"Mayors for Peace": Bundesregierung muss Atomwaffen ächten

Hannover - Belit Onay (Grüne), ist Oberbürgermeister der Stadt Hannover und Sprecher der Initiative „Mayors for Peace“ (Bürgermeister für den Frieden) in Deutschland. Das weltweite Bündnis mit rund 800 Mitgliedskommunen allein in Deutschland unterstützt derzeit besonders ukrainische Städte.

epd: Was können Stadtoberhäupter in Deutschland, aber auch weltweit konkret tun, um den Frieden und die militärische Abrüstung zu fördern?

Belit Onay: Atomwaffen stellen neben dem Klimawandel nach wie vor die größte Bedrohung der Menschheit dar. Mit Blick auf die nukleare Abrüstung appellieren wir als „Mayors for Peace“ an die Bundesregierung, dem Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten und so Atomwaffen zu ächten. Im Krieg, wie jetzt in der Ukraine, sind vor allem Städte aufgrund ihrer Infrastruktur bevorzugte Ziele. Ganz konkret gilt es für uns als Kommunen natürlich, auch Unterstützung vor Ort zu leisten. Für die Stadt Mykolajiw organisiert die Stadt Hannover aktuell in größerem Maße Hilfsgüter.

epd: Ist der Traum eines Weltfriedens ohne Atomraketen überhaupt realistisch?

Onay: Die russische Aggression hat gezeigt: Wir müssen auch in unsere Sicherheit investieren. Klar ist aber: An erster Stelle unserer friedenspolitischen Bemühungen müssen immer Diplomatie, Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe stehen. Zur Sicherheit gehört auch eine andere Energiepolitik, um schnell unabhängig von Kohle, Gas und Öl zu werden. Eine atomwaffenfreie Welt ist derzeit leider eine Utopie und sehr fern.

epd: Wie arbeiten die „Mayors for Peace“ in ihrem Netzwerk in Deutschland und weltweit konkret zusammen?

Onay: Das Bündnis von weltweit mehr als 8.200 Städten repräsentiert mehr als eine Milliarde Menschen und ist somit gleichsam die größte „kommunale Friedensbewegung“. Drei Aufgaben prägen das Bündnis: der Einsatz für die Abschaffung der Atombomben, friedenspädagogische Angebote für die nachfolgenden Generationen sowie die Gestaltung eines friedlichen und nachhaltigen Zusammenlebens in den Kommunen.

epd-Gespräch: Alexander Lang