Gesundheit und Bildung

Marén Gröschel für welt-sichten.

Bildung und Gesundheitsversorgung sind hohe Güter, das Recht auf Zugang dazu ist in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschrieben. Wie es sich weltweit wirksam umsetzen lässt, wird in der Entwicklungspolitik heftig diskutiert. Einig sind sich die Fachleute aber, dass zwischen beiden eine Wechselwirkung besteht: Bildung prägt das Gesundheitsverhalten und gesundheitliches Wohlergehen steigert die Chance auf Bildungserfolg. 

Aktuell zum Thema

DR Kongo
Die Eindämmung von Ebola in der Demokratischen Republik Kongo ist auch deshalb so schwierig, weil in der Bevölkerung Falschinfor­mationen verbreitet werden und man Helfern misstraut. Faktenchecker und Journalisten versuchen, dem etwas entgegenzusetzen.
Im Osten des Kongo grassiert ein Ebola-Virus, für das es keine Therapie und keine Impfung gibt. Krieg, Armut und die schlechte Infrastruktur erschweren die Eindämmung der Epidemie, erklärt Josue Ibulungu von der Diakonie Katastrophenhilfe in Goma.

weitere Artikel zum Thema

Wissenschaftsdiplomatie
Wissenschaft kann Außenpolitik verbessern, und die Diplomatie kann grenzüberschreitende Forschung fördern – auf solche Wissenschaftsdiplomatie setzt die Schweiz auch gegenüber Afrika. Allerdings fehlt es an einer Strategie.
Österreich
In Österreich dürfen muslimische Schülerinnen unter 14 Jahren kein Kopftuch mehr tragen. Die Regierung begründet das mit Kinderschutz und Selbstbestimmung. Andere religiöse Kopfbedeckungen wie die jüdische Kippa bleiben erlaubt.
Schülerinnen und Schüler im Feuchtgebiet Chalan Beel verlassen nach dem Unterricht  das Schiff.
Bangladesch
In dem Feuchtgebiet Chalan Beel in Bangladesch hat ein Architekt eine Flotte solarbetriebener Boote aufgebaut, die Kindern aus abgelegenen Gebieten während Überschwemmungszeiten Raum für Unterricht bieten.

Gut zu wissen

UN-Nachhaltigkeitsziele Gesundheit und Bildung
Schritte zur besseren Versorgung
Bildung und Gesundheit gehören zu den 17 UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung, die die Vereinten Nationen bis 2030 umsetzen wollen. Laut dem dritten dieser Ziele, Gesundheit und Wohlergehen, sollen alle Menschen Zugang zu guter medizinischer Versorgung, lebensrettenden Medikamenten, gesunder Ernährung, sauberem Wasser und guter Luft erhalten.

Internationale Zusammenarbeit hat die Gesundheitsversorgung für viele Menschen in manchen Bereichen verbessert. So geht die Zahl derjenigen, die sich weltweit neu mit der Immunschwächekrankheit AIDS infizieren, weiter zurück, auch wenn 2022 noch immer 1,3 Millionen Menschen neu an AIDS erkrankten – vor allem weil nicht alle Zugang zu Präventionsmaßnahmen, Tests und Behandlung von HIV haben. Gestiegen ist laut Weltgesundheitsorganisation WHO die Zahl der Malariafälle, und zwar gegenüber dem Vorjahr um 5,5 Millionen auf 249 Millionen Fälle im Jahr 2022. Grund dafür sind vor allem Kriege und Naturkatstrophen.

In armen Ländern beeinträchtigen auch schlechte Wasser-, Hygiene- und Sanitärbedingungen die Gesundheit vieler Menschen, ebenso Luftverschmutzung durch Abgase vom Kochen, aus dem Verkehr, der Industrie und der Verbrennung von Abfällen. Ein weiteres Problem ist, dass in mehr als jedem dritten Land auf 10.000 Menschen nur 10 Ärztinnen und Ärzte kommen und diese ungleich verteilt sind. Zu den häufigsten Todesursachen in Ländern des globalen Südens gehören Komplikationen während der Schwangerschaft oder der Geburt.

