Ghanas queere Community kämpft gegen Diskriminierung

Accra - Ghana ist ein offenes Land, sucht den Fortschritt und wirtschaftliche Entwicklung. 2019 rief es das „Jahr der Rückkehr“ aus, um Afroamerikaner zur Suche nach ihren Wurzeln nach Ghana zu locken. „Ghana ist euer Zuhause, Afrika ist euer Zuhause. Unsere Arme sind weit geöffnet, um euch willkommen zu heißen“, hieß es. Und doch gibt es manche, die sich in Ghana jeden Tag unwillkommen fühlen. Dazu gehört Alex Kofi Donkor. Er leitet die Organisation „LGBT+ Rights Ghana“ in der Hauptstadt Accra.

Die Situation für die queere Community sei kritisch, sagt Donkor. „Als solche bekannte, aber auch vermeintlich queere Personen sind tagtäglich Verunglimpfungen, gewalttätigen Angriffen und Misshandlungen aussetzt.“ Mit seiner Organisation versucht er, so etwas wie einen sicheren Hafen zu schaffen. Angeboten werden psychologische Beratungsgespräche, Treffen, aber auch finanzielle Unterstützung für Menschen, die zu Hause hinausgeworfen wurden.

Außerdem hilft die Organisation dabei, Vorfälle bei der Polizei anzuzeigen. „Oft macht die Polizei nichts, wenn sie herausfinden, dass der oder die Betroffene queer ist“, sagt Donkor. „Manchmal verdrehen sie sogar die Tatsachen und werden zu Komplizen der Täter.“ Das Hilfsangebot der Organisation finanziert sich über Spenden und Fördermittel, auch aus Europa.

„Unnatürlichen Geschlechtsverkehr“ unter Strafe

Wie in einer Reihe anderer afrikanischer Länder gilt in Ghana noch immer ein Gesetz aus der britischen Kolonialzeit, das „unnatürlichen Geschlechtsverkehr“ unter Strafe stellt. Es werde genutzt, um Menschen aus der queeren Community zu drangsalieren und vor Gericht zu bringen, erklärt Donkor. Aufgrund von Identität oder sexueller Orientierung verurteilt wurde zwar schon lange niemand mehr. Doch das könnte sich bald ändern, fürchtet die Community.

Denn im Parlament wird seit vergangenem Jahr ein Gesetzesvorschlag diskutiert, der queere Menschen weitreichend kriminalisieren würde. Nach den Vorstellungen des Abgeordneten Sam George, der treibenden Kraft hinter dem Anti-LGBT-Gesetz, sollen Gefängnisstrafen nicht nur für gleichgeschlechtlichen Sex, sondern auch für die Verbreitung von Informationsmaterialien eingeführt werden. Unterstützt wird George in seiner Kampagne von radikalen christlich-fundamentalistischen Gruppen, unter anderem aus den USA.

„Sie treiben ihren Hass in die Köpfe der Massen“, sagt Alex Kofi Donkor. Es seien die gleichen Gruppen, die auch schon in Nigeria und Uganda erfolgreich mit Politikern zusammengearbeitet hätten. Dort gibt es extrem strenge Gesetze, die vor allem Homosexualität bestrafen. Treffen könnte das viele: „Keine Familie in Ghana kann mit Gewissheit sagen, dass sie nicht ein Familienmitglied, einen Freund oder einen Nachbarn kennt, der oder die queer ist“, betont Donkor.

Attacken auf Aktivisten für sichere Abtreibungen

Die Kampagne ziele nicht nur auf die LGBT-Community, sondern auf jede andere progressive Gruppe, meint er. „Es ist nur eine Frage der Zeit. Sie zielen zuerst auf die Schwächsten, um dann in Ghana Fuß zu fassen.“ In Nigeria etwa attackierten dieselben Gruppen aus den USA und Europa auch Organisationen und Aktivisten und Aktivistinnen, die sich für sichere Abtreibungen einsetzten.

Für Donkor ist sein Engagement deshalb gerade so wichtig wie nie: „Ich hoffe, dass die Ghanaerinnen und Ghanaer zusammenstehen und die weitere Spaltung der Gesellschaft nicht zulassen“, sagt er.

Mit Plakaten in den größten Städten wollten er und sein Team im Juni ein Zeichen setzen. „Wenn alle in Ghana gleich behandelt werden, egal wo sie sind und wen sie lieben, das ist wahre Freiheit“ und „Liebe, Toleranz und Akzeptanz“ war auf den Postern zu lesen. Einen Tag später waren die Plakate in Accra heruntergerissen - der Abgeordnete Sam George hatte die Polizei dazu gebracht, das offiziell genehmigte Plakat wieder zu entfernen.