Gegen sechs Uhr morgens beginnt rund um Accra der morgendliche Berufsverkehr – lange bevor die Sonne richtig aufgegangen ist. An der Busstation Amasaman, einem belebten Vorort am Rande der Stadt, warten Hunderte Pendler auf einen Bus zur Arbeit, zur Schule oder zum zentralen Geschäftsviertel. Nervös treten sie von einem Fuß auf den anderen. Sobald ein Minibus (meist des privaten Anbieters Trotro) einfährt, oft noch bevor er überhaupt anhält, drängeln die Menschen auf ihn zu, um sich einen Platz zu sichern. Das Ganze ist zu einem täglichen Ritual geworden, das die Leute erschöpft.
Moses Annin ist vor mehr als anderthalb Stunden angekommen, hat es aber immer noch nicht in einen Bus geschafft. „Ich bin extra früh aufgestanden“, sagt er. „Aber ich bin immer noch hier. Ich werde zu spät zu der Bank kommen, bei der ich arbeite.“ Stress und Angst stehen ihm ins Gesicht geschrieben.
Müde Schüler kommen ständig zu spät zum Unterricht
Unter den Wartenden sind auch Schülerinnen und Schüler mit müden Gesichtern. Viele kommen fast jeden Tag zu spät zur Schule, obwohl sie lange vor Sonnenaufgang aufstehen. „Die bestrafen uns manchmal“, sagt die Gymnasiastin Janet Amedome. „Aber ich stehe um vier Uhr morgens auf und komme trotzdem zu spät zur Schule.
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Abends sieht es am Kwame Nkrumah Circle, einem der verkehrsreichsten Knotenpunkte Accras, ähnlich aus. Lange Schlangen bilden sich um die Busterminals, die Menschen versuchen nach ihrem Arbeits- oder Schultag verzweifelt, nach Hause zu kommen. Eine Passagierin erzählt, sie habe in dem abendlichen Chaos ihr Handy verloren. „Ich habe es fallen lassen, als ich in den Bus gedrängt wurde. Als ich es merkte, war es schon zu spät.“
Auch die Trotro-Fahrer kämpfen mit Schwierigkeiten
Die Verkehrsprobleme in Accra sind nicht neu. Seit Jahrzehnten kämpft die Stadt mit einem unzureichenden öffentlichen Verkehrssystem für mittlerweile mehr als drei Millionen Menschen. Da längst nicht genug staatliche Busse zur Verfügung stehen, sind die Einwohner vor allem auf private Betreiber angewiesen. Auch die Trotro-Fahrer haben mit Schwierigkeiten zu kämpfen: „Die Straßen sind schlecht, und es ist teuer, das Auto am Laufen zu halten“, sagt ein Fahrer. „Selbst wenn wir die Fahrpreise erhöhen, können wir uns kaum halten.“ Zwar besitzen auch einige Menschen Privatautos, aber den meisten fehlt das Geld dafür.
Die Regierung erklärt, sie fördere private Investitionen in weitere Busse. „Wir möchten, dass der private Sektor mehr Busse einsetzt, insbesondere während der Stoßzeiten“, sagt Ghanas Verkehrsminister Joseph Bukari Nikpe. Helfen soll beispielsweise eine geplante Senkung der Steuern auf die Einfuhr von Fahrzeugen und die Begrenzung der Preise für Ersatzteile und Kraftstoff.
Nationale Verkehrsstrategie erforderlich
Fachleute wie Titus Beyuo, Parlamentsmitglied für den Wahlkreis Lambussie, betonen jedoch, dass Ghana eine umfassende nationale Verkehrsstrategie statt Einzelmaßnahmen benötigt. „Dieses Problem spiegelt unseren Mangel an Planung und Engagement bei der Bewältigung der Herausforderungen im Verkehrsbereich wider.“ Vertreter der Stadtverwaltung von Accra erklären, langfristige Maßnahmen seien in Vorbereitung. „Die Regierung führt Elektrobusse ein“, sagt Accras Bürgermeister Michael Kpakpo Allotey. Strom sei günstiger als Benzin. „Wir starten das erste öffentliche Transportsystem in Accra mit günstigeren Fahrpreisen.“
Derlei Initiativen erfordern jedoch Zeit und hohe Investitionen. In der Zwischenzeit stehen Pendler weiterhin vor Sonnenaufgang auf, warten in langen Schlangen und kämpfen um Plätze in der Hoffnung, dass sich der tägliche Kampf, von A nach B zu kommen, in Accra endlich entspannt.
Aus dem Englischen von Barbara Erbe.
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