Bildungskluft in Afrika

Muslime und Christen
Muslime in Subsahara-Afrika sind weit weniger gebildet als Christen. Das hat vor allem mit Armut und der Kolonialzeit zu tun.

Zwei Drittel der über 25-jährigen Muslime in Subsahara-Afrika haben noch nicht einmal ein Jahr lang eine Schule besucht – bei den Christen sind es nur halb so viele. Diese Kluft bestehe bereits seit Jahrzehnten, heißt es in einer neuen Erhebung des US-amerikanischen Pew Research Centers. Dabei wurde der Bildungsstand von Christen, Muslimen, Juden, Hindus, Buddhisten und religiös Ungebundenen in 151 Ländern – darunter 36 in Subsahara-Afrika – untersucht.

Unterschiede in der Schulbildung lägen jedoch nicht in der jeweiligen Religion begründet, betont die Politikwissenschaftlerin Melina Platas von der Universität Abu Dhabi. Ausschlaggebend seien vielmehr historische und soziale Gründe. Eine wesentliche Ursache reiche zurück bis in die Kolonialzeit. Damals bauten vor allem christliche Missionare Schulen und unterrichteten die einheimische Bevölkerung  – und legten damit den Grundstein für das Bildungswesen nach der Unabhängigkeit.

Viele muslimische Eltern wollten ihre Kinder nicht auf diese Schulen schicken, aus Angst, sie könnten dort zum Christentum konvertiert werden. Zudem hätten die Kolonialherren in vor allem von Muslimen besiedelten Gebieten darauf verzichtet, Missionsschulen zu bauen, um keine Konflikte zu schüren. Das war laut Platas etwa im Norden Nigerias der Fall – als Folge davon ist der Bildungsunterschied zwischen den beiden Religionsgruppen, die jeweils die Hälfte der Bevölkerung stellen, in dem westafrikanischen Land besonders groß: 61 Prozent der erwachsenen Muslime haben keine formale Bildung, bei den Christen sind es lediglich 26 Prozent.  

Doch warum besteht die Kluft seit Generationen fort, obwohl es in nahezu allen afrikanischen Ländern inzwischen kostenlose Grundschulen gibt? Wissenschaftlerin Platas verweist auf das Beispiel Malawi: Muslime seien vergleichsweise ärmer und in mehrheitlich von ihnen bewohnten Gebieten gebe es weniger Schulen. Wenn muslimische Eltern selbst nur eine geringe oder gar keine Schulbildung hätten, könnten sie ihre Kinder weniger unterstützen und sich weniger für bessere Bildungschancen in ihrer Gemeinschaft einsetzen.

Zugleich zeigt die Studie eine positive Entwicklung: In der Generation der Muslime zwischen 25 und 34 Jahren hat sich der Anteil derer, die ein oder mehrere Jahre die Grundschule besuchen, gegenüber den 55- bis 74-Jährigen auf 43 Prozent verdoppelt. Auch immer mehr muslimische Frauen gehen zur Schule.

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