Ex-Farc-Führer übernimmt Verantwortung für über 21.000 Entführungen

Berlin/Bogotá - Der ehemalige Anführer der kolumbianischen Farc-Guerrilla Rodrigo Londoño, alias „Timochenko“, hat vor Gericht die Verantwortung für mehr als 21.000 Entführungen übernommen. Es handle sich um eines der „abscheulichsten Verbrechen“ der Farc, sagte Londoño laut kolumbianischen Medienberichten am Dienstag (Ortszeit) bei einer Anhörung der Spezialgerichte in Bogotá über die Verbrechen während des Bürgerkriegs. Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit seien nicht zu entschuldigen, betonte Londoño.

Im Namen der 13.000 Kämpfer der ehemaligen Guerilla erkenne er die „individuelle und kollektive Verantwortung für eines der abscheulichsten Verbrechen“ an, sagte Londoño. Er war letzter Kommandant der inzwischen aufgelösten Guerilla, die sich in die politische Partei Comunes umgewandelt hat. Am 24. November 2016 unterzeichnete der damalige Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos mit der Farc-Guerilla einen Friedensvertrag.

In seinen sozialen Netzwerken bat Londoño die Opfer um Vergebung. „Unser Wunsch ist es, den entstandenen Schaden zu beheben“, schrieb er. „Ich hoffe, dass mich eines Tages der befreiende Mantel der Vergebung der Opfer, ihrer Familien und der kolumbianischen Gesellschaft umhüllt“, schrieb der ehemalige Guerillero.

Frühere Guerilla-Kämpfer können zur Aufklärung beitragen

Neben Londoño wurden in Bogotá in dieser Woche auch die Farc-Kommandanten Pablo Catatumbo, Julián Gallo, Pastor Alape, Milton Toncel, Rodrigo Granda und Jaime Alberto Parra angehört. Auch Entführungsopfer waren bei der bis Donnerstag anberaumten Anhörung anwesend. Das Gericht will sich mindestens drei Monate Zeit nehmen, um das Strafmaß zu verkünden.
Die Spezialgerichte wurden 2016 im Rahmen des Friedensabkommens vereinbart. Frühere Guerilla-Kämpfer, die mit den Gerichten kooperieren und zur Aufklärung der Taten der Farc beitragen, können so einer Gefängnisstrafe entgehen. Aber auch Militärangehörige müssen sich dort verantworten, denen massive Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. So soll die Armee laut dem Tribunal zwischen 2002 und 2008 in mehreren Regionen des Landes mehr als 6.400 Zivilisten hingerichtet und als Guerillakämpfer ausgegeben haben. Bis heute haben nur rund 20 Militärangehörige ihre Beteiligung an den Verbrechen zugegeben.

Bei dem seit mehr als 50 Jahren andauernden Bürgerkrieg in Kolumbien zwischen staatlichen Kräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs wurden mehr als 260.000 Menschen getötet, etwa sieben Millionen wurden vertrieben. Etwa 80.000 Kolumbianer gelten als vermisst.