M-Pesa

M-Pesa-Kunden vor einem Laden in Nairobi.

M-Pesa

Wie mobiles Geld Armut lindert

Überweisungen per Handy sind in Afrika längst Alltag. Das verändert die Wirtschaft. Und es hilft, der Armut zu entkommen – wie jetzt eine Studie am Beispiel Kenias belegt.

Tausende Kenianer und Kenianerinnen haben sich in den vergangenen Jahren mit Hilfe von “mobilem Geld“ aus der Armut befreit. Das geht aus einer Studie hervor, die die Zeitschrift „Science“ unlängst veröffentlicht hat. Mobiles Geld steht für die Möglichkeit, Geldbeträge über das Mobiltelefon zu empfangen, zu überweisen oder auch zu deponieren. Dieser Service, den es mittlerweile in vielen Entwicklungsländern gibt, bietet eine Alternative vor allem für Leute auf dem Land ohne Bankkonto. Laut der Studie profitieren davon besonders Frauen.

In Kenia hat das Mobilfunkunternehmen Safaricom vor zehn Jahren mobiles Geld eingeführt. Sein Dienst M-Pesa wird laut der Studie mittlerweile in 96 Prozent der Haushalte außerhalb der Hauptstadt Nairobi genutzt. An 110.000 Servicestellen im ganzen Land, etwa in Handyshops, Tankstellen, Straßenkiosken oder Internetcafés, können die Kunden Geld einzahlen, sicher verwahren oder abheben. Bei Überweisungen erhält der Empfänger per SMS einen Code, mit dem er den Betrag an einer anderen Servicestelle ausgezahlt bekommt.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass das verfügbare Einkommen und der Konsum in Haushalten mit Zugang zu M-Pesa im Untersuchungszeitraum 2008 bis 2014 stärker gestiegen ist als in solchen ohne Zugang – vor allem, wenn der Haushalt von einer Frau geführt wird. Seit seiner Einführung habe der Dienst dazu beigetragen, zwei Prozent der Haushalte in Kenia (um die 194.000) von der extremen Armut zu befreien.

Die Autoren betonen, es gebe „keinen definitiven Beweis“, wie genau M-Pesa dazu beitrage, die Armut zu reduzieren. Einige Vermutungen seien jedoch naheliegend. M-Pesa helfe zum Beispiel, solidarische Netzwerke für Krisenzeiten zu erweitern. Mit anderen Worten: Im Notfall ist eine Dorfbewohnerin nicht mehr auf Hilfe der Nachbarn angewiesen, sondern kann schnell Unterstützung von entfernteren Verwandten oder Bekannten bekommen. Laut der Studie erhalten Nutzer von M-Pesa mehr solche Überweisungen als Nichtnutzer.

Besser als Mikrokredite?

Die Möglichkeit, problemlos Geld zu überweisen, beeinflusst zudem wahrscheinlich die Jobsuche: Dank mobilem Geld kann die Familie auch von einem weiter entfernten und möglicherweise besser bezahlten Arbeitsplatz unterstützt werden. Über solche Mechanismen trage M-Pesa langfristig dazu bei, die Armut zu verringern, heißt es in der Studie.

Vor allem Frauen verschafft M-Pesa mehr Freiheit, über ihr selbst erarbeitetes Geld zu verfügen. Sie können es sicher deponieren und selbstständig darauf zugreifen, statt wie bisher das Familienoberhaupt um Erlaubnis bitten zu müssen. Laut der Studie führt das dazu, dass Nutzerinnen von M-Pesa eher riskante Investitionen tätigen und etwa einen kleinen Laden aufmachen, statt nur von Subsistenzlandwirtschaft zu leben. Auch das reduziert längerfristig Armut.

Eine interessante Schlussfolgerung der Autoren ist: Die armutsmindernde Wirkung von mobilem Geld könnte sogar größer sein als die von Mikrokrediten. Mehr Geld zu haben, kann nie schaden, vor allem wenn man am Existenzminimum lebt. Aber das Beispiel M-Pesa zeigt, dass es manchmal schon reicht, flexibel und unabhängig mit dem vorhandenen Geld arbeiten zu können.

erschienen in Ausgabe 2 / 2017: Europa: Die zaudernde Weltmacht

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