Bericht: Weltweit fast 230 Menschenrechtsverteidiger ermordet

Berlin, London - Im vergangenen Jahr sind laut einem Bericht von Global Witness weltweit 227 Menschenrechtsverteidiger ermordet worden. Für Aktivisten, die für Menschenrechte und Umweltschutz eintraten, sei 2020 das gewaltsamste Jahr seit Jahrzehnten gewesen, schreibt die Menschenrechtsorganisation in ihrem am Montag veröffentlichten Bericht. Die gefährlichsten Länder waren demnach Kolumbien, Mexiko und die Philippinen.

Vor allem in Kolumbien hat die Gewalt gegen Verteidiger von Land- und Menschenrechten dem Bericht zufolge dramatisch zugenommen. In dem südamerikanischen Land seien allein im vergangenen Jahr 65 Aktivisten umgebracht worden, viele von ihnen waren Indigene. Global Witness prangert an, dass die große Mehrheit der Verbrechen von staatlicher Seite nicht verfolgt und aufgeklärt wurde.

In Mexiko wurden im vergangenen Jahr 30 Menschenrechtsverteidiger ermordet, wie der Bericht ausführt. Das entspreche einer Zunahme von 67 Prozent im Vergleich zu 2019. Die Hälfte aller Angriffe habe sich gegen indigene Gemeinschaften gerichtet. Auch in Mexiko sei die Straflosigkeit erschreckend hoch: Rund 95 Prozent der Morde wurden laut Global Witness nicht strafrechtlich verfolgt.

Auf den Philippinen wurden 166 Aktivisten ermordet

Auf den Philippinen habe mit Amtsantritt von Präsident Rodrigo Duterte im Jahr 2016 die Gewalt gegen Aktivisten erheblich zugenommen, heißt es in dem Report. Seitdem seien 166 Menschen ermordet worden, die für Land- und Umweltrechte eintraten. Der Widerstand von Menschenrechtsaktivisten gegen illegale Abholzungen sowie Bergbau- und Staudammprojekte werde zudem oft mit Polizeigewalt beantwortet, die auch international auf Protest stoße.

Global Witness geht bei den Angriffen und Morden von einer weit höheren Dunkelziffer aus als die dokumentierten 227 Fälle. Obwohl neun von zehn Mordopfern männlich seien, sei auch die Gewalt gegen Menschenrechtsverteidigerinnen sehr hoch, heißt es in dem Report. Sie würden eingeschüchtert und erführen auch sexuelle Gewalt. Überproportional seien Ureinwohner unter den Opfern von Menschenrechtsverbrechen.

Global Witness fordert die Regierungen auf, Gesetze zum Schutz der Zivilbevölkerung zu erlassen. Unternehmen, die die Umwelt zerstörten, müssten nachhaltig zur Rechenschaft gezogen werden.