„Die neue Freiheit stellte mich vor Herausforderungen“

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Aus Syrien nach Deutschland
Anas Kahal kam 2011 nach seinem Bacherlorabschluss in Damaskus als Kunststudent nach Deutschland, um sich hier weiterzuentwickeln. Zu seiner persönlichen Kunst fand er durch die Freiheit im Studium, aber auch durch den Einfluss der Arabischen Frühlings. Sein sehnlichster Wunsch heute: dass der Krieg und die Gewalt in Syrien aufhören!

Anas Kahal lebt in Freiburg und ist Künstler und Stipendiat der Organisation Support Artists in Exile.

Sie sind in Damaskus geboren, aufgewachsen und haben dort auch Kunst studiert. Wie sind Sie nach Deutschland gekommen?
Dass ich nach meinem Bachelorabschluss 2011 nach Deutschland wollte, hatte keine politischen Gründe – ich wollte mich an der Universität in Karlsruhe künstlerisch weiterentwickeln. Es war aber schon die Zeit des Arabischen Frühlings, und einen Tag, nachdem ich in der deutschen Botschaft mein Visum entgegengenommen hatte, schloss sie. In Deutschland fing für mich ein neues Leben an, künstlerisch und menschlich.

Inwiefern künstlerisch?
In Damaskus war das Kunststudium sehr festgelegt, ich widmete mich vor allem der Malerei, Öl auf Leinwand, und das, was wir malten, gaben uns die Professoren vor, beispielsweise „Hände“ oder eine „Altstadt“. In Karlsruhe war ich schockiert, als mein Professor mich fragte, was ich denn zum Ausdruck bringen wollte und wie. Die neue Freiheit stellte mich vor Herausforderungen, und sie hat mir geholfen, zu meiner persönlichen Kunst zu finden. 

Welche Rolle spielen dabei die Entwicklungen in Syrien?
Ich war anfangs wie gelähmt von den Meldungen, die aus Damaskus kamen, von der Niederschlagung der Protestbewegung, von der Brutalität, vom Krieg. Ich fing an, Videos und Fotos zu den Themen Krieg, Flucht und Verlust aus dem Internet auszuwählen und in Fotoausstellungen und Videoinstallationen neu zu präsentieren. 

Wie eng ist Ihr Kontakt zu Familie und Freunden in Syrien?
Es ist schwierig. Ich war vor drei Jahren zum letzten Mal dort bei meiner Mutter. Ich wünsche mir nichts mehr, als dass der Krieg und die Gewalt aufhören! In Deutschland habe ich inzwischen aber auch eine kleine Familie: Mit meiner Frau, die auch Künstlerin ist und die ich an der Kunstakademie kennengelernt habe, habe ich zwei Kinder. 

Wie sind Sie zu dem Stipendium von ­Support Artists in Exile gekommen?
Ich bin freischaffender Künstler und bewerbe mich ständig um Aufträge und Förderungen. Ich lebe nicht nur von Honoraren für Ausstellungen, sondern gebe auch Videoworkshops, nehme Foto- und Videoaufträge an und habe sogar noch einen Minijob als Barkeeper. Von dem Stipendium habe ich von einer Kollegin erfahren und habe mich gleich beworben. 

Das Gespräch führte Barbara Erbe.

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erschienen in Ausgabe 3 / 2026: Extremes Wetter, mehr Gewalt?
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