Anpassung an das Ungewisse

Viele Folgen des Klimawandels lassen sich nicht mehr abwenden. So werden die Bedingungen für die Landwirtschaft vielerorts schlechter, Wetterextreme häufiger, und der Meeresspiegel steigt. Doch die Folgen für einzelne Orte sind schwer absehbar. Dennoch muss man sich darauf einstellen und dafür sorgen, dass Hilfe dafür den verwundbaren Gruppen zugutekommt und lokale Lösungsansätze unterstützt.

Für die Menschen in Afrika ist der Klimawandel längst Wirklichkeit. Die alten Bauernkalender stimmen nicht mehr. Mal kommt der Regen, mal bleibt er aus oder versiegt, kurz nachdem die Menschen ihre wertvolle Saat in den Boden gelegt haben. Dann verdorren die jungen Pflanzen lange vor der Ernte. Manchmal schüttet es aber auch so stark, dass das Getreide wegschwimmt, der Boden erodiert und Brunnen verschmutzen. Mangel an Lebensmitteln gehört in Subsahara-Afrika seit langem zum Alltag. Doch in den vergangenen Jahren spielt das Wetter verrückt – und das hat die Lage gerade der Ärmsten weiter verschlechtert.

Kaum jemand hier hat die Chance, seine Felder künstlich zu bewässern. Und so sind die Erwartungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) dramatisch: Der Klimawandel könnte die Ernteerträge im südlichen Afrika und in Westasien bis 2080 um bis zur Hälfte reduzieren. Dagegen werden sich die Anbaubedingungen in Westeuropa, Nordamerika und Sibirien mit steigenden Temperaturen verbessern. Werner Schwarz, Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, frohlockte bereits: Mittelfristig könne hierzulande vermutlich mit 30 oder gar 40 Prozent höheren Ernten gerechnet werden. Insgesamt aber wird die Getreideproduktion infolge des Klimawandels stark zurückgehen, lauten die längerfristigen Prognosen. 

Autorin

Annette Jensen

ist freie Journalistin in Berlin mit den Schwerpunkten Umwelt, Wirtschaft und Arbeitsbedingungen

Zugleich ist absehbar, dass immer mehr Menschen aufgrund von Dürren ihre Heimat verlassen müssen. Auch Konflikte zwischen Bauern und Nomaden werden zunehmen, wenn Wasser knapper wird und die Wüsten sich ausbreiten. Im Konflikt in Darfur im Westen des Sudan hat das bereits eine Rolle gespielt. Krankheiten wie Malaria oder Dengue-Fieber haben sich ebenfalls in Gegenden ausgebreitet, in denen sie bisher unbekannt waren und wo die Menschen nicht auf sie vorbereitet sind. Auch die Wasserqualität sinkt, wenn die Temperaturen steigen; damit erhöht sich die Gefahr von Durchfallerkrankungen. Zunehmende Unwetter sind eine weitere Folge des Klimawandels. Die sintflutartigen Regenfälle 2010 in Pakistan – die schlimmsten seit Menschengedenken – kosteten fast 2000 Menschen das Leben und zerstörten in ganzen Regionen flächendeckend Häuser, Fabriken und landwirtschaftliche Betriebe. Auch Wirbelstürme wüten immer heftiger; ihre Zahl in Mittelamerika erhöht sich deutlich.

Zugleich steigt der Meeresspiegel bereits heute jährlich um etwa drei Millimeter. Dass die Bewohner kleiner Pazifikinseln wie Tuvalu ebenso ihre Heimat verlieren werden wie Millionen Menschen in Bangladesch, wenn die Pegel einen Meter höher steigen, kann als sicher gelten. In Bangladesch müssten bei einem globalen Temperaturanstieg von vier Grad bis 2050 etwa 20 Millionen Menschen umgesiedelt werden, schätzt die dortige Regierung; weltweit müssten nach Prognosen der Internationalen Organisation für Migration wahrscheinlich mehr als 200 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen. Derweil stellt im Himalaya und in den Anden das Abschmelzenden der Gletscher ein existenzbedrohendes Problem dar. Zunächst treten die von ihnen gespeisten Flüsse immer wieder über die Ufer; wenn dann die Gletscher stark geschrumpft sind, ist absehbar, dass in Perus trockenen Küstenregionen oder den indischen Millionenstädten Kalkutta und Patna das Wasser knapp wird.

erschienen in Ausgabe 12 / 2012: Leben mit dem Klimawandel

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