Geistliche würzen in Bangladesch ihre Predigten oft mit Witzen, um sich mit ihren Anhängern und Zuhörern zu verbinden. Ghiyas Uddin At-Taheri ist eine der bekanntesten Stimmen der zeitgenössischen bangladeschischen Predigtkunst und für seinen Humor berühmt. So fragt er manchmal beiläufig, ob es ein Gebet für das Rauchen gebe. Oder er lädt die Zuhörer zum gemeinsamen Teetrinken ein – Gesten, die ihn nahbar und menschlich erscheinen lassen.
Islamische Gelehrte und Kritiker verurteilen seine theatralischen, unkonventionellen Auftritte scharf. Um öffentliche Unruhen und Zusammenstöße zwischen Taheris Anhängern und konservativen Kritikern zu verhindern, haben lokale Behörden seine Veranstaltungen in bestimmten Bezirken vorübergehend verboten.
Religiöse Hardliner wiederum, wahhabitische Geistliche etwa, machen den Humor zu einer Waffe, verspotten die Kleidung von Frauen, machen derbe Bemerkungen und verwandeln Predigten in öffentliche Demütigungen.
Prediger punkten mit parodistischen Liedern und Pointen
Der Karikaturist Mehedi Haque hat diesen Wandel genau beobachtet. „Religiöse Führer nutzen Humor, um nahbar zu wirken, und machen ihn so zu einem Instrument der Autorität statt des Widerstands.“ In den 1980er und 1990er Jahren ersetzten Waz Mahfils – große öffentliche Predigtversammlungen in Dörfern, in denen Prediger religiöse Lehren mit Humor und Gesang vermischen – traditionelle Unterhaltungsformate wie Jatra (Volkstheater, das Drama, Musik und komische Einlagen verbindet) und Puthi Path (Rezitationen aus langen Schriftrollen, die religiöse Themen mit volkstümlichem Humor vermischen). Prediger zogen bei den Waz Mahfils mit parodistischen Liedern und Pointen die Massen an.
Extremismus, so warnt Haque, gedeihe als profitables Produkt, schränke die kulturelle Vielfalt ein und lösche spielerische Traditionen aus.
Übersetzung des Comics
Erstes Bild: Mann: „Hey Junge, wie ist dein Name?“
Junge: „Mein Name ist Babu.“
Zweites Bild: Mann: „Vor deinem Namen musst du ‚Mohammad‘ sagen.“
Drittes Bild ...
Ein Mohammed-Witz mit Folgen
Was ganz anderes ist es, wenn Humor von außerhalb religiöser Autoritäten kommt. Die Kontroverse um Karikaturen in der Tageszeitung „Prothom Alo“ im Jahr 2007 begann, als dort in einer wöchentlichen satirischen Beilage ein Comicstrip mit dem Titel „Name“ (Naam) des Karikaturisten Arifur Rahman erschien. Der aus vier Bildern bestehende Comic zeigt einen Dialog zwischen einem älteren Mann und einem kleinen Jungen, der eine Katze im Arm hält, und macht sich über eine islamische Tradition zur Namensgebung lustig. Im Comic ermahnt der Mann den Jungen, dass Muslime aus Respekt Namen immer mit „Mohammed“ beginnen müssen. Der Junge nimmt diese Regel wörtlich und erklärt, der Name seines Vaters sei „Mohammed Abu“. Im letzten Bild, auf dem der Mann auf die Katze zeigt und fragt, was das sei, antwortet der Junge: „Mohammed Katze“.
Dieser Witz löste heftige Reaktionen islamischer Gruppen und Geistlicher in ganz Bangladesch aus; sie empfanden es als Beleidigung, den Namen des Propheten auf ein Haustier zu übertragen. Die öffentliche Empörung führte zu heftigen Straßenprotesten im ganzen Land; Puppen, die den Chefredakteur der Zeitung darstellten, wurden verbrannt. Die Behörden schlossen das Beilagenmagazin endgültig und verhafteten den Karikaturisten. Als Ersatz brachte die Zeitung später eine neue Humorbeilage heraus, die viel strenger redaktionell kontrolliert wurde, um weitere anstößige Inhalte zu verhindern.