Laut dem UN-Nachhaltigkeitsziel vier sollen alle Menschen 2030 Zugang haben zu inklusiver, chancengerechter und hochwertiger Bildung. Beim Schulbesuch gibt es nach einem Bericht der Weltbank Fortschritte: So ist der Anteil der Kinder, die eine Grundschulbildung erhielten, in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen gestiegen. Nichtsdestotrotz hätten dort die Hälfte aller Kinder bis zum Ende des Grundschulalters entweder gar keine Schule besucht oder trotz eines Schulbesuchs nur unzureichende Kenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen erlangt. Besonders Kinder, die in Armut leben, können oft nicht zur Schule gehen, weil ihnen das Geld für den Unterricht und die Schulmaterialien fehlt oder sie schon früh arbeiten gehen, um ihre Familie zu unterstützen. Die Covid-19 Pandemie hat laut Berichten der Unesco  viele Fortschritte in der Bildung aus den letzten zwanzig Jahren wieder zunichte gemacht:  Millionen Schulkinder weltweit waren von Schulschließungen betroffen, meist ohne digitalen Ersatzunterricht.  

Hintergrund

Bildung ist ein Menschenrecht und weltweit die Basis für gesellschaftliche Entwicklung. Dass Fortschritt möglich ist, zeigen aktuelle OECD-Daten. Doch wie steht es um die Bildungschancen von Mädchen weltweit, welche Rolle spielt die Religion und wie verändert KI das Lernen? Ein Überblick über die Potenziale und Hürden im globalen Süden.

Infografik

Das empfiehlt die Redaktion

Im Norden Malawis schließen sich Mädchen und ­Jungen zu Kinderrechtsräten zusammen. Damit setzen sie in ­ihren Dörfern das Recht auf Bildung durch. Wer sich weigert, sein Kind zur Schule zu schicken, muss zahlen. Minderjährige, die ins Ausland verkauft wurden, werden zurückgeholt.
Dass Afrika ein Fünftel der Weltbevölkerung stellt und ein Viertel der weltweiten Krankheitslast trägt, spiegelt sich in der medizinischen Forschung kaum wider, zeigt eine aktuelle Übersicht.
Als Hauptgrund dafür, dass Mädchen im globalen Süden schlechte Bildungschancen haben, gelten Teenagerschwangerschaften. Dabei versperren ihnen in erster Linie Ungleichheit und Armut den Schulbesuch, zeigt eine Studie aus Malawi.

Tipp

Die pakistanische Regisseurin Seemab Gul erzählt die Geschichte der zehnjährigen Rabia, die nicht hinnehmen will, dass ihre Dorfschule geschlossen wird, weil dort angeblich ein Geist haust. Bei ihren Recherchen stößt sie auf Korruption und Ignoranz – und wehrt sich erfolgreich gegen die Ausgrenzung von Mädchen im Bildungswesen.
Das Schuldrama von Christopher Zalla erzählt – ausgehend von einem wahren Fall – die Geschichte eines jungen Lehrers aus Mexiko, der an einer Problemschule eine leistungsschwache Klasse übernimmt. Statt auf sture Disziplin und Frontalunterricht setzt er auf unkonventionelle Methoden.
Titelbild ... wenn man trotzdem lacht
Komik ist subversiv, das wusste schon George Orwell - aber das stimmt nicht immer. In Südafrika stichelt der Karikaturist Zapiro gegen die Mächtigen, in Bangladesch hingegen nutzen islamische Hardliner Humor als Waffe. In São Paulo in Brasilien helfen Clowns Drogenabhängigen, in Nepal gedenken die Menschen am Gai Jatra-Fest lachend ihrer Toten. Und unsere Korrespondenten aus aller Welt erzählen ihre Lieblingswitze.
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Die Menschenrechte gelten für alle. In der Praxis aber werden sie von repressiven Regierungen oder durch entwürdigende Lebensumstände immer wieder verletzt. Debattiert wird zudem, ob die Menschenrechte in verschiedenen Kulturen Verschiedenes bedeuten und ob politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Menschenrechten gleich wichtig sind. Und überall müssen Menschen für die Verwirklichung ihrer Rechte kämpfen.

Eine gerechtere und friedlichere Welt ist möglich – und die Entwicklungspolitik soll dazu beitragen. Noch dominieren westliche Geberländer das Feld, doch große Schwellenländer wie Brasilien, China und Indien engagieren sich zunehmend in der Süd-Süd-Kooperation. Die Ziele von Entwicklungspolitik ändern sich, seit es sie gibt. Und immer ist sie dem Risiko ausgesetzt, für andere politische Zwecke instrumentalisiert zu werden.

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