Ernährung und Landwirtschaft

Seit einigen Jahren steigt der Anteil der Hungernden an der Weltbevölkerung wieder. Dabei werden genug Lebensmittel weltweit produziert, aber vielen Menschen fehlt es am Zugang zu Nahrung - vor allem dort, wo Krieg herrscht. Derweil streiten Fachleute über die Zukunft der Landwirtschaft: Die industrielle Produktion von Lebensmitteln verursacht gravierende Umweltschäden, aber kann die Agrarökologie alle satt machen?

Aktuell zum Thema

Ecuador
Im Süden Ecuadors liegt eins der wenigen Gebiete, in denen Bauernfamilien von einer Landreform profitiert haben. Doch jetzt verlieren viele ihr Land wieder. Dabei spielen Korruption und Drogenbanden eine Rolle.
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Schweiz-Malaysia
Der Schweizer Ständerat hat das Freihandelsabkommen zwischen den EFTA-Staaten und Malaysia gutgeheißen. Fachleute und NGO-Vertreterinnen kritisieren es aber scharf.
Fairer Handel
Die Neuregelungen der EU-Bioverordnung schaden Kleinbauern im globalen Süden, meint Claudia Brück, Fairtrade Vorständin für Kommunikation und Politik.

Gut zu wissen

Streitfall Grüne Gentechnik
Fluch oder Segen – oder keins von beidem?
Kann die Gentechnik dazu beitragen, den Hunger in der Welt zu bekämpfen? Nein, antworten Kritiker etwa aus Hilfsorganisationen wie Brot für die Welt und Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace. Andere Fachleute indes setzen auf neue Techniken wie die Gen-Schere. Davon, so die Hoffnung, könnten auch Kleinbauern etwa in Afrika profitieren.

Kann die Gentechnik dazu beitragen, den Hunger in der Welt zu bekämpfen? Oder wenigstens die Lage von Bauern im globalen Süden verbessern helfen? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Nein, antworten Kritiker etwa aus Hilfsorganisationen wie Brot für die Welt und Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace. Für sie ist erwiesen, dass gentechnisch verändertes Saatgut lediglich das Modell einer aus ihrer Sicht zerstörerischen industrialisierten Landwirtschaft zementiert und fette Profite in die Kassen der Agrarkonzerne spült. 

Und sie liegen nicht falsch damit: Seit vor gut zwanzig Jahren die ersten genveränderten Pflanzen wie insektenresistente Baumwolle und pestizidtoleranter Mais auf den Markt kamen, wurden sie vor allem in großen Monokulturen in Nord- und Südamerika angepflanzt, genveränderte Baumwolle auch in China und in Indien. Profitiert haben davon große Agrarkonzerne und Saatguthersteller wie Monsanto, das seit 2018 zum Bayer-Konzern gehört. 

Diese alte Gentechnik, bei der artfremdes Erbgut in eine Pflanze eingebaut wird, um bestimmte Merkmale wie Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge zu erzeugen, hat nicht zur Reduzierung von Hunger und Armut beigetragen; in Afrika spielt genverändertes Saatgut außer in Südafrika praktisch keine Rolle. Auch entwicklungspolitisch ausgerichtete Projekte wie der mit Vitamin A angereicherte Goldene Reis, an dem seit mehr als zwanzig Jahren geforscht wird, haben bislang vor allem viel Geld gekostet. Sie haben aber nicht geholfen, die Ernährung in ärmeren Ländern zu verbessern.

Doch das könnte sich mit den neuen gentechnischen Werkzeugen wie der Gen-Schere ändern. Hier wird kein artfremdes Erbgut gebraucht, sondern das Genmaterial einer Pflanze gezielt so verändert, dass eine bestimmte Eigenschaft verstärkt oder beseitigt wird. Diese Technik ist viel einfacher und billiger als die bisherigen Verfahren. Fachleute sehen in der Gen-Schere deshalb großes Potenzial auch für kleine Saatguthersteller und öffentliche Forschungsstellen. Davon, so die Hoffnung, könnten auch Kleinbauern etwa in Afrika profitieren, die Pflanzen brauchen, die besser mit Trockenheit oder Schädlingen zurechtkommen. So arbeiten Forscher in Kenia bereits mit der Gen-Schere an einer Hirsesorte (Sorghum), die widerstandsfähig gegen eine in Afrika verbreitete Schädlingspflanze sein soll.

Hintergrund

In Vietnam wird vor allem Robusta-Kaffee angebaut, der als weniger schmackhaft gilt als Arabica. Doch den anzubauen, wird mit dem Klimawandel schwieriger. Kaffeebauern in Vietnam versuchen es nun mit hochwertigem Robusta – ein zukunftsweisender Weg.

Infografik

Wo bewässertes Agrarland liegt

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Tipp

Fünf Jahre sind noch Zeit, die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Einem davon, der Überwindung von Hunger, widmet sich ein internationales Forscherteam der London School of Economics mit Fokus auf Afrika.
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Titelbild Die dritte Gewalt
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