Die Epidemie, die vom seltenen Bundibugyo-Stamm des Ebolavirus verursacht wird, hat bereits mehr Todesfälle zur Folge als alle 16 früheren Ebola-Ausbrüche im Kongo. Die Zahl der Todesopfer war bis Anfang September 2026 auf über 2600 gestiegen, mehr als 6000 Menschen hatten sich infiziert, insbesondere in der Provinz Ituri, seit die Epidemie im Kongo im Mai 2026 offiziell erklärt wurde. Und sie ist noch lange nicht unter Kontrolle. Der Leiter der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, warnt vor einem „hohen Risiko einer internationalen Ausbreitung“.
Die Reaktion der Behörden wird als langsam und kaum organisiert kritisiert. Zudem stößt sie auf Misstrauen bei einem Teil der Bevölkerung. Und zu den Faktoren, die Misstrauen und Widerstand gegenüber den Einsatzteams begünstigen, gehört die Verbreitung von Gerüchten und Falschinformationen. Gerüchte können dazu beitragen, dass erkrankte Personen keine medizinische Versorgung in Anspruch nehmen.
Um die Übertragung des Virus einzudämmen, halten es mehrere Fachleute jetzt für die zentrale Aufgabe, das Vertrauen zwischen der Bevölkerung und den Einsatzteams wiederherzustellen.
Eindämmungsteams werden angegriffen
Vérité Johnson, ein in Bunia in der Provinz Ituri ansässiger Journalist, erklärt, dass sich Misstrauen insbesondere in Widerstand gegen medizinische Maßnahmen äußert. „Eindämmungsteams wurden in der gesamten Provinz mehr als einmal angegriffen, auch Ebolabehandlungszentren wurden ins Visier genommen. All dies aufgrund von Falschinformationen und Fehlinterpretationen. Zum Beispiel im Juni bei einer Beerdigung: Plötzlich kam die Warnung auf, der Sarg sei leer. Die Nachricht verbreitete sich am Ort schnell, und die Menschen begannen, das Team anzugreifen, das für eine würdige und sichere Bestattung zuständig war. Schließlich öffneten die Leute den Sarg einer an Ebola verstorbenen Person und fanden darin die Leiche – stellen Sie sich das enorme Ansteckungsrisiko vor“, sagt Vérité Johnson.
Während der Epidemie von 2018 bis 2020 kam der Verdacht der Veruntreuung von Geld und der unrechtmäßigen Bereicherung auf und daraus entstand die Wahrnehmung, die Gesundheitskrise werde von Hilfsorganisationen, Einsatzteams und lokalen Eliten benutzt und in ein lukratives Geschäft verwandelt. Jetzt reicht eine Falschmeldung über das „Ebolageschäft“, damit jeder, der als Teil dieses Geschäfts identifiziert wird, zur Zielscheibe wird. Weitere Falschmeldungen sind, dass Ebola gar nicht existiere und es sich um einen Plan handele, die kongolesische Bevölkerung auszurotten. Eine andere lautete, Ebola sei in Wirklichkeit eine getarnte Arsenvergiftung, um von den eigentlichen Interessen abzulenken: an den Bodenschätzen.
Desinformationen werden über Social Media verbreitet
Daniel Makeke, Journalist und Chefredakteur des in der DR Kongo ansässigen Faktencheck-Mediums „Eleza Fact“, erklärt: „Es ist nach wie vor nicht einfach, die Quelle zu identifizieren, aber es ist möglich, Informationen über die Verbreiter der Falschmeldungen zu erhalten.“ Am häufigsten genutzt werden soziale Netzwerke, sagt er. „Dort erreicht Desinformation auch Gemeinden, die noch nicht von Ebola betroffen sind, und behindert somit die Prävention. Wir leben in einem Umfeld, in dem die meisten Menschen nicht wirklich informiert sind. Hinzu kommt der soziale Aspekt: Da die Leute schon viel zu lange von verschiedenen Arten Leid belastet werden, hegen sie ein gewisses Misstrauen“, erklärte Daniel Makeke.
