Österreichs Weltläden wachsen – und sorgen sich um die Zukunft

Blick in den Weltladen St. Pölten
Weltladen Arge
88 Weltläden gibt es derzeit in Österreich und es kommen immer neue dazu. Hier das Team vom Weltladen in Gleisdorf.
Fairer Handel
In den vergangenen 30 Jahren haben sich die Weltläden in Österreich erfolgreich professionalisiert. Doch der Generationenwechsel und die Folgen der Klimakrise stellen das Modell auf die Probe.

Eigentlich hätte es den Weltladen in der Linzer Gasse in Salzburg nicht mehr geben sollen. Jahrelang waren die Umsätze gesunken, 2025 wollte sich der Fair-Handels-Importeur EZA aus dem Geschäft zurückziehen. Doch Stammkundinnen und langjährige Wegbegleiter gründeten einen Verein, organisierten Freiwillige und übernahmen den Laden.

Gut ein Jahr später zählt der Verein 110 Mitglieder. Rund 25 Menschen arbeiten ehrenamtlich mit, drei Beschäftigte teilen sich 58 bezahlte Wochenstunden. Der Umsatz stieg im ersten Jahr um gut fünf Prozent. „Ohne den großen ehrenamtlichen Einsatz hätten wir es nicht geschafft“, sagt Jean-Marie Krier, Vorsitzender des Trägervereins. Rund 6000 Stunden ehrenamtliche Arbeit seien im ersten Jahr zusammengekommen.

In Österreich gibt es 88 Weltläden, ihr gemeinsamer Jahresumsatz liegt bei rund 15 Millionen Euro. Für 2025 meldete der Dachverband ARGE Weltläden ein Umsatzwachstum von etwa zehn Prozent. Auch das Netzwerk ist größer geworden: Im vergangenen Jahr öffneten vier neue Läden. Während der Einzelhandel vielerorts mit hohen Kosten und Leerständen kämpft, wächst das Weltladennetz.

Biofaire Mode gewinnt an Bedeutung

Bereits Anfang der 1990er-Jahre begann die Bewegung, ihre bis dahin individuell benannten Läden zu professionalisieren. Gemeinsame Kriterien für den Warenbezug, betriebswirtschaftliche Anforderungen und ein einheitliches Erscheinungsbild sollten sie als Fachgeschäfte für fairen Handel stärken. 1995 wurde das gemeinsame Weltladenlogo für Österreich eingeführt. Auch die Einführung bezahlter Stellen wurde damals vorangetrieben.

Auf dieser Entwicklung baut der Dachverband heute auf. Seit 2024 verfolgt er eine gezielte Expansionsstrategie, sagt ARGE-Geschäftsführerin Johanna Aigner. Um das Potenzial neuer Standorte zu testen, setzt ARGE unter anderem auf Pop-up-Stores. Bestehende Geschäfte werden bei Standortwechseln in bessere Lagen und bei der Sortimentsgestaltung und Betriebsführung unterstützt.

Auch das Angebot hat sich verändert: Neben Kaffee, Schokolade und Kunsthandwerk gewinnt biofaire Mode an Bedeutung. Statt einzelner Alpakapullover werden vielerorts ganze Kollektionen präsentiert, mit Umkleidekabinen und Modenschauen. „Wir sind sichtbarer geworden, wir bieten mehr Vielfalt“, sagt Aigner. Damit erreichten sie auch Menschen, die nachhaltige Kleidung bisher vor allem online gekauft haben.

Weltladen-Bewegung ist in die Jahre gekommen

Rund 900 Menschen engagieren sich österreichweit ehrenamtlich in Weltläden, dazu kommen 187 Angestellte. Bis auf zwei Geschäfte beschäftigen mittlerweile alle Läden bezahltes Personal. Die Angestellten übernehmen häufig die Geschäftsführung und organisieren den Betrieb, während Freiwillige im Verkauf, bei Veranstaltungen und in der Bildungsarbeit mithelfen.

Doch die Weltladenbewegung ist in die Jahre gekommen. Nach der Corona-Pandemie seien zahlreiche ältere Ehrenamtliche nicht mehr zurückgekehrt, berichtet Aigner. Ein Grund war die zunehmende Digitalisierung des Verkaufs, etwa die Umstellung auf Computerkassen.

Im Salzburger Verein liegt das Durchschnittsalter des siebenköpfigen Vorstands laut Jean-Marie Krier bei 65 bis 70 Jahren. Zwar hat im ersten Jahr niemand von den Freiwilligen aufgehört, die beim Neustart dabei waren. Aber wer übernimmt künftig? „Die Verjüngung unseres Vereins ist die große Herausforderung der nächsten Jahre, aber ich bin zuversichtlich“, sagt er. Jüngere Menschen kommen eher über bezahlte Stellen, Schulprojekte oder Bildungsarbeit hinzu.

Klimakrise macht dem fairen Handel zu schaffen

Doch nicht nur die personelle Zukunft beschäftigt die Weltläden. Auch die Klimakrise macht dem fairen Handel zu schaffen. Dürren, Starkregen und Pflanzenkrankheiten in den Erzeugerländern erschweren Kaffee- und Kakaoanbau. Sinkende Erntemengen treiben die Preise nach oben. Auch die Weltläden mussten deshalb in den vergangenen Jahren ihre Verkaufspreise erhöhen.

Im Sommer 2026 machte sich die Klimakrise dann auch in den österreichischen Geschäften bemerkbar. Die anhaltende Hitze hielt Kundinnen und Kunden vom Einkaufen ab, besonders in den Städten. „Manche Weltläden erlebten so schlechte Umsatztage, wie sie sie zuvor kaum gekannt hatten“, berichtet ARGE-Geschäftsführerin Aigner.

Für den Dachverband ist das eine neue Herausforderung. Die Weltläden denken über veränderte Öffnungszeiten oder Sommerpausen nach, um Betriebskosten zu sparen, denn schwache Sommermonate lassen sich schwer ausgleichen. Rund ein Viertel ihres Jahresumsatzes erzielen die Weltläden in den beiden Monaten vor Weihnachten. Bleibt die Kundschaft im Sommer weg, steigt der Druck auf das Weihnachtsgeschäft.

Nächstes Jahr feiern Österreichs Weltläden ihr 50-jähriges Bestehen. Wie tragfähig das Modell bleibt, hängt nicht zuletzt davon ab, ob Menschen bereit sind, weiterhin ihre Zeit und Arbeitskraft einzubringen, und ob sich jüngere Generationen dafür begeistern lassen.

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