München zu beobachten, wie in der bayerischen Landeshauptstadt ein Haushalt aufgestellt wird, wie Kommunalwahlen ablaufen und die politischen Parteien miteinander arbeiten.
Doch die Phase des Aufbruchs währte nicht lange. 1999 wurde der gewählte Bürgermeister von Harare, Elias Mudzuri, wegen Amtsmissbrauchs angeklagt und der Stadtrat aufgelöst. „Der beliebte und kompetente Bürgermeister wurde während des Besuchs einer Münchner Delegation abgesetzt und wegen angeblicher Korruption angeklagt“, erzählt Renate Hechenberger, die damals dabei war. Mudzuri tauchte damals zunächst ab, um einer Verhaftung zu entgehen. Er mischte jedoch weiterhin in der Politik mit und war von 2009 bis 2013 Energieminister in einer Regierung der Nationalen Einheit. Hechenberger war bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 2022 in der Stadt München mit der Städtepartnerschaft befasst und engagiert sich seitdem ehrenamtlich im Arbeitskreis Harare–München–Partnerschaft (HaMuPa). Der Arbeitskreis informiert über die Situation in Harare und will die Kontakte zur Zivilgesellschaft dort vertiefen. Der ebenfalls gegründete Verein München für Harare e.V. sammelt Spenden für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche in Harare.
Unter Mugabe wurde die Politik autokratischer
In Simbabwe wurde die Herrschaft von Robert Mugabe, Präsident von 1987 bis 2017, zusehends autokratischer, geprägt von Repression, Hyperinflation und Korruption. München legte die Zusammenarbeit im Jahr 1999 zunächst für vier Jahre auf Eis und unterbrach die offiziellen Kontakte mit einer kurzen Zwischenphase bis zum Jahr 2008. Die Münchner Stadtverwaltung und zivilgesellschaftliche Organisationen unterstützten in dieser Zeit weiter vor allem simbabwische Menschenrechtler. Die enge Verbindung zur Zivilgesellschaft in Harare hat es letztlich ermöglicht, dass die Partnerschaft weiterging.
Simbabwe ist auch nach der Absetzung Mugabes im Jahr 2017 unter dem derzeitigen Präsidenten Emmerson Mnangagwa von Repression geprägt. Die Partnerschaft München-Harare gewann jedoch nach der Corona-Pandemie wieder an Schwung. Seit 2017 gibt es zudem eine Klimapartnerschaft zwischen beiden Kommunen, und der Austausch von Künstlern wurde wiederbelebt. Mittel aus Fördertöpfen der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt sowie unter anderem vom Entwicklungsministerium für Projekte zur nachhaltigen Mobilität sind bis 2029 garantiert. Unter anderem geht es darum, das Fahrrad als Transportmittel in Harare voranzubringen.
Es werden Mitstreiter für den Arbeitskreis gesucht
Beide Seiten hätten in den dreißig Jahren viel gelernt, sagt Camilla Huys. „München etwa konnte aus Harare lernen, wie man mit geringen Mitteln viel erreichen kann, wie zum Beispiel beim International Bike Day 2024.“ Mit einer großen Veranstaltung hat der amtierende Bürgermeister von Harare, Jacob Mafume, vor zwei Jahren für Fahrradmobilität geworben.
Die Unterstützer von HaMuPa in München wünschen sich nach dreißig Jahren engagierter Solidarität mehr Mitstreiter und kämpfen gegen die Überalterung des Arbeitskreises. HaMuPa sieht manche Projekte der Kommune durchaus kritisch: Die Partnerschaft sei heute von der Zusammenarbeit der Verwaltungen geprägt, kritisiert Robert Franck von HaMuPa. Er wünscht sich, dass die Partnerschaft wieder wie in den Anfangsjahren mehr in die Mitte der Münchner Stadtgesellschaft getragen und dort verankert wird. An den Schulen etwa sei sie kaum bekannt. „Dann könnten die Münchner Bürger wieder mehr von der bunten und lebensfrohen Begeisterung der Menschen in Harare mitbekommen.“

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