sich nicht daran. Wollen sie die Machtverhältnisse in der internationalen Hilfe überhaupt verändern, wie sie behaupten?
Wenn nur wenige Cent pro Dollar an diejenigen fließen, die in einer Krise am nächsten an den Betroffenen sind, sollten wir aufhören, das als Versagen zu bezeichnen. Es ist ein System, das genau das erreicht, wofür es geschaffen wurde.
Die vom UN-Büro für Humanitäre Hilfe OCHA verwalteten gemeinsamen UN-Länderfonds machen das schmerzlich klar. Die USA haben diesen Fonds Ende des vergangenen Jahres zwei Milliarden US-Dollar zugesagt. Der überwiegende Teil dieses Geldes floss an UN-Organisationen und internationale Hilfsorganisationen, obwohl über diese Länderfonds eigentlich ausdrücklich lokale Organisationen beauftragt werden sollen. Für einige der achtzehn Länder, in die US-Mittel geflossen sind, hieß es zur Begründung: Die von den USA vorgeschriebene sechsmonatige Lieferfrist für Hilfsgüter sei zu kurz für lokale Organisationen. Es sei zu riskant, sie zu beauftragen.
Lokale Kräfte sind frustriert. International tätige humanitäre Organisationen scheinen sich nur dann für „Lokalisierung“ zu interessieren, wenn kein Geld da ist. Wenn aber zwei Milliarden US-Dollar auf dem Tisch liegen, kehrt das System zum gewohnten Geschäftsgebaren zurück.
Eine Checkliste mit 39 Punkten, ein Dutzend Richtlinien
Um von OCHA als Partner zugelassen zu werden, muss eine Organisation eine 39 Punkte umfassende Checkliste erfüllen und belegen, dass sie ein gutes Dutzend Richtlinien einhält – unabhängig davon, ob sie sich um 300.000 US-Dollar oder drei Millionen bewirbt. OCHA wendet bei einer kleinen gemeindebasierten NGO dieselben Auswahlkriterien an wie bei einer großen internationalen Organisation.
BRAC ist eine seit fünfzig Jahren bestehende, international tätige Hilfsorganisation und federführend unter anderem bei der Bewältigung der Rohingya-Flüchtlingskrise im Flüchtlingscamp Cox’s Bazar in Bangladesch. Unser Antrag auf Registrierung für den gemeinsamen UN-Fonds dauerte fast zwei Monate. Man stelle sich vor, wie das für kleinere lokale Organisationen aussieht. Ihnen fehlen schlichtweg die Verwaltungskapazitäten, die Rechtsabteilungen oder das institutionelle Gedächtnis, um diese Anforderungen zu erfüllen, zumal internationale Hilfsorganisationen häufig Spitzenkräfte abwerben, sobald sie neue Finanzmittel erhalten.
Der Zuschlag geht an die, die wissen, wie das Spiel läuft
Autor
KAM Morshed
ist Senior Director der Hilfsorganisation BRAC in Dhaka, Bangladesch. Der Text ist zuerst englisch bei „The New Humanitarian“ erschienen.Diejenigen, die es schaffen, sich bei OCHA zu bewerben, müssen sich gegen Organisationen behaupten, die seit Jahren Teil des Systems sind und dessen Sprache sowie ungeschriebene Regeln beherrschen. Immer wieder kriegen dieselben großen Organisationen den Zuschlag, weil sie wissen, wie das Spiel läuft. Noch bevor die wenigen qualifizierten bangladeschischen Organisationen im Februar überhaupt an Konsultationen für die US-Fördermittel teilnehmen konnten, hatten einige internationale Organisationen bereits mit der Ausarbeitung von Vorschlägen begonnen. Wir haben ein System geschaffen, in dem lokale NGOs aufgefordert werden, nach Regeln zu konkurrieren, die nie für sie gemacht wurden.
Auch Machtungleichgewichte spielen eine Rolle. In den Beiräten für die länderbezogenen OCHA-Fonds sitzen Vertreter lokaler NGOs, internationaler Organisationen und von UN-Organisationen. Doch lokale NGOs erhalten fast ihre gesamte Finanzierung über die UN und internationale NGOs – ihre finanzielle Existenz hängt von ihnen ab. So stimmen sie in diesen Beiräten häufig allem zu, statt wirklich Einfluss zu nehmen. „Was bringt das schon?“, sagte mir ein Kollege einer lokalen Organisation nach einer Sitzung. „Ich nehme an der Sitzung teil und muss dann einfach ‚Ja‘ sagen.“
Syrien wird oft als Gegenbeispiel dafür angeführt, wie über gemeinsame Fonds der UN die Hilfe an Lokale gehen kann: In seinen besten Jahren leitete der Syria Cross-Border Humanitarian Fund 70 Prozent seiner Mittel an syrische Organisationen weiter. Doch dahinter stand keineswegs ein durchdachtes Konzept. UN-Organisationen und internationale Hilfsorganisationen konnten im von der Opposition kontrollierten Nordwesten Syriens schlicht nicht tätig werden. Lokale Organisationen wurden nur deshalb ausgewählt, weil sie die einzige Option waren. Syrien zeigt, dass das System nur dann vor Ort ansetzt, wenn es keine Alternativen mehr gibt.
Ein besseres Modell ist in Bangladesch erprobt
In Bangladesch haben wir ein anderes Modell erprobt, und die Ergebnisse verdienen Beachtung. BRAC dient als Rückhalt für einen Fonds, den Kanada und Australien unterstützen. Dabei garantiert BRAC, dass die OCHA-Bedingungen erfüllt sind, statt diese Pflicht an die kleinen lokalen Organisationen weiterzureichen. Wir führen Informationsveranstaltungen für lokale NGOs in der Landessprache Bangla durch und bieten Trainings an, damit sie die Standards erfüllen können, ohne die gesamten Kosten selbst tragen zu müssen. BRAC führt keine Projekte im Rahmen des Fonds durch, das heißt, wir stehen nicht im Wettbewerb mit den Förderempfängern.
Die Ergebnisse sind ermutigend. Im WASH-Sektor (Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene) waren die Projektkosten laut den uns zur Verfügung gestellten Daten um mehr als 40 Prozent niedriger als bei vergleichbaren Vorhaben einer UN-Organisation. Und die lokalen Organisationen haben sogar schneller gearbeitet, ohne die Rechenschaftspflicht zu vernachlässigen. Lokale Organisationen sind nicht schwach. Sie verstehen den Kontext, sind in den Gemeinschaften verankert und können bei angemessener Unterstützung Ergebnisse liefern – selbst innerhalb anspruchsvoller sechsmonatiger Zeitrahmen.
Es gibt gangbare Wege, Ressourcen wirklich umzuverteilen und Hilfe zu lokalisieren: Man kann Fördertöpfe direkt für nationale Organisationen schaffen, Compliance-Bedingungen mit wachsenden Fördermitteln strenger machen, Zuteilungsziele verbindlich machen und Registrierungsverfahren so vereinfachen, dass sie lokalen Gegebenheiten Rechnung tragen und nicht stur internationalen Standards folgen. Die Logik der positiven Diskriminierung, die wir bereits zur Unterstützung von Minderheitengemeinschaften anwenden, muss auf kleinere Hilfsorganisationen ausgeweitet werden.
Ein nachhaltiges, lokal getragenes Hilfssystem aufbauen
Die nächste Bewährungsprobe steht kurz bevor. Im Mai haben die USA weitere 1,8 Milliarden US-Dollar für die OCHA-Länderfonds angekündigt. Sie fordern zudem andere Geber auf, ihre Mittel über dieselben Fonds bereitzustellen. Die gemeinsamen UN-Fonds könnten zum wichtigsten Kanal des globalen humanitären Systems für die Verteilung knapper Ressourcen werden.
Es ist entscheidend, das jetzt richtig zu gestalten. Es geht nicht um einzelne Organisationen, Länder oder Fonds, sondern um die Zukunft der humanitären Hilfe in einer von Transaktionen geprägten Welt. Die Geber kürzen ihre Hilfe, besonders für die Opfer langwieriger Krisen wie die Rohingya-Flüchtlinge. Alle in Cox’s Bazar tätigen Organisationen wissen, dass wir bei der Finanzierung in den kommenden Jahren vor einem Abgrund stehen. Internationale Organisationen werden am Ende abziehen, wenn das Geld ausbleibt.
Geber, Fondsverwalter wie OCHA und internationale Hilfsorganisationen müssen sich entscheiden: den Status quo festigen oder die gemeinsamen Fonds so reformieren, dass sie die Machtverhältnisse wirklich verändern und helfen, ein nachhaltiges, von lokalen Kräften getragenes Hilfssystem auszubauen.
Aus dem Englischen von Tillmann Elliesen.
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