López Obrador liegt bei Präsidentenwahl in Mexiko vorn

Der Linkspolitiker Andrés Manuel López Obrador wird neues Staatsoberhaupt in Mexiko. Er hat versprochen, Korruption und Gewalt im Land zu bekämpfen.

Bei den mexikanischen Präsidentschaftswahlen zeichnet sich ein deutlicher Sieg des Linkspolitikers Andrés Manuel López Obrador ab. Drei Nachwahlbefragungen zur Abstimmung vom Sonntag sahen den 64-Jährigen bei deutlich über 40 Prozent der Stimmen, wie die Tageszeitung "EL Universal" in der Nacht zum Montag (Ortszeit) berichtete. Sein ärgster Kontrahent Ricardo Anaya von der konservativen PAN-Partei liegt den Umfragen zufolge 16 bis 26 Prozentpunkte zurück.

Dieser räumte bereits seine Niederlage ein. "Die Nachwahlbefragungen begünstigen Andrés Manuel López Obrador", sagt Anaya in einer Fernsehansprache. Er habe ihm bereits telefonisch zum Wahlsieg gratuliert. López Obrador wäre der erste linksgerichtete Präsident seit Jahrzehnten in Mexiko.

Auch der Kandidat der Regierungspartei PRI, José Antonio Meade, gab seine Niederlage bekannt. "Zum Wohle Mexikos wünsche ich ihm den größten Erfolg", sagte er an López Obrador gerichtet. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Mitofsky für den Fernsehsender Televisa erreichte López Obrador zwischen 43 und 49 Prozent der Stimmen. Anaya und Meade liegen mit einem möglichen Ergebnis von 23,2 bis 27 Prozent und 22 bis 26 Prozent eng beieinander.

Trump gratuliert

Noch vor Bekanntgabe des offiziellen Ergebnisses gratulierte US-Präsident Donald Trump dem Wahlgewinner via Kurznachrichtendienst Twitter. "Es gibt viel zu tun, das sowohl den USA als auch Mexiko zugutekommt", schrieb Trump. Er freue sich sehr auf die Zusammenarbeit mit López Obrador. US-Sicherheitsberater John Bolton stellte ein baldiges Treffen der beiden Staatschefs in Aussicht.

Nach Angaben der Nationalen Wahlbehörde verlief die Stimmabgabe ruhig und ohne größere Zwischenfälle. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 68 Prozent. In manchen Wahllokalen fehlten allerdings Wahlzettel, wie in lokalen Fernsehsendern zu sehen war. Es habe insgesamt 74 Anzeigen wegen Irregularitäten und sechs Festnahmen gegeben, berichtete Staatsanwalt Héctor Díaz Santana. Der Wahlkampf war dagegen von Gewalt überschattet. Mehr als 120 Kandidaten wurden umgebracht.

Enttäuschung über etablierte Parteien

López Obrador, der sich im Wahlkampf nach den Anfangsbuchstaben seines Namens AMLO nannte, hatte sich bereits zweimal erfolglos um das höchste Staatsamt beworben. Der ehemalige Bürgermeister von Mexiko-Stadt profitierte von der Enttäuschung vieler Mexikaner über die Politik der etablierten Parteien. Seine wichtigsten Versprechen sind, die grassierende Korruption und die Gewalt im Land zu bekämpfen.

Amtsinhaber Enrique Peña Nieto von der Regierungspartei PRI, der sich laut Verfassung nicht zur Wiederwahl stellen durfte, war es in den sechs Jahren seiner Amtszeit nicht gelungen, Mexiko von der Gewalt der Drogenkartelle zu befreien. 2017 erlebte das Land das gewalttätigste Jahr seiner neueren Geschichte. Mehr als 25.000 Menschen kamen im Zuge des Drogenkriegs ums Leben.

Die mehr als 50 Millionen armen Menschen setzen auf López Obrador als neuen Präsidenten große Hoffnungen, denn er verspricht Sozialprogramme sowie Investitionen in Bildung und in das staatliche Gesundheitswesen. Seine Gegner werfen ihm dagegen Populismus vor und warnen, dass Mexiko ein zweites von Misswirtschaft geprägtes Venezuela werden könnte.

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