Wenn der Pfarrer gegen Familienclans predigt

AFP via Getty Images/TED ALJIBE
Demonstranten, die im November 2025 in Manila gegen Korruption und Amtsmissbrauch protestieren, tragen Gesichtsmasken des philippinischen Präsidenten Ferdinand Marcos jr. und der Vizepräsidentin Sara Duterte. Die Familien Marcos und Duterte sind zwei der Dynastien auf den Philippinen, in denen seit vielen Jahren Macht und politische Ämter vererbt und weitergegeben werden.
Philippinen
Mit einer Unterschriftenaktion will eine Initiative auf den Philippinen ein Gesetz gegen die Bildung politischer Dynastien ins Parlament einbringen. Die katholische Kirche nutzt ihren Einfluss und unterstützt die Kampagne.

Auf den Philippinen haben einige Familien wie die Marcoses, Dutertes oder Aquinos politisch sehr viel Einfluss. Nach Angaben des Philippine Center for Investigative Journalism (PCIJ) dominieren politische Dynastien nicht nur die Präsidentschaftswahlen, sondern auch die Wahlbezirke für den Kongress, die Gruppierungen der Kandidatenlisten von Parteien sowie die Gouverneurswahlen. Anfang 2025 gehörten 113 der 149 Bürgermeister des Landes und vier von fünf Provinzgouverneuren politischen Dynastien. Die Loyalität ihrer Verwandten, die politische Ämter auf anderen Ebenen bekleiden, ist ihnen sicher. Dagegen regt sich jetzt in dem südostasiatischen Inselstaat der Widerstand. 

Seit langem sehen Fachleute im Einfluss dieser politischen Familienclans einen Grund für die weit verbreitete Ungleichheit und für Korruption auf den Philippinen. Wo politische Ämter wie Privateigentum vom Vater an die Tochter oder deren Ehegatten vererbt werden, verkümmern demokratische Kontrollmechanismen. Gelder, die für die Armutsbekämpfung oder die Infrastruktur bestimmt sind, versickern häufig in den Netzwerken der lokalen Eliten, die ihre Vormachtstellung durch den Kauf von Wählerstimmen sichern.

Laut der philippinischen Verfassung von 1987 ist dies eigentlich nicht erlaubt. Doch der philippinische Kongress, in dem mehrheitlich Abgeordnete aus Familiendynastien sitzen, weigert sich seit nunmehr fast vier Jahrzehnten, ein entsprechendes Ausführungsgesetz zu verabschieden.

Eine Volksinitiative braucht sieben Millionen Unterschriften

Allerdings gibt es in der Verfassung auch das Instrument der „People’s Initiative“ (Volksinitiative), das den Bürgern erlaubt, Gesetzentwürfe direkt und ohne Zustimmung des Kongresses einzubringen, wenn sie mindestens zehn Prozent der Wahlberechtigten dafür gewinnen können. Bei aktuell etwa 68,4 Millionen Wahlberechtigten entspricht das knapp sieben Millionen Unterschriften. Dies versucht nun die Kampagne Dapat Isa Lang zu erreichen, was in etwa „Es kann nur eine Person in einem öffentlichen Amt geben“ bedeutet.

Im Mai haben sich dafür Juristen, ehemalige Regierungsbeamte und kirchliche Gruppen zusammengetan und bei einer Auftaktveranstaltung in Quezon City im Norden von Manila die Unterzeichnung der Liste gestartet. Die Organisatoren von Dapat Isa Lang gelobten in einem Manifest, für ein Land zu kämpfen, „in dem keine Familie die Nation als Geisel nimmt“.

Der Gesetzesvorschlag der Initiatoren sieht vor, dass pro Familie bis zum vierten Verwandtschaftsgrad einschließlich Ehepartnern und Lebensgefährten gleichzeitig nur noch eine Person ein öffentliches Amt auf nationaler und eine ein Amt auf lokaler Ebene bekleiden darf. Auch der bisher übliche Postentausch innerhalb von Familien oder die Vererbung von Ämtern an Familienmitglieder soll untersagt werden.

Die katholische Kirche spielt eine zentrale Rolle

Die Hürden für das neue Gesetz sind hoch. Bis Oktober 2026 muss die Initiative die erforderliche Zahl beglaubigter Unterschriften sammeln, zudem müssen in jedem Wahlkreis des Landes mindestens drei Prozent der Wähler unterschreiben, um eine landesweite Unterstützung zu belegen. Wenn das klappt, wird in einem nationalen Referendum über das Gesetz abgestimmt.  

Dapat Isa Lang ist breit aufgestellt. Organisationen wie die von Jesuiten geleitete Organisation Simbahang Lingkod ng Bayan (Kirche im Dienst der Nation) und die Kommission für Bildung der philippinischen Bischofskonferenz treiben die Kampagne aktiv voran.

Der katholischen Kirche kommt eine zentrale Rolle zu. Mehr als 80 Prozent der rund 110 Millionen Einwohner sind katholisch. Und wie keine andere Institution auf den Philippinen hat die Kirche eine große gesellschaftliche Mobilisierungskraft. Die Unterschriftenlisten liegen in allen Kirchengemeinden aus, auf den Kanzeln und in den Gemeinden nutzen Geistliche und geschulte Laien ihre Möglichkeiten, um Fragen der sozialen Gerechtigkeit ins Gespräch zu bringen. Nach den Sonntagsmessen werden Gläubige gezielt angesprochen und aufgeklärt. Tausende katholische Schulen und Universitäten unterstützen die Kampagne.

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Nicht zum ersten Mal nutzt die katholische Kirche auf den Philippinen ihren Einfluss im Widerstand gegen politische Missstände. Erst im Frühjahr hatte sie die Parlamentsabgeordneten aufgefordert, erneut ein Amtsenthebungsverfahren gegen Vize-Präsidentin Sara Duterte zu initiieren, der die Veruntreuung von Geldern und Korruption im großen Stil vorgeworfen werden. Auch fordert die Kirche immer wieder eine Wahrheitskommission, welche die Umstände der Anti-Drogen-Politik von Präsident Rodrigo Duterte klären soll. Im sogenannten Drogenkrieg waren zwischen 2016 und 2022 rund 30.000 Menschen, vor allem aus armen und unterprivilegierten Schichten, ums Leben gekommen. 

Ganz risikofrei ist für die Kirche ihr Engagement nicht. Mächtige Clans versuchen immer wieder, lokale Geistliche durch Spenden für Kirchenbauten oder soziale Projekte zu kaufen und gefügig oder mundtot zu machen. Auch gab es in der Vergangenheit wiederholt Einschüchterungsversuche bis hin zum Mord an drei Priestern zwischen 2017 und 2019.

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