Migration und Entwicklung

Wolfgang Ammer

Migration und Entwicklung

Setzt euch für Migranten ein!

Entwicklungsagenturen stellen es als eine ihrer Aufgaben dar, Ursachen von Migration abzubauen. Sie sollten sich lieber dem Kampf für mehr sichere Migration und einen besseren Umgang mit Zugewanderten ­anschließen.

Die gängige Erzählung zu Migration und Entwicklung enthält einen gefährlichen Widerspruch: Obwohl sich die Mobilität von Arbeitskräften als einer der wirksamsten Hebel für Entwicklungsfortschritte erwiesen hat, sehen viele in der Entwicklungspolitik Tätige Migration als Problem an, das gelöst werden muss. Das beruht auf einem Mythos über Migrationsursachen: Mobilität wird lediglich als Flucht vor Armut und vor dem Mangel an Möglichkeiten wahrgenommen – nicht als eine Strategie gegen genau diese Probleme. Migranten sind demnach Opfer, die vor ihren eigenen Entscheidungen geschützt werden müssen, und Entwicklungszusammenarbeit gilt als passendes Mittel dafür. 

Der politische Vorteil dieser Sichtweise liegt auf der Hand: Leute, die sich der politischen Mitte zuordnen – von Sozialdemokraten über Liberale bis hin zu den gemäßigten Rechten –, können sich in diese Argumentation flüchten, um die Besessenheit von undurchlässigen Grenzen zu beschönigen, obwohl genau dieses Modell oft die Grundsätze freiheitlicher Demokratien verletzt. Der Vorschlag der EU-Kommission für einen neuen Pakt für Migration und Asyl ist eines der jüngsten beunruhigenden Beispiele.

...

erschienen in Ausgabe 7 / 2021: Entwicklung wohin?

Neuen Kommentar schreiben