25.10.2017

Argumentation an der Oberfläche

   

In ihrem Buch über den Klimawandel in Chile kommt Elisabeth Holzner zu dem Schluss, dass sich die chilenische Regierung nur pro forma mit Umweltproblemen auseinandersetzt, sie de facto aber ignoriert. Konkrete Belege liefert sie für ihre Thesen allerdings kaum.

Elisabeth Holzner: Anpassung an den Klimawandel in Chile. Mandelbaum Verlag, Wien/Berlin 2017, 126 Seiten, 14,90 Euro
Die Politologin, die längere Zeit in Chile gelebt hat, geht in ihrem Buch der Frage nach, welche Priorität Umweltschutz und Anpassung an den Klimawandel im chilenischen Staat haben. Dafür untersucht sie vor allem den nationalen Anpassungsplan für die Landwirtschaft („Plan Nacional de Adaptación del Sector Silvoagropecuario“) und stellt einzelne seiner Maßnahmen vor. So bestehe etwa eine „Anpassungsstrategie“ darin, unter der Aufsicht des Landwirtschaftsministeriums ein Informationssystem zu Forschung, Technik und Entwicklung in Bezug auf den Klimawandelt einzurichten. Zudem solle die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Landwirtschaft mithilfe einer effizienteren Wassernutzung gestärkt werden.

Insgesamt stellt die Autorin fest, dass die Anpassung an den Klimawandel, wie sie der chilenischen Regierung vorschwebt, vor allem auf Produktivitätssteigerungen und zunehmenden Wettbewerb innerhalb der Landwirtschaft zielt. Gefahren und Auswirkungen des Klimawandels wie Wasserknappheit würden nicht in ihrem „sozialen Kontext“ betrachtet – den die Autorin allerdings auch nicht weiter erklärt. Immerhin weist sie darauf hin, dass die Ressource Wasser in Chile zu 100 Prozent privatisiert worden ist, so dass lediglich Eliten und die Wirtschaft von der effizienten Wassernutzung profitierten.

Holzner kritisiert das neoliberale Wirtschaftsmodell der chilenischen Regierung. Strukturen aus der Pinochet-Diktatur wie das binominale Wahlsystem, das Parlamentsmehrheiten quasi unmöglich machte, eine starke Opposition verhinderte und so zu einer Konsens-Politik führte, erschwerten bis heute Verfassungsänderungen zu Gunsten der Umwelt. So stuft etwa das Verfassungsorgangesetz den Bergbau in seiner Priorität höher ein als den Umweltschutz; Umweltschutzgesetze, die den Bergbau beeinflussen könnten, würden so außer Kraft gesetzt.

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Klimaanpassungspläne der chilenischen Regierung einem ausbeuterischen, neoliberalen Wirtschaftsmodell folgen und eine nachhaltige Anpassung an den Klimawandel eher erschweren als fördern. Dass man den Klimawandel überhaupt ins politische Programm aufgenommen habe, habe nur dem Zweck gedient, in die OECD aufgenommen zu werden und für den internationalen Wettbewerb interessant zu bleiben.

Das Buch ist die Masterarbeit der Autorin und deshalb sehr wissenschaftlich geschrieben – zuweilen auch für Laien kaum verständlich. Elisabeth Holzner nähert sich der Thematik überdies sehr theoretisch und nennt so gut wie keine konkreten Beispiele für ihre Thesen zu sozialen Auswirkungen des Klimawandels. Dadurch bleibt die Argumentation an der Oberfläche.
 

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