Guatemala
José Pilar Álvarez Cabrera spricht auch im Gottesdienst offen aus, wer von der Abholzung profitiert und wem sie schadet.
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Zur Demo nur mit Leibwächtern

José Pilar Álvarez Cabrera will den illegalen Holzeinschlag in den Nebelwäldern im Süden des Landes verhindern. Das hat ihm Respekt, aber auch Feindschaften eingebracht.

José Pilar Álvarez Cabrera sitzt am Schreibtisch in seinem Haus in La Trementina. Es ist Freitagvormittag und der 55-jährige Pfarrer der lutherischen Kirche Guatemalas (ILUGUA) hat Papierkram zu erledigen: Anfragen beantworten, Abrechnungen machen. Plötzlich vibriert der Tisch. Ein mit Baumstämmen beladener Truck donnert vorbei. Álvarez Cabrera rollt genervt mit den Augen. „Bis zu fünf schwere Lastwagen fahren hier pro Tag vorbei. Sie stehen für die Zerstörung der Granadillas“, sagt er und macht eine wegwerfende Handbewegung.

Las Granadillas heißt der von Nebelwäldern bedeckte, rund 400 Quadratkilometer große Gebirgszug, der sich im Süden Guatemalas nahe zur Grenze zu Honduras befindet. José Pilar Álvarez Cabrera ist dort regelmäßig unterwegs. In den kleinen Dörfern und Weilern zwischen 1200 und 1800 Meter über dem Meeresspiegel leben viele Mitglieder der lutherischen Gemeinde Guatemalas. Darunter sind viele Kleinbauern der indigenen Ethnie der Chortí wie Luís Ramírez de Rosa. Der 48-Jährige mit dem hellen geflochtenen Cowboyhut stammt aus der Gemeinde Las Flores und ist heute nach La Trementina gekommen, um mit Don Pilar, wie er den Pfarrer respektvoll nennt, einen Ausflug vorzubereiten. Am nächsten Tag wollen die beiden mit weiteren Gemeindemitgliedern an einem Protestmarsch gegen den Holzeinschlag in der Region teilnehmen.

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erschienen in Ausgabe 12 / 2018: Mehr als Reis und Weizen

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