Internationale Solidarität beginnt im Klassenzimmer

KNH
Katrin Weidemann ist Vorsitzende der Kindernothilfe.
Herausgeberkolumne
Demokratie braucht eine lebendige Zivil­gesellschaft. Globales Lernen trägt dazu bei und stärkt nicht nur Kinderrechte.

Katrin Weidemann ist Vorsitzende der Kindernothilfe.

Kinderarbeit ist nicht fair. Kinder sollten lernen dürfen und nicht arbeiten müssen. Wir können etwas verändern, wenn wir gemeinsam laut werden.“ Mit diesen klaren Worten und einer selbst gestalteten Stofftasche mit der Aufschrift „Trage Verantwortung“ wandten sich Kinder der Action!Kidz-Kampagne bei einem Treffen mit Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas am 8. Juni 2026 selbstbewusst an die Politik. Ihr Auftritt machte deutlich: Junge Menschen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und sich für die Rechte anderer Kinder einzusetzen.

Die einfachen, klaren Sätze erinnern eindrucksvoll daran, was Globales Lernen ausmacht: Menschen zu befähigen, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und für die Rechte anderer einzustehen. Was hier in einem Klassenzimmer oder einer Schulaktion beginnt, kann weit über den Schulhof hinauswirken. Internationale Solidarität beginnt oft genau dort, wo junge Menschen lernen, dass ihre Stimme zählt.

Lebendige Demokratien brauchen eine starke Zivilgesellschaft. Doch weltweit gerät sie zunehmend unter Druck. Der aktuelle Atlas der Zivilgesellschaft zeigt: Drei von vier Menschen leben in autoritären Staaten oder Diktaturen. Nur ein kleiner Teil der Weltbevölkerung lebt in Ländern, in denen Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit umfassend gewährleistet sind.

Nationale Probleme in Deutschland im Vordergrund

Gleichzeitig beobachten wir in Deutschland, dass sich die öffentliche Aufmerksamkeit zunehmend auf nationale Probleme konzentriert. Studien zeigen, dass das Interesse an internationaler Entwicklungszusammenarbeit sinkt, während es für innenpolitische Themen wächst. Aber globale Verantwortung und lokale Herausforderungen sind keine Gegensätze. Denn die großen Fragen unserer Zeit – Klimawandel, Migration, soziale Ungleichheit, wirtschaftliche Abhängigkeiten oder digitale Transformation – lassen sich nicht innerhalb nationaler Grenzen lösen.

Deshalb hat sich auch die Entwicklungszusammenarbeit verändert. Moderne internationale Kooperation stärkt Partnerorganisationen weltweit und zugleich die demokratische Kultur in unserem eigenen Land. Sie schafft Räume für Austausch, gegenseitiges Lernen und gemeinsames Handeln. Entwicklungszusammenarbeit ist keine Einbahnstraße, sondern eine Investition in globale Stabilität und in die Zukunft demokratischer Gesellschaften.

Globales Lernen: Die Action!Kidz-Kampagne

Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Globale Lernen. Wer globale Zusammenhänge versteht, erkennt, wie eng das eigene Leben mit den Lebensrealitäten anderer Menschen verbunden ist. Genau das erleben Kinder und Jugendliche im Rahmen der Action!Kidz-Kampagne. Sie setzen sich mit ausbeuterischer Kinderarbeit auseinander und erfahren, dass gesellschaftliche Veränderungen möglich sind. Sie organisieren Aktionen, sammeln Spenden, informieren Mitschülerinnen und Mitschüler und suchen den Dialog mit politischen Entscheidungsträgern. Kurz gesagt: Sie erleben Demokratie in der Praxis.

Gerade in Zeiten, in denen demokratische Werte weltweit unter Druck geraten, ist dies wichtiger denn je. Globales Lernen vermittelt Wissen. Vor allem aber stärkt es Haltung, Empathie und Handlungsfähigkeit. Es befähigt Menschen, sich einzumischen, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Eine starke Zivilgesellschaft entsteht nicht von selbst. Sie wächst dort, wo Menschen lernen, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Globales Lernen leistet dazu einen unverzichtbaren Beitrag – für Kinderrechte weltweit und für eine demokratische, solidarische Gesellschaft hier bei uns.
Und vielleicht beginnt all das tatsächlich mit einem einfachen Satz der Action!Kidz-Kinder: „Wir können etwas verändern, wenn wir gemeinsam laut werden.“ Wenn junge Menschen lernen, Verantwortung zu tragen, ihre Stimme zu erheben und für die Rechte anderer einzutreten, entsteht genau jene internationale Solidarität. Sie beginnt nicht erst auf internationalen Konferenzen oder in politischen Programmen – sie beginnt im Klassenzimmer.

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erschienen in Ausgabe 4 / 2026: ... wenn man trotzdem lacht
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