In Ihren jüngeren Arbeiten taucht immer wieder Donald Trump auf. Warum befasst ein südafrikanischer Karikaturist sich mit einem US-Präsidenten?
Trump ist in Südafrika zu einem derart dominanten Thema geworden, dass er fast alles andere überschattet. Schon George W. Bush war für Karikaturisten eine ergiebige Figur, aber Trump betrifft Südafrika heute ganz direkt. Diese absurde Erzählung vom angeblichen „Völkermord an Weißen“ in Südafrika ist plötzlich Teil der amerikanischen Debatte geworden. Elon Musk, der selbst aus Südafrika stammt, hat dabei eine wichtige Rolle gespielt. Trump hat diese Narrative übernommen und weiterverbreitet.
Vorher waren Ihre Arbeiten vor allem auf die südafrikanische Innenpolitik gerichtet, oder? Präsident Jacob Zuma hat Sie gleich zweimal unter riesigem Medienecho verklagt und beide Prozesse verloren.
Die Jahre, in denen Zuma Präsident war, 2009 bis 2018, waren bislang die intensivsten meiner gesamten Karriere. Ich produzierte damals um die sechs Cartoons pro Woche. Ich zeichnete den Präsidenten mit einer am Kopf angewachsenen Dusche, nachdem er in einem Gerichtsprozess wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung ausgesagt hatte, er habe nach dem Sex geduscht, um das Ansteckungsrisiko mit HIV zu verringern. Während der Proteste gegen Zuma begannen Menschen plötzlich, Duschköpfe auf ihren Köpfen zu tragen – als Symbol des Widerstands. Das war schon surreal. Cartoons standen damals viel stärker im Zentrum der öffentlichen Debatte. Die Leute schnitten sie aus Zeitungen aus, hängten sie in Büros oder an Kühlschränke. Politiker reagierten darauf. Aktivisten verwendeten sie auf Plakaten. Es war eine völlig andere Zeit.
Warum hat sich das so verändert?
Politische Cartoons konkurrieren heute mit Memes, Tiktok-Videos, Podcasts und Künstlicher Intelligenz. Memes entstehen oft schneller als Cartoons. Gleichzeitig verlieren viele Medienhäuser stark Werbeeinnahmen. Wenn gespart wird, trifft es meist zuerst Meinungsseiten, Kultur und Cartoons. Politische Satire verschwindet nicht – es gibt beispielsweise derzeit sehr lustiges Material aus dem Iran –, aber ihre Form verändert sich radikal. Vor allem ist es heute sehr schwierig geworden, mit dieser Kunstform seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das gilt besonders in Ländern wie Kenia oder Tansania, die eigentlich eine lange Tradition hervorragender Karikaturisten haben.
Cartoonisten stehen in vielen Teilen Afrikas unter politischem Druck. Wie sehen Sie die Situation in Südafrika?
Nach dem Ende der Apartheid entstand in Südafrika eine bemerkenswert robuste Kultur der Pressefreiheit. In vielen anderen afrikanischen Ländern arbeiten Karikaturisten unter wesentlich schwierigeren Bedingungen. Cartoons können Dinge ausdrücken, die Menschen sich oft nicht trauen, offen auszusprechen. Ich persönlich befand mich nach der Freilassung Nelson Mandelas 1990 zunächst in einem merkwürdigen Vakuum. Während der Apartheid war ich klar Teil der Anti-Apartheid-Bewegung. Doch als die Wahlen von 1994 näher rückten, wollte ich Kommentator werden – Teil eines demokratischen Systems von Kontrolle und Rechenschaftspflicht. Ich unterstützte das demokratische Projekt Südafrikas, aber nicht unkritisch. Schon in den Mandela-Jahren zeichnete ich Cartoons, die auf Widersprüche und Probleme hinwiesen.
Gerieten Sie später auch von anderer Seite unter Druck?
Ja. 2016 veröffentlichte ich Cartoons über die Zerstörung der südafrikanischen Steuerbehörde SARS. Diese Cartoons widersprachen der politischen Linie meiner Zeitung. Man verlangte von mir, eine Zeichnung zu verändern. Ich weigerte mich. Am Ende wurde sie zwar veröffentlicht, aber kurz darauf wurde ich nach zwanzig Jahren mehr oder weniger hinausgedrängt. So zwang mich eine Chefredakteurin zu einer einwöchigen „Denkpause“, weil sie meinte, ich sei problematisch geworden. Ich wiederum hielt sie für übertrieben politisch korrekt. Einige Zeit später verließ ich die Zeitung freiwillig, weil mich die ganze Angelegenheit verärgert hatte.
