BMZ
Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) leitet die im Entwicklungsministerium (BMZ) angesiedelte Nord-Süd-Kommission. Seine Stellvertreterin ist die ehemalige Präsidentin von Costa Rica, Laura Chinchilla. Die übrigen Kommissionsmitglieder müssen noch benannt werden.
Terre des Hommes
Esther Lisa Rüden ist die neue Pressesprecherin und Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des Kinderhilfswerks Terre des Hommes. Sie folgt auf Wolf-Christian Ramm, der nach 35-jähriger Tätigkeit bei der Organisation in den Ruhestand geht.
Jens Martens ist tot
Es war Anfang der 1990er Jahre, ich war Student der Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Nord-Süd-Politik, als ich Jens Martens das erste Mal begegnete, vermutlich bei irgendeiner Veranstaltung rund um die UN-Konferenz zu Umwelt und nachhaltiger Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro. Die folgenden gut dreißig Jahre bin ich ihm als entwicklungspolitischer Journalist und Redakteur dann immer wieder begegnet – oder besser: habe ich den Kontakt zu ihm gesucht, wenn ich Informationen und kluge Einschätzungen zur internationalen Politik nachhaltiger Entwicklung und vor allem zur Rolle der Vereinten Nationen brauchte. Es gab wenige, die sich hier genauso gut oder gar besser auskannten als Jens Martens. Und vor allem gab es niemanden, der dabei trotzdem so uneitel war wie er. Dem es engagiert und leidenschaftlich um die Sache ging und nicht um sich selbst.
Jens Martens studierte Volkswirtschaft und Politologie, gründete 1992 mit anderen die Organisation Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung (Weed), dessen Vorstandsmitglied er bis 2004 war. Danach baute er das Global Policy Forum Europe mit auf und war bis zu seinem Ruhestand im Juni 2025 dessen Geschäftsführer. Er war in vielen Foren und Initiativen engagiert, etwa bei Social Watch, beim Forum Umwelt und Entwicklung und bei der globalen Civil Society Reflection Group für die Agenda 2030. Inhaltlich war Jens Martens den Entwicklungen oft voraus und hat sich etwa für die Gründung eines deutschen Netzwerks Steuergerechtigkeit eingesetzt, als die Frage einer fairen Besteuerung noch ein entwicklungspolitisches Nischenthema war. Er hat unzählige Artikel und Politikpapiere geschrieben, Bücher herausgegeben und Vorträge gehalten. In einem seiner letzten Beiträge hat er sich Gedanken darüber gemacht, was ab dem Jahr 2030 nach den UN-Nachhaltigkeitszielen kommen könnte.
Im Mai ist Jens Martens nach kurzer, schwerer Krankheit mit nur 63 Jahren gestorben. Ich arbeite gerade an einem Artikel zur Zukunft der Vereinten Nationen. Wen soll ich jetzt dazu fragen?
Tillmann Elliesen
Jean Ziegler gestorben
Es war ein Schlüsselmoment in seinem Leben: Anfang der 1950er Jahre, Jean Ziegler war 18 Jahre alt, fuhr er in seiner Heimatstadt Thun mit seinem Fahrrad am Viehmarkt vorbei. Gleichaltrige schufteten dort, unterernährt und in zerrissenen Kleidern. Als er seinen Vater fragte, warum Kinder wie er selbst so behandelt würden, antwortete dieser: „Das kannst du nicht ändern.“
Hans, wie Jean Ziegler mit bürgerlichem Namen damals noch hieß, machte diese Aussage so wütend, dass er von zu Hause weg und nach Paris ging, wo er sich der Kommunistischen Partei anschloss und sich mit Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir anfreundete. Sie hatten prägenden Einfluss auf ihn: Auf ihren Rat hin änderte er seinen Vornamen in Jean.
Die Szene in Thun ist bezeichnend für den „Aufstand des Gewissens“, den Ziegler ein Leben lang predigen würde: Es sei nur eine Frage der Zeit, war er überzeugt, bis das Unrecht in der Welt die Menschen aufrütteln und die Zivilgesellschaft die „kannibalische Weltordnung“, wie er es nannte, des Kapitalismus stürzen würde. Er wurde nicht müde, immer wieder die großen Ungerechtigkeiten auf der Welt zu benennen – etwa die, dass alle fünf Sekunden ein Kind an Hunger stirbt, während die Landwirtschaft weltweit genug Essen produziere, um zwölf Milliarden Menschen zu ernähren. Zieglers Schlussfolgerung: „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.“
Ob als Abgeordneter des Schweizer Nationalrats, dem er drei Jahrzehnte lang angehörte, oder als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung: Er sah sich in subversiver Mission, um im Kampf gegen Hunger und Ungerechtigkeit „die Institutionen zu unterwandern“, wie es ihm einst der kubanische Revolutionsführer Che Guevara aufgetragen hatte. Am 10. Juni ist Jean Ziegler mit 92 Jahren gestorben.
Er war ein Überzeugungstäter, der sich durch nichts entmutigen ließ. Mit revolutionärer Verve prangerte er bis zu seinem Tod die Ungerechtigkeiten weltweit und die schändliche Rolle der Schweiz als globaler Banken- und Handelsumschlagplatz an. Seine harte, teils polemische Sprache brachte ihm neben Verleumdungsklagen auch den Vorwurf ein, zu sehr in Schwarz-Weiß zu denken. Auf die Frage, welche Rolle die Entwicklungspolitik im Kampf für eine bessere Welt spiele, antwortete er in einem Interview mit „welt-sichten“: „Die ist wirklich absolut nebensächlich.“ Dass er in seiner Begeisterung für den Sozialismus auch so manchen Diktator wie etwa Pol Pot in Kambodscha zu lange verteidigte, bezeichnete er später als Fehler.
Ziegler gab zu, Angst vor dem Tod zu haben. Doch als konvertierter Katholik glaubte er daran, dass ihn seine Liebsten nach dem Ende seines Lebens erwarten würden, wie er anlässlich seines 90. Geburtstags dem Schweizer Radio SRF sagte: seine Eltern und Freunde – und natürlich Che. Als Stimme des Gewissens im Diesseits jedoch wird Jean Ziegler fehlen.
Meret Michel
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