Umweltverträgliche Computer
Umweltverträgliche Computer

Faire Verwaltung

Der Kanton Waadt in der Westschweiz will nur noch fair produzierte Computer kaufen. Als erster öffentlicher Auftraggeber in der Schweiz ist der Kanton der internationalen Monitoring-Organisation Electronics Watch beigetreten.

Der drittgrößte Kanton der Schweiz mit knapp 800.000 Einwohnern kauft jährlich für rund drei Millionen Franken (rund 2,7 Millionen Euro) Hardware für die öffentliche Verwaltung. Diese Aufträge werden nur an Lieferanten vergeben, die gewisse Umwelt- und Sozialstandards erfüllen. So können Produkte ausgeschlossen werden, wenn sie kein anerkanntes Umweltlabel vorweisen können, sagt Valérie Bronchi, Projektleiterin im zuständigen kantonalen Departement.

Im Gegenzug können Lieferanten punkten, wenn ihre Sozial- und Umweltstandards den Vergabekriterien entsprechen. Dabei werden unter anderem ihre Geschäftsbeziehungen unter die Lupe genommen. Geprüft wird etwa, ob verarbeitete Rohstoffe aus Konfliktgebieten stammen oder ob die Arbeiter bei der Produktion von Mobiltelefonen und Computern krebserregendem Benzol ausgesetzt sind. Laut einer Studie von Brot für alle und Fastenopfer sind allein in China bis heute rund 100.000 Menschen an den Folgen einer Benzolvergiftung gestorben. Die beiden Hilfswerke appellieren an die Schweizer Mobilfunkunternehmen, ihre Lieferketten diesbezüglich zu überprüfen.

Electronics Watch erleichtert Austausch mit anderen

Von der Zusammenarbeit mit Electronics Watch verspricht sich der Kanton Waadt den Austausch und die Zusammenarbeit in Fragen fairer Beschaffung mit anderen öffentlichen Institutionen und Einrichtungen auf internationaler Ebene. „Durch unsere Mitgliedschaft erhöhen wir zudem unsere Glaubwürdigkeit bei der Respektierung der Arbeitsrechte und Sicherstellung der Menschenrechte“, betont Projektleiterin Bronchi. Electronics Watch begutachte kontinuierlich die Produktionsbedingungen in Risikoländern; das ermögliche es, „potenziell nicht konforme Lieferanten zu ermahnen und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen“. Zu den Mitgliedern von Electronics Watch gehören neben dem Kanton Waadt Universitäten und Kommunen in Großbritannien, Spanien und den Niederlanden. Die Organisation ist aus einem Projekt hervorgegangen, das die EU-Kommission von 2013 bis 2015 mit einer Million Euro gefördert hat und von der spanischen Organisation Setem geleitet wurde.

Es wurden Mustervertragsbedingungen und Beschaffungsinstrumente entwickelt, die mit den EU-Richtlinien in Einklang stehen. Das Projekt wurde 2015 beendet, und Electronics Watch besteht seither als unabhängige Organisation, die öffentliche Auftraggeber dabei unterstützt, „ihre Verantwortung für den Schutz der Arbeitsrechte in der globalen Lieferkette der Elektroindustrie wahrzunehmen“.

Diese Branche gehört mit ihren schätzungsweise 18 Millionen Arbeitern und einem Anteil von 25 Prozent am Industriegüterhandel zu den weltweit größten Wirtschaftszweigen. Seit den 1980er Jahren haben Markenhersteller einen Großteil der Produktion in Niedriglohnländer nach Südostasien, China, Indien, Osteuropa und Mexiko ausgelagert. Die Industrie hat mit einigen Problemen zu kämpfen: Die Auftragslage schwankt stark, immer komplexere Produkte müssen je nach Nachfrage kurzfristig („just in time“) gefertigt werden. Die Hersteller setzen deshalb zunehmend Zeitarbeiter ein – oft Migranten, Leiharbeiter oder Studenten –, die weniger verdienen, geringere Sozialleistungen erhalten und sich gegen Missbräuche schlechter zur Wehr setzen können als die Stammbelegschaft. Oft kommt es deshalb zu Konflikten, da grundlegende Arbeitsrechte nicht eingehalten werden.

Petition „Stopp Benzol“

Die beiden kirchlichen Hilfswerke Brot für alle und Fastenopfer haben eine Petition gestartet, mit der sie Schweizer Mobilfunkanbieter auffordern, sich bei den Markenfirmen dafür einzusetzen,…

erschienen in Ausgabe 10 / 2016: Welthandel: Vom Segen zur Gefahr?

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