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Haben sich Ihre Grenzen des Humors im Laufe der Jahre verändert?
Früher hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass es überhaupt keine Grenzen gibt. Heute sehe ich das etwas differenzierter. Ich versuche noch konsequenter, nach oben zu treten, nicht nach unten. Wenn eine Metapher Menschen unnötig verletzt oder von dem eigentlichen Punkt ablenkt, den ich machen möchte, suche ich möglicherweise nach einem anderen Weg. Das bedeutet nicht, dass ich meine Haltung ändere. Aber ich denke stärker darüber nach, wie ich sie ausdrücke.
2010 veröffentlichten Sie im „Mail & Guardian“ eine Zeichnung, die den Propheten Mohammed auf einer Psychiatercouch zeigte. Die Pointe lautete sinngemäß: „Andere Propheten haben Anhänger mit Humor.“ Welche Folgen hatte das?
Damals erhielt ich sechs Todesdrohungen. Die Polizei konnte drei Personen identifizieren. Ich wollte aber keine Strafverfolgung oder Anklage. Mir war nur wichtig, dass diese Menschen erfuhren: Die Behörden wissen, wer ihr seid. Interessanterweise hatte ich vor den Mohammed-Karikaturen ein relativ großes muslimisches Publikum in Südafrika. Viele Muslime schätzten meine Haltung zum Irakkrieg oder zu Israel und Palästina. Nach den Karikaturen änderte sich das für einige Zeit. Inzwischen habe ich allerdings wieder viel Unterstützung von Muslimen zurückgewonnen – vor allem wegen meiner propalästinensischen Haltung im Zusammenhang mit dem Gazakrieg.
Einmal wurden Sie sogar körperlich angegriffen, oder?
Ja, während der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Kapstadt. Ein Türsteher schlug mich auf offener Straße zusammen. Hintergrund war vermutlich nicht nur die Mohammed-Karikatur, sondern auch ein Cartoon, den ich am Tag zuvor veröffentlicht hatte. Darin zeigte ich einen Fußballspieler nach einem absichtlichen Handspiel mit amputierter Hand und der Bildunterschrift: „Wenn die FIFA die Scharia-Gesetzgebung anwenden würde.“ Ich meldete den Angriff damals nicht bei der Polizei, weil ich nicht wollte, dass daraus während der Weltmeisterschaft eine internationale Mediengeschichte würde.
Wie haben Sie den Terroranschlag auf Charlie Hebdo in Paris erlebt, bei dem befreundete Kollegen starben?
Das hat mich tief erschüttert. Kurz darauf war ich zu einer Konferenz über Meinungsfreiheit in Nairobi eingeladen. Nach mehreren islamistischen Anschlägen in Kenia sagte ich die Reise allerdings ab, weil die Sicherheitsvorkehrungen in meiner Unterkunft unzureichend waren. Später fingen südafrikanische Ermittler Kommunikationen zwischen Islamisten in Südafrika und Kenia ab. Daraus ging hervor, dass ich zum Zeitpunkt der Konferenz als „legitimes Anschlagsziel“ betrachtet wurde.
Würden Sie heute noch einmal eine Mohammed-Karikatur zeichnen?
Ich glaube weiterhin an die Meinungsfreiheit. Aber ich würde es heute nicht mehr aus reiner Provokation tun. Gleichzeitig sage ich niemals nie. Entwicklungen können einen an einen Punkt bringen, an dem man Dinge zeichnet, die man sich zuvor selbst nicht hätte vorstellen können.
Gilt das auch für einige Ihrer Cartoons zum Gazakrieg, in denen Sie Benjamin Netanjahu sogar mit Nazis vergleichen?
Ja. Einige Besucher meiner Vorträge in Johannesburg sind deswegen sogar aufgestanden und gegangen. Aber ich stehe dazu. Ich habe mir diese Vergleiche sehr sorgfältig überlegt. Gerade weil meine Mutter als jüdisches Kind vor den Nazis aus Deutschland fliehen musste, nehme ich historische Vergleiche sehr ernst.
Können politische Cartoons heute überhaupt noch dieselbe Bedeutung entfalten wie früher?
Wahrscheinlich nicht mehr auf dieselbe Weise. Früher hatte ich das Gefühl, gleichzeitig mit einem großen Teil Südafrikas in einem gemeinsamen Gespräch zu stehen. Heute bewegen sich die Menschen viel stärker in ihren eigenen digitalen Räumen. Und ich bin skeptisch, ob die neuen Formate dieselbe Tiefe erreichen werden. Dennoch glaube ich, dass Satire immer Wege finden wird, Macht herauszufordern. Nur die Bühne hat sich verändert.
Das Gespräch führte Christian Putsch.
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