Sprachpolitik
In einem Flüchtlingslager in Juba, der Hauptstadt  des Südsudan, werden Schüler in ihrer Muttersprache Nuer unterrichtet. Außerhalb des Lagers müssen sie ihre ethnische Zugehörigkeit verbergen –  sonst ­drohen Übergriffe.
Sprachpolitik

Krieg mit Worten

Der Südsudan wollte Englisch zur Amtssprache machen, um die Nation zusammenzuhalten. Der Versuch ist gescheitert – und einheimische Sprachen polarisieren stärker denn je.

Als der Südsudan im Jahr 2011 seine Unabhängigkeit vom Sudan erklärte, musste er für all das sorgen, was einen Staat ausmacht: eine Verfassung verabschieden, Geld drucken und Pässe ausgeben. Und dann war da noch das Problem der Landessprache. Der Südsudan hat eine sehr heterogene Bevölkerung, seine 13 Millionen Einwohner gehören Dutzenden verschiedenen Ethnien an und sprechen etwa 60 Sprachen. Die Mehrheit beherrscht außerdem das sogenannte Juba-Arabisch, das sich stark von der arabischen Standardsprache unterscheidet und nach der Hauptstadt des Südsudan benannt ist.

Arabisch ist jedoch die Sprache der sudanesischen Regierung in Karthum, von der sich die Menschen im Südsudan seit langem wie von einer Kolonialmacht behandelt fühlten, und gilt somit als Sprache der Unterdrücker. Der neue Staat erklärte deshalb in seiner neuen Verfassung Englisch zur Amtssprache, während alle heimischen Sprachen „respektiert, fortentwickelt und gefördert“ werden sollten. Englisch hatten zwar die Briten als Kolonialherren ins Land gebracht, doch das war schon lange her. Seine Verwendung als Amtssprache schien ein Fortschritt.

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erschienen in Ausgabe 3 / 2019: Rassismus

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