Autor
Akilimali Saleh, freier Journalist und Mitarbeiter verschiedener internationaler Medien, hat sich seit Bekanntwerden der Epidemie in Ituri niedergelassen. Für ihn ist die Epidemie eine Krise innerhalb einer größeren Krise. „Bisher wurden vier Ebolabehandlungszentren angegriffen und drei davon in Brand gesteckt. Es gab mehrere Dutzend Fälle von Übergriffen, insbesondere auf Mitarbeitende der kommunalen Überwachung. Einige Hilfsorganisationen haben ihre Arbeit sogar eingestellt und im Krankenhaus von Nyakunde südwestlich von Bunia ihr Personal reduziert – allein aufgrund eines absurden Gerüchts über einen Brand in dieser Gesundheitseinrichtung, das in den sozialen Netzwerken kursierte. Es werden auch Informationen verbreitet, man werde geheilt, wenn man bestimmte Zutaten mit Gemüse mische; das wird fälschlich als Medizin dargestellt, und das verbreitet sich leider wie ein Lauffeuer“, berichtet Akilimali Saleh.
Lokale Workshops gegen die Desinformation
Um der Flut von Desinformation entgegenzuwirken, entstehen immer mehr lokale Initiativen, um Gemeinschaften zu sensibilisieren und ihnen das nötige Wissen zu vermitteln. Auf nationaler Ebene informieren die Ministerien für Gesundheit und Kommunikation in Zusammenarbeit mit der WHO und den Afrikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention (Africa CDC) regelmäßig über die Lage und gehen bei Pressekonferenzen auf die Sorgen der Bevölkerung ein.
Eine der lokalen Initiativen ist die NGO Soma Media Lab, die sich auf Medien- und Informationskompetenz konzentriert. Marie Larousse Kavanaght, ehrenamtliche Mitarbeiterin bei Soma Media Lab, erklärt: „Wir organisieren Workshops unter Einhaltung der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen. Wir möchten, dass unsere Gemeinschaften in der Lage sind, umlaufende Falschinformationen zu erkennen, sie zu überprüfen, aber vor allem einen kritischen Blick auf Informationen zu entwickeln, die sie erhalten – sei es online oder im Dorf. Wir produzieren außerdem Audio- und Videobeiträge, Infografiken, Podcasts und Aufklärungsbotschaften, die wir in sozialen Netzwerken und in lokalen Medien verbreiten.“ Ein Konsortium aus fünf NGOs, darunter Soma Media Lab, hat die Kampagne #VérifierPourSauver (prüfen, um zu leben) gegen Desinformation im Gesundheitsbereich ins Leben gerufen.
Menschen sind von den vielen Konflikten zermürbt
Claude Sengenya, ein Kommunikationswissenschaftler, der im Ostkongo lebt und Desinformation und Faktenprüfung analysiert, stellt fest: „Gerüchte finden Anklang, weil das Umfeld für Falschinformation und Manipulation förderlich ist. Sie treffen auf Gemeinschaften, die seit mehreren Jahren von ungelösten Konflikten zermürbt sind. Wenn man versucht, sie zu manipulieren, stößt dies auf Zustimmung, und sie greifen zu vereinfachenden und verschwörungstheoretischen Erklärungen.“ Eine Rolle spielen ihm zufolge Unwissenheit und der kulturell-moralische Kontext – zum Beispiel, dass Familienangehörige einen Verstorbenen ein letztes Mal sehen müssen, bevor er beigesetzt wird, und dass es nicht akzeptiert wird, Kranke zu isolieren.
Sengenya plädiert für eine inklusive Strategie, die sowohl die Nutzer sozialer Netzwerke erreicht als auch mit Aktionen am Ort die Bevölkerung, die keinen Internetzugang hat, schätzungsweise zwei Drittel der Menschen in den von Ebola betroffenen Gebieten. „Die Faktenprüfer beschränken sich darauf, Informationen in Online-Communitys zu verbreiten, doch Gerüchte kursieren auch offline und werden mündlich weitergegeben oder über Gemeinderadios.“
Es ist noch viel nötig gegen die Epidemie der Desinformation – zum Beispiel Vertreter der Gemeinden und Religionsführer ansprechen, die als Vermittler fungieren können. Sie müssen für die Risiken sensibilisiert werden, wenn die Schutzmaßnahmen nicht eingehalten werden, aber auch für die Gefahren von Desinformation in einer Gesundheitskrise.
Religions- und Gemeindeführer engagieren sich bereits. So hat die katholische Diözese Butembo-Beni strenge Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus ergriffen: An den Eingängen jeder Kirche und Kultstätte sind Handwaschvorrichtungen und Wasserstellen vorgeschrieben, der Händedruck zum Friedensgruß während der Messe wurde ausgesetzt, ebenso Totenfeiern in Anwesenheit des Leichnams. Treffen spiritueller Bewegungen sowie Chorproben sind bis auf Weiteres eingestellt.
Aus dem Französischen von Bernd Ludermann.
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