Religionen

Marén Gröschel für welt-sichten

Der Papst ruft zu Umwelt- und Klimaschutz auf, radikale Hinduisten beeinflussen Wahlausgänge in Indien, Kirchen in Afrika wollen Gesetze gegen sexuelle Minderheiten: Religionsgemeinschaften nehmen politisch Einfluss. Weniger sichtbar, aber nicht minder wichtig sind ihre Einsätze für Katastrophenhilfe, gegen Armut und für Frieden.

Aktuell zum Thema

Bnei Menashe
Die israelische Regierung fördert die Umsiedlung von Menschen aus Indien, die sich als Nachfahren eines jüdischen Stammes ver­stehen. Was als Heimkehr verkauft wird, stärkt gezielt den jüdischen Charakter ausgewählter Städte in Israel. Auch im Nordosten Indiens ist das Programm umstritten.
Vier von fünf Menschen auf diesem Planeten sind gläubig. Eine werteorientierte Außenpolitik kommt deshalb an der Religion nicht vorbei, sagt Thomas Rachel, Beauftragter der Bundesregierung für Religionsfreiheit.

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Auf dem Boden kniende Betende in einer prächtigen Moschee.
Tschad
Im Tschad haben die großen Religionsgemeinschaften Ende Juni 2026 für den Dialog zwischen ihnen eine neue Plattform geschaffen. Dass dies auf Betreiben der Regierung geschehen ist, sorgt bei einer Beobachterin für Skepsis.
Mosambik
In der mosambikanischen Provinz Cabo Delgado wollen Dschihadisten anscheinend ein Kalifat errichten. Die Ursachen des Konflikts dort sind lokal. Umstritten ist, wie groß mittlerweile der Einfluss der internationalen Islamistenszene ist.
Sri Lanka
In Sri Lanka wird einem prominenten buddhistischen Mönch sexueller Missbrauch von Minderjährigen vorgeworfen. Nach Angaben der Kinderschutzbehörde ist dies kein Einzelfall, doch nur wenige Geistliche werden zur Rechenschaft gezogen.

Gut zu wissen

Religionen weltweit
Verliert der Glauben an Bedeutung?
In Debatten über wirtschaftliche Entwicklung kommt Religion selten vor. Dabei spielen etwa in Afrika und Südasien Religionsgemeinschaften eine viel größere Rolle im sozialen und politischen Leben als in Europa und Nordamerika. Es ist falsch zu denken, der globale Süden folge einfach einem Säkularisierungstrend in den Industrieländern.

 

Drei Aspekte von Säkularisierung muss man dabei unterscheiden: die Trennung von Staat und Religion, die Zurückdrängung der Religion aus dem sozialen Leben ins Private sowie den Rückgang des persönlichen Glaubens. Befunde zu den Trends sind zwiespältig. 

Umfragen des Pew Research Center haben ergeben, dass sich mit Zunahme des Wohlstands im Schnitt weniger Menschen zu einer Religion bekennen oder sie praktizieren. Aber die Bevölkerung wächst da stark, wo Menschen sehr religiös sind, besonders in Afrika, und schrumpft da, wo viele nicht Religiöse leben – die meisten finden sich in China. Daher schätzt das Pew Center, dass der Anteil der religiös Ungebundenen zwar in Europa und Nordamerika weiter steigen, global aber sinken wird: von etwa 16 Prozent der Weltbevölkerung 2010 auf 13 Prozent 2050. Der Anteil der Christen bleibt danach bei gut 31 Prozent, von denen 2050 ein größerer Teil in Afrika lebt als heute; der Anteil der Hindus bleibt konstant bei etwa 15 Prozent. Der Anteil der Muslime wird laut Pew von 23 auf fast 30 Prozent wachsen.

Auch beim sozialen und politischen Einfluss von Religion beobachtet man widersprüchliche Trends. So sind in vielen muslimischen Ländern und im Sahel, aber auch unter Christen in den USA, in Afrika und Lateinamerika fundamentalistische Strömungen entstanden, die zum Beispiel Frauenrechte oder den Schutz für sexuelle Minderheiten zurückdrängen wollen. Manche Religionsgemeinschaften lassen sich für Wählermobilisierung einspannen und beeinflussen so, wer ein Land regiert, etwa in der Türkei, Brasilien und Indien. Einige legitimieren Gewalttaten oder „heilige Kriege“, andere setzen sich für Frieden ein. Und Regierungen beschränken die Freiheit von Religionsgruppen, die ein Machtfaktor werden könnten – so China und manche Staaten der islamischen Welt, die sich auf den Islam berufen und ihn zugleich ans Gängelband nehmen.

Religionsunterschiede spielen in vielen Konflikten eine Rolle, besonders wo sie mit ethnischen Unterschieden zusammenfallen wie in Nigeria. Zugleich tragen Religionsgemeinschaften oft zur Beilegung solcher Konflikte bei. Sie unterhalten in vielen Entwicklungsländern Krankenhäuser und Schulen. Und religiöse Würdenträger haben aufgrund ihres lokalen Ansehens Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg von Entwicklungsvorhaben und auf den Wandel sozialer Normen, etwa bei Frauenrechten. Nicht zuletzt deshalb versuchen auch staatliche Entwicklungsagenturen, sie einzubinden. Mit dem sozialen Wandel verändert sich die Rolle der Religionsgemeinschaften in Gesellschaft und Politik. Aber sie werden eigenständige Kräfte bleiben.
 

Hintergrund

In allen Religionen ist Frieden ein hoher Wert – auch wenn sich in allen Auslegungen finden, die Gewalt rechtfertigen. Und religiös motivierte Friedensstifter genießen als Vermittler oft besonderes Vertrauen.

Infografik

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In Kenia benutzen Geistliche und Politiker sich gegenseitig für ihre Zwecke. Vertreter der anglikanischen und der katholischen Kirche sehen das kritisch, die Führer jüngerer evangelikaler Kirchen haben weniger Skrupel.

Tipp

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Die US-amerikanische Journalistin Adriana Carranca gibt in ihrem Buch einen fundierten Einblick in die weltweite evangelikale Bewegung und ihre Verflechtungen mit der US-amerikanischen Politik. Und sie zeigt, wie evangelikale Missionare undercover in der islamischen Welt den christlichen Glauben verbreiten wollen.
Titelbild ... wenn man trotzdem lacht
Komik ist subversiv, das wusste schon George Orwell - aber das stimmt nicht immer. In Südafrika stichelt der Karikaturist Zapiro gegen die Mächtigen, in Bangladesch hingegen nutzen islamische Hardliner Humor als Waffe. In São Paulo in Brasilien helfen Clowns Drogenabhängigen, in Nepal gedenken die Menschen am Gai Jatra-Fest lachend ihrer Toten. Und unsere Korrespondenten aus aller Welt erzählen ihre Lieblingswitze.
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Die Menschenrechte gelten für alle. In der Praxis aber werden sie von repressiven Regierungen oder durch entwürdigende Lebensumstände immer wieder verletzt. Debattiert wird zudem, ob die Menschenrechte in verschiedenen Kulturen Verschiedenes bedeuten und ob politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Menschenrechten gleich wichtig sind. Und überall müssen Menschen für die Verwirklichung ihrer Rechte kämpfen.

Seit einigen Jahren steigt der Anteil der Hungernden an der Weltbevölkerung wieder. Dabei werden genug Lebensmittel weltweit produziert, aber vielen Menschen fehlt es am Zugang zu Nahrung - vor allem dort, wo Krieg herrscht. Derweil streiten Fachleute über die Zukunft der Landwirtschaft: Die industrielle Produktion von Lebensmitteln verursacht gravierende Umweltschäden, aber kann die Agrarökologie alle satt machen?

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