Sharier Khan, langjähriger Satiriker und Chefredakteur bei der Tageszeitung „The Business Standard“, fasst die Stimmung damals so zusammen: „Karikaturen waren einfach nur Karikaturen, aber plötzlich wurden sie gefährlich.“ Was einst spielerischer Kommentar war, läuft seither Gefahr, nicht nur von Geistlichen abgelehnt zu werden, sondern auch den Verdacht der breiten Öffentlichkeit auf sich zu ziehen. Redakteure meiden heikle Satire, anstößige Anzeigen werden zurückgezogen, und Karikaturisten droht Gefängnis. „Humor verbiegt sich, Religion widersteht“, stellt Khan fest. Satire kann nur überleben, indem sie Kritik verschleiert, heilige Figuren meidet und sich der Ehrfurcht beugt.
Das war nicht immer so. Traditionelle Formen wie Jatra, das ausgelassene Straßentheater in den Dörfern, und Pala Gaan, das musikalische Geschichtenerzählen, das oft auf religiösen oder moralischen Erzählungen basierte, enthielten komische Einlagen, die sich über Geistliche oder Mythen lustig machten. Der Sozialpsychologe Sirajul Hossain erinnert sich an eine freiere Zeit: „Vor dreißig oder vierzig Jahren kursierten Witze über Geistliche, den Himmel oder religiöse Symbole ganz offen.“
Politik und Gewalt änderten das. Die Militärregierung der Jahre 2007/2008 unterband Darstellungen des Militärs und schränkte die Satire ein. Als das Kriegsverbrechertribunal zur Aufarbeitung von Gräueltaten und Völkermord während des Befreiungskrieges 1971 im Jahr 2010 seine Arbeit aufnahm, führte das zu Konflikten zwischen der größten islamistischen Partei des Landes Jamaat-e-Islami und der sogenannten Shahbagh-Protestbewegung. Diese forderte die Hinrichtung hochrangiger Jamaat-Führer, die wegen Kriegsverbrechen von 1971 verurteilt worden waren, sowie ein Parteiverbot. Islamisten werteten das als Versuch säkularer Kräfte, den politischen Islam aus Bangladesch zu verbannen.
Autorin
Raffat Binte Rashid
ist Redakteurin bei „The Daily Star“, der größten englischsprachigen Tageszeitung in Bangladesch, und Chefredakteurin einer Wochenbeilage der Zeitung.Der Anschlag auf das Café Holey Artisan Bakery in Dhaka im Jahr 2016, bei dem islamistische Extremisten 22 Menschen töteten, markierte einen Wendepunkt, da Fundamentalisten Gewalt gegen säkulare Stimmen einsetzten. Diese Ereignisse politisierten den Humor, beraubten ihn seiner Verspieltheit und machten ihn zu einem umkämpften Terrain. „Stress, Unsicherheit und Politisierung haben den Raum für Lachen eingeengt“, sagt Hossain. „Humor, einst ein gesundes Ventil, wurde polarisiert.“
Humor als Mittel der Radikalisierung
Heute radikalisieren Leute wie Pinaki Bhattacharya und Elias Hossain die öffentliche Meinung im digitalen Raum in Bangladesch. Bhattacharya, ein Kommentator und Youtuber, ist dafür bekannt, antiindische und antihinduistische Narrative im Netz zu verbreiten. Journalist und Social-Media-Aktivist Elias Hossain verstärkt islamistische Rhetorik und Verschwörungstheorien. Humor spielt bei beiden eine zentrale Rolle; sie knüpfen an die Tradition des Waz Mahfil an, mischen religiöse Lehren mit Witzen und Satire und locken so Menschenmengen an.
Das Internet hat eine zweischneidige Wirkung. Einerseits haben die sozialen Medien den Humor wiederbelebt, indem sie jungen Leuten neue Räume bieten, um Witze, Satire und Memes zu verbreiten. Internetseiten wie Hojoborolo („Unfug“), Dhormockery („Religionsspott“) und Moja Loss („Verlorener Spaß“) blühten Anfang der 2010er Jahre auf und boten verschlüsselte Kritik an Geistlichen und der Politik.
Satiriker haben mit restriktiveren Gesetzen zu kämpfen
Andererseits verschärft das Netz auch Risiken; die Urheber dieser verschlüsselten Kritik sahen sich Trollkampagnen und polizeilichen Ermittlungen ausgesetzt. Um Figuren sofort erkennbar zu machen, greifen Karikaturisten häufig auf universelle kulturelle und religiöse Symbole zurück – wie Bart, Turban oder Tupi für Muslime oder eine traditionelle Ikonografie für Hindus. Karikaturist Mehedi Haque sagt, dass das riskant ist, weil gewöhnliche gläubige Menschen dieselben visuellen Merkmale aufweisen wie Extremisten. Das birgt das Risiko, dass ein uninformiertes Publikum die Satire falsch interpretiert und unbeabsichtigt eine ganze Gemeinschaft beleidigt sieht statt nur das gemeinte Ziel.
Mehedi Haque fügt hinzu, dass satirische Künstler in Bangladesch sich in einem restriktiven rechtlichen Umfeld zurechtfinden müssen. Die umstrittensten Einschränkungen ergeben sich aus dem Cybersicherheitsgesetz von 2023, das den fünf Jahre zuvor geschaffenen Digital Security Act abgelöst hat. Dieser wurde von Journalisten und Menschenrechtsgruppen heftig kritisiert, er schränke die Meinungsfreiheit ein und wolle politische Dissidenten zum Schweigen bringen.
Soziale Medien: Rettungsleine und Falle zugleich
Um in diesem Umfeld zu überleben, haben Online-Communitys eine verschlüsselte Sprache entwickelt: Spitznamen wie „Uganda“ oder „Du weißt schon, wer“ stehen stellvertretend für religiöse Persönlichkeiten oder politische Führer und ermöglichen so den Austausch von Humor, ohne Zensur oder Gewalt auszulösen. Doch auch Extremisten haben schnell dazugelernt. Nach dem Anschlag auf das Café Holey Artisan Bakery vor zehn Jahren haben sie über Facebook und Youtube Predigten verbreitet und Anhänger rekrutiert, wobei Witze, Memes und religiöse Rhetorik zu Propaganda vermischt wurden.
Soziale Medien wurden also sowohl zur Rettungsleine als auch zur Falle. Sie haben den Humor demokratisiert, indem sie ihn über Klassengrenzen hinweg zugänglich machten, setzen die Urheber jedoch gleichzeitig der Überwachung, Belästigung und der Instrumentalisierung durch Extremisten aus.
Der Journalist und Schriftsteller Simu Naser, der 2017 Bangladeschs beliebteste digitale Satireplattform eArki.com gegründet hat, zeichnet die Widerstandsfähigkeit des Humors über Generationen hinweg nach. In den 1980er und 1990er Jahren lachte das Publikum mit Hanif Sanket, einem Komiker und Fernsehmoderator, dessen Kassetten mit Sketchen in Haushalten weit verbreitet waren. Sanket schuf später „Ityadi“ („Etcetera“), eine satirische Fernsehsendung, die Comedy mit gesellschaftskritischen Kommentaren verband, die zu einer nationalen Institution wurde und bis heute ausgestrahlt wird. Humor hat sich also an verschiedene Medien – Kassette, Fernsehen und Film – angepasst und dabei seine Fähigkeit behalten, den Kontakt zu den einfachen Menschen herzustellen.
Die Wahrnehmung und Akzeptanz von Humor ändern sich
Für Naser beweist diese Kontinuität, dass Humor tief im Leben Bangladeschs verwurzelt ist. „Letztendlich“, erklärte er, „kann man über jedes Thema Witze machen, aber die Konsequenzen hängen von der Bereitschaft des Publikums ab.“ Humor halte sich hartnäckig, doch ob er auf Akzeptanz stößt, hänge davon ab, wer den Witz erzählt, wie er verpackt wird und ob die Gesellschaft bereit ist, darüber zu lachen.
Ein Witz über Politik mag in der einen Epoche toleriert werden, in einer anderen jedoch bestraft. Eine scherzhafte Bemerkung in einer Predigt mag akzeptiert werden, während derselbe Witz in einer Zeitungskarikatur als Blasphemie verurteilt wird. Die Bereitschaft des Publikums – geprägt von der gesellschaftlichen Stimmung, dem politischen Klima und von religiösen Autoritäten – entscheidet darüber, ob Humor als harmlose Unterhaltung oder als gefährliche Provokation wahrgenommen wird.
Der Forscher Ashikur Rahman sagt, Memes funktionierten ähnlich wie die Idee der „kulturellen Gene“ des britischen Biologen Richard Dawkins: winzige Informationspakete, die sich schnell vermehren und verbreiten. Anstelle langer Essays oder Bücher verdichtet ein Meme eine komplexe Idee zu einem einzigen Bild oder einem kurzen Satz, der sofort verstanden und geteilt werden kann. Das macht sie besonders attraktiv für jüngere Generationen, die Informationen visuell und schnell aufnehmen.
Früher waren Humor und Satire den Intellektuellen und Eliten vorbehalten. Heute können Jugendliche, Kinder und Erwachsene in abgelegenen Dörfern – unabhängig von ihrem Hintergrund und mit begrenzter oder gar keiner Bildung und kultureller Prägung – online auf Memes zugreifen. Selbst wenn sie diese nicht sofort verstehen, lernen sie durch den Kontext und die Kommentare dazu. Rahman warnt jedoch davor, dass derselbe Mechanismus Falschinformationen genauso leicht verbreiten kann wie Satire, was Memes zu einem zweischneidigen Schwert macht.
Sich das Lachen über sich selbst zurückerobern
Die Zukunft von Humor und Religion in Bangladesch hängt davon ab, ob die Gesellschaft das Lachen wieder als Mittel der Verbindung zurückgewinnen kann oder ob es weiter als Waffe missbraucht wird. Sozialpsychologe Hossain erinnert daran, dass Humor psychische Gesundheit erfordert: eine Gesellschaft, die selbstbewusst genug ist, über sich selbst zu lachen. „Stress, Unsicherheit und mangelndes Selbstwertgefühl untergraben diese Fähigkeit.“
Um Spannungen abzubauen, müsse der „weiße Humor“ in Predigten wiederbelebt werden – harmlos, selbstironisch, inklusiv. Zudem müsse die Religion zu ihrer philosophischen Tiefe zurückfinden, statt bloß politisierte Hülle zu sein. Und es müsse die digitale Kompetenz gestärkt werden, damit Satire von Falschinformationen unterschieden werden kann. Die Wiederbelebung spielerischer Traditionen wie Jatra und Pala Gaan könnte Humor als Teil des Alltags normalisieren, anstatt ihn als politische Waffe zu betrachten.
„Satire ohne Humor ist wie Kochen ohne Salz“, sagt Karikaturist Mehedi Haque. Und Ashikur Rahman meint: „Die Zukunft hängt davon ab, ob Humor Offenheit fördert oder Intoleranz verfestigt.“ Die Aufgabe, vor der Bangladesch steht, besteht darin, das Salz zurückzubringen – ohne Bitterkeit –, damit das Lachen wieder allen gehören kann.
Aus dem Englischen von Tillmann Elliesen